Baden

Was um Himmels willen sind Finken?

Im Erzählcafé wird auch viel gelacht. Ursula Burgherr

Im Erzählcafé wird auch viel gelacht. Ursula Burgherr

Das Erzählcafé bringt fremde Menschen zusammen, die miteinander Lebensgeschichten austauschen.

Letzten Herbst haben die Kirchdorfer Journalistin Kathy Horisberger und die Sprachlehrerin Karin Wrulich aus Baden das «Erzählcafé» ins Leben gerufen. Menschen aller Konvenienzen kommen einmal im Monat zusammen und erzählen sich zu einem vorgegebenen Thema Geschichten aus ihrem Leben. Die meisten kennen sich noch nicht, doch während des Berichtens entwickelt sich erstaunlich rasch eine vertraute Atmosphäre. Für die ersten Ausgaben, die jeweils am dritten Montag des Monats ab 14.30 Uhr im Kulturcafé C4T in Baden über die Bühne gehen, richten sich die beiden Moderatorinnen vor allem an Senioren. Informiert wurde durch den Seniorenrat und Mundpropaganda von begeisterten Teilnehmern. «Aufgrund der grossen Nachfrage könnten wir uns aber gut vorstellen, künftig solche Anlässe auch abends für Jugendliche zu veranstalten», meinen die beiden.

Die Kultur des Geschichtenerzählens ist uralt und trotz der zunehmend virtuellen Welt alles andere als ein Auslaufmodell. Der Bedarf, zusammenzusitzen und sich persönlich auszutauschen, erlebt im Gegenteil einen regelrechten Boom. «In Berlin werden immer mehr Erzählcafés gegründet, die sehr gut laufen», sagt Wrulich. Wie holt man aber fremde Personen aus der Reserve? Gerade Schweizer sind ja nicht als exzessiv kommunikationsfreudig bekannt… «Das ist ein Vorurteil», widerspricht Horisberger. «Die Teilnehmenden sind total motiviert. Da wir das Thema jeweils vorgeben, hat meist jemand auf Anhieb eine Geschichte parat.» Wer anfänglich etwas zurückhaltend ist, wird sanft aus der Reserve gelockt. Es redet derjenige, der gerade Lust hat, die Moderatorinnen lassen den Leuten Zeit. So erfährt man zum Thema «Das erste Mal» von Margrit, Auslandsschweizerin in der Kindheit, über ihr allererstes Flugerlebnis von Afrika zurück in ihr Schweizer Heimatland, das mit Notlandung endete. Krankenschwester Hilde aus Deutschland erinnert sich an ihre anfänglichen Sprachschwierigkeiten: «Was um Himmels willen war mit ‹Ich brauche meine Finken› gemeint? Ich dachte zuerst immer, die Patienten reden von Vögeln.» Viel gelacht wird in den geselligen Runden, die zurzeit noch sehr frauenlastig sind. Horisberger und Wrulich fügen hinzu: «Unser Erzählcafé ist auch eine Initiative gegen die Einsamkeit, unter der vor allem ältere Menschen zunehmend leiden.»

Das nächste Erzählcafé: am 19. Januar, um 14.30 Uhr, Kulturcafé C4T, Kronengasse 4 in Baden. Das Thema ist «Meine Mutter/Mein Vater» oder «Mein Grossvater/Meine Grossmutter».

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