Baden
Wegen AKW Beznau: Greenpeace-Aktivisten verhüllen Axpo-Hauptsitz

Rund 30 Greenpeace-AktivistInnen haben heute Morgen ein Glasgebäude des Axpo-Hauptsitzes in Baden mit schwarzem Stoff verhüllt. Sie fordern von der Betreiberfirma mehr Informationen zu den Problemen beim AKW Beznau. Die Axpo kündigt Medienkonferenz an.

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Die Greenpeace-Aktivisten haben im Morgengrauen losgelegt: Sie erklommen ein Glasgebäude am Axpo-Hauptsitz und entrollen grosse schwarze Tuchbahnen. Diese verhüllten die Fassaden und "machten aus dem Axpo-Hauptsitz eine Blackbox", wie die Umweltschutzorganisation mitteilt. Auf Transparenten stellte Greenpeace die provokative Frage: «Was hat die Axpo zu verbergen?»

Greenpeace will damit auf die "riesigen Transparenz-Defizite im Zusammenhang mit dem AKW Beznau" aufmerksam machen. Die Axpo ist die Betreiberin des AKW in Döttingen AG.

«Es muss jetzt endlich Licht in diese Blackbox kommen», lässt sich Florian Kasser, Leiter der Atomkampagne von Greenpeace Schweiz, in einer Medienmitteilung zitieren.

Greenpeace-Aktivisten verhüllen ein Axpo-Gebäude am Haupsitz.
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Greenpeace-Aktivisten verhüllen ein Axpo-Gebäude am Haupsitz.

TeleM1/Jean-Pierre Carène

Axpo reagiert

Zum Vorwurf, die Axpo sei eine Blackbox, sagt Axpo-Sprecher Hans Ulrich Walther: "Immer wieder den gleichen Vorwurf zu erheben, macht ihn nicht wahrer. Fakt ist, Axpo informiert die Öffentlichkeit immer wieder und regelmässig über die Arbeiten in Beznau." Letztmals habe eine Medienkonferenz Anfang Mai stattgefunden, bereits am kommenden Dienstag gebe es eine weitere Medienkonferenz.

Bereits am Dienstag, also zwei Tage vor der Greenpeace-Aktion, hat die Axpo dazu eine Einladung verschickt. Laut dieser werden Andy Heiz, Leiter Produktion und Netze, sowie Mike Dost, Leiter des Kernkraftwerks Beznau, an einem Mediengespräch über die Untersuchungen am Reaktordruckbehälter von Block 1 des AKW informieren.

Die Axpo lässt die Greenpeace-Aktivisten vorläufig gewähren, will die Aktion aber nicht weiter kommentieren. Die Aktivisten beschriften im Laufe des Tages ein weisses Transparent vor der verhüllten Fassade - mit den Namen der Organisationen und Privatpersonen, die die Forderung nach mehr Transparenz unterstützen.

Wenn alle Namen angebracht sind, will Greenpeace laut eigener Aussage "die gewaltfreie Protestaktion beenden." Die Polizei ist am Hauptsitz in Baden präsent, hat aber bisher nicht ins Geschehen eingegriffen.

Greenpeace versucht mit der Aktion, Druck auf Axpo zu machen. Die Umweltorganisation kritisiert, dass die Axpo Block 1 des AKW Beznau bis Ende Jahr wieder in Betrieb nehmen will. Der Reaktor ist seit März 2015 abgeschaltet.

Beim Bundesverwaltungsgericht ist eine Beschwerde von Greenpeace hängig. Darin wird gefordert, dass die Atomaufsichtsbehörde ENSI einen Sicherheitsbericht der Axpo zum Zustand des AKW Beznau 1 herausrückt.

Laut Medienmitteilung von Greenpeace machen sich die Umweltschützer "Sorgen um den Zustand des Herzstücks von Beznau 1, den Reaktordruckbehälter. Dieser ist aufgrund des jahrzehntelangen Betriebs des ältesten AKW der Welt stark versprödet, also abgenutzt."

Einen Bericht, der über den Grad der Versprödung detailliert Auskunft geben würde, halte die Axpo aber weitgehend unter Verschluss – trotz anderslautender Empfehlung des Öffentlichkeitsbeauftragten des Bundes (EDÖB).

Ähnlich intransparent informiere die Axpo über darüber, dass in der Stahlwand des Druckbehälters im letzten Jahr fast 1000 Schwachstellen entdeckt wurden. «Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, vollständig über das Ausmass dieser Schäden informiert zu werden», sagt Kasser. «Bei einem schweren Atomunfall im AKW Beznau wäre die Bevölkerung die Leidtragende.»

Das AKW Beznau in Döttingen AG

Das AKW Beznau in Döttingen AG

Sandra Ardizzone

Greenpeace hat Axpo-CEO Andrew Walo und weitere 40 Organisationen zu einem öffentlichen Hearing in Baden eingeladen. Ziel: Mit einer öffentlichen Anhörung solle die Bevölkerung die Gelegenheit bekommen, Fragen zu Beznau zu stellen und Antworten zu erhalten. Laut einem Brief, den Greenpeace bei der heutigen Protest-Aktion verteilt hat, "verweigert" Walo bisher eine Teilnahme. (pz/fh/af/sda)

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