Es ist ruhig an diesem Mittwochabend in der UnvermeidBar. Wegen den Ferien sind wohl nur wenig Besucher gekommen, um das Theaterstück «Ich bin alles, was von einer bizarren Kindheit übrig blieb» zu sehen. «Am vergangenen Wochenende hatten wir volles Haus», sagt Isabelle Küng. Sie hat Christoph Matti, dem Schauspieler und Autor des Stückes, die Kleinbühne in der Altstadt vermittelt.

Mattis Gastspiel erzählt die Geschichte von Liebe und Menschsein, geht letztlich aber der Frage nach: Wie ist es, wenn man schwul ist? Wie ist es, ständig suggeriert zu bekommen, man wäre nicht gut, nicht in Ordnung, weil man «so»ist. Von Eltern, der Gesellschaft, der Politik, den Kirchen. Matti: «Was dann zu folgender Aussage führt: <Ach, wäre ich doch blind, taub oder hätte ein Chromosom zuviel, alle würden mich lieben. Aber <so>.»

Man fühlt sich an den ehemaligen Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, erinnert, der diese Aussage einst umkehrte: «Ich bin schwul, und das ist gut so.»

Zwiegespräch mit Säuli: Ausschnitt aus dem Stück «Ich bin alles, was von einer bizarren Kindheit übrig blieb»

Zwiegespräch mit Säuli: Ausschnitt aus dem Stück «Ich bin alles, was von einer bizarren Kindheit übrig blieb»

von und mit Christoph Matti

Persönliches Comedy-Drama

Im Vorgespräch mit dem «Badener Tagblatt» hat Christoph Matti gesagt oder gar gewarnt: «Es ist ein Comedy-Drama, das aber auch persönlich ist.» Die Zuschauer im Teatro bringt Matti mit seiner Geschichte zum Lachen, aber auch zum Nachdenken. Aussagen wie: «Ein schwules Spermium hat bei der Befruchtung als einziges die weibliche Eizelle erreicht» bringt einen zum Lachen. Das Thema AIDS hingegen, das heute fast ein wenig den Schrecken verloren hat, lässt ein Schmunzeln fast ersticken. Oder: Wie fühlt es sich an, wenn man mit einem sexuellen Migrationshintergrund aufwächst.

«Kein Regenbogenkind wird sich je fürchten müssen, seinen Eltern zu sagen, dass es hetero ist»

«Kein Regenbogenkind wird sich je fürchten müssen, seinen Eltern zu sagen, dass es hetero ist»

Ausschnitt aus dem Stück von und mit Christoph Matti.

Stück soll aufrütteln

Als Zuschauer weiss man nie, ob es politisch korrekt ist, sich über all dies zu amüsieren. Wer das Stück aber auf eine billige Satire reduziert, tut Matti unrecht: Der 52-Jährige will mit seiner Aufführung, die er schon in Zürich und Berlin gezeigt hat, aufrütteln. Matti hat vor der Inszenierung im noch leeren Teatro gesagt: «Ich finde es schön, wenn ich nach der Aufführung Feedback vom Publikum bekomme.» So sagte ihm etwa eine Mutter nach einer Aufführung in Zürich: «Ich habe nun verstanden, weshalb sich meine lesbische Tochter so verhalten hat.»