Baden
Was Swissness und Deutschtum unterscheidet – Psychoanalytiker erklärt es

Er nahm im Trafo den Begriff der Swissness auseinander: Der Psychoanalytiker und Satiriker Peter Schneider. Mit dem Hype um die Swissness habe es auch bei den Traditionen einen Modernisierungsschub gegeben.

David Egger
Merken
Drucken
Teilen
Der gebürtige Deutsche Peter Schneider: «Swissness ist ansteckend.»

Der gebürtige Deutsche Peter Schneider: «Swissness ist ansteckend.»

Emanuel Per Freudiger

Für Peter Schneider ist Swissness vor allem eine Werbemarke. «Man kann es ruhig Marketingpatriotismus nennen», sagt der Kolumnist, Satiriker und Psychoanalytiker Peter Schneider.

Patriotismus werde dann unangenehm, wenn er ins Politische gedreht wird, so Schneider. Er wurde in Deutschland geboren und lebt seit 32 Jahren in Zürich, mittlerweile ist er Schweizer Bürger.

Dass Swissness nichts mit den Genen zu tun habe, ist für ihn klar: «Es ist ein englischer Begriff. Englisch ist die Sprache der Werbung.»

Im Marktplatz-Gespräch mit Moderator Hugo Bigi stellte er fest, dass es im Ausland keine vergleichbaren Werbemarken gebe. «Es gibt keine ‹Germanness›. Und Deutschtum ist das Gegenteil von sexy», so Schneider.

«Mit dem Swissness-Hype gab es auch bei den Traditionen einen Modernisierungsschub», sagt Schneider. «Damit ist die Schweiz keine Jodelmarke mehr. Swissness ist eine urbane Marke.» Welche Produkte repräsentieren das? «Freitagtaschen und Unterwäsche von Zimmerli», so Schneider. Für ihn ist klar: «Swissness ist ansteckend».

Zu Beginn des Gesprächs hinterfragte er auch seine Rolle als Psychoanalytiker: «Wir gehen nicht in die Tiefe, sondern beschäftigen uns mit der Oberfläche und den Brüchen, die man dort findet.» Moderator Bigi dazu: «Genau wie die Medien.»

Der «Marktplatz» als Ausklang der KMU-Tagung bot neben dem Gespräch mit Schneider die Möglichkeit mit dem Badener Stadtrat ins Gespräch zu kommen, der in voller Besetzung ins Trafo kam. Hugo Bigi zog vor dem Gespräch ein Fazit: «Die Schweiz als Sonderfall ist eher negativ konnotiert. Besonders darf die Schweiz aber weiterhin sein.»