Hubers Aufwisch

Was Seilbahn und Nationalbahn gemein haben

Roman Huber: «Nur wer die Situation als Ganzes nicht erfasst, tut die Gondelbahn vom Bahnhof in die Bäder als Bieridee ab.»

Roman Huber: «Nur wer die Situation als Ganzes nicht erfasst, tut die Gondelbahn vom Bahnhof in die Bäder als Bieridee ab.»

Roman Huber (64) ehemals Redaktor dieser Zeitung, pickt in seiner Kolumne aus dem jüngsten Geschehen heraus, was in der Region beschäftigt.

Das neue Jahr ist noch nicht alt, und schon sind zwei (Verkehrs-)Themen auf den Tisch gekommen: Seit bald 13 Jahren läuft die Planung für eine Bebauung der letzten grossen, zusammenhängenden Baulandreserve der Stadt Baden, nämlich für das Gebiet Galgenbuck in Dättwil.

Im revidierten Entwicklungsrichtplan, der vergangenen September vom Einwohnerrat genehmigt wurde, hatte man sinnvollerweise die Geschossfläche noch erhöht. Jetzt gibt es nur noch ein Problem: Im Galgenbuck ist autoreduziertes Wohnen angesagt, wie es gemäss städtischer Bauordnung angeordnet werden kann.

Das ist an und für sich gut. Nur: Wie will man mit Bus und Postauto die Mobilitätsbedürfnisse der 1000 bis 2000 neuen Bewohnerinnen und Bewohner befriedigen? Wenn schon die ganze Zeit von der Weiterführung der Limmattalbahn bis nach Baden die Rede ist, so sollte man sich nun schleunigst Gedanken darüber machen, wie deren Weiterführung nach Dättwil aussehen könnte, wo die neuen Pendler aus dem Galgenbuck und ebenso solche von Mellingen oder vom Rohrdorferberg abzuholen wären.

Alles schon geprüft, wird man beim Kanton sagen. Doch die Aktivierung der Nationalbahnstrecke für den Personenverkehr müsste wirklich nochmals kreativer angedacht werden. Die SBB, die diesen Streckenteil nur noch für Güter- und Ausweichverkehr nutzen, hatten dafür im 2017 ihre Bereitschaft signalisiert.

Von der Nationalbahn zur Seilbahn. Sie kommt nun aufs politische Tapet. Nachdem die einzelnen Stadtratsmitglieder ob dieser Idee schon übers ganze Gesicht gestrahlt hatten, müssen sie nun als politische Exekutive Stellung beziehen. Höchste Zeit dafür! Dass gerade Reise-Unternehmer Karim Twerenbold als Einwohnerrat diese Anfrage dem Stadtrat stellt, ist kaum Zufall.

Hier geht es um eine Verkehrslösung, die auch touristisches Denken erfordert. Es geht um Mehrverkehr, der bei zu erwartender Hochblüte mit den neuen Bäder-Projekten in wenigen Jahren kaum mehr abzuwickeln sein wird. Vor zehn Jahren hatte RVBW-Direktor Stefan Kalt die Idee bereits in die Öffentlichkeit getragen. Seither wird sie wiederholt thematisiert und dann wieder beiseitegelegt.

Nur wer die Situation als Ganzes nicht erfasst, tut die Gondelbahn vom Bahnhof in die Bäder als Bieridee ab. Damit wird nicht nur ein Teil des Tagestourismus elegant abgewickelt, sondern auch die Attraktivität der Bäder gesteigert. «Mit der Gondel ins Botta-Bad!» – Da bietet sich eine exklusivere Einzigartigkeit in einem umkämpften Bädertourismus, die man kaum noch toppen könnte.

Der Jahresalltag hat uns alle wieder. Die drei (!) Adventsdörfer sind bald abgeräumt. Wer die Stadt in dieser Zeit besuchte, hatte die Wahl, sich zu vergnügen und sich weihnachtlich einzustimmen. Gut, Glühwein gab’s überall. Jedoch das Eisfeld auf dem Theaterplatz war insbesondere für die Kinder ein Riesenhit. Das Fondue und das gebrannte Wasser ohnehin mundeten auf dem unteren Bahnhofplatz wie eh und je. Und auch auf dem Cordulaplatz herrschte zuweilen Gemütlichkeit.

Nur: Die Kasse stimmt nach diesen anstrengenden Tagen bei weitem nicht für alle Beteiligten. Eigentlich schade. Vielleicht braucht es da seitens der Stadt eine koordinierende oder korrigierende Hand, die nach dem Leitspruch «Weniger ist mehr» mit den Veranstaltern eine gute Lösung für den nächsten Advent suchen hilft.

Wenn auch gleich zwei Ziffern mit der neuen Jahreszahl gewechselt haben, so sei hier noch eine Personalie aus dem Vorjahr «aufgewischt». 18 Jahre lang war sie im Einwohnerrat, die letzten beiden als Ratspräsidentin: Karin Bächli. Die Badener SP-Politikerin hat mit ihrer konzilianten Art trotz klarer politischer Haltung in dieser Zeit Ratsbetrieb und Politleben geprägt wie nebst alt Stadtammann Sepp Bürge kaum eine andere Person.

Ihr Abtritt von der politischen Bühne hatte sich abgezeichnet, nachdem sie im Oktober 2017 die Wahl in den Stadtrat knapp verpasst hatte. Ihr Abschiedswunsch an ihn anlässlich ihrer Würdigung in dieser Zeitung: «Ich wünschte mir vom Stadtrat mehr Tatkraft.» Nun, Bächli ist erst 42 – und ein späteres Mitwirken ja nicht ausgeschlossen.

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