Baden

Wegen Bierfest nebenan: Das Bluesfestival flüchtet aus dem Nordportal

Das Zentrum des Bluesfestivals befindet sich nicht mehr wie im vergangenen Jahrzehnt im Nordportal.

Das Zentrum des Bluesfestivals befindet sich nicht mehr wie im vergangenen Jahrzehnt im Nordportal.

Der bekannte Badener Musikevent findet dieses Jahr in der Stanzerei statt. Grund dafür ist das «Frühlings-Wiesn», das ganz in der Nähe stattfindet. Die Nordportal-Betreiber sind derweil über den Stadtrat verärgert.

Das Bluesfestival zählt seit 2004 Jahr für Jahr zu den wichtigsten Kulturevents in Baden, es lockt Musikfans aus der ganzen Schweiz an. Konzerte finden an diversen Standorten in der Stadt statt, doch die eigentliche Heimat des Festivals ist seit rund einem Jahrzehnt das Nordportal. Präsidentin und Gründerin Susanne Slavicek: «Hier richteten wir jeweils das Festivalzentrum ein. Nach langer und reiflicher Überlegung haben wir uns entschieden, das Zentrum dieses Jahr in die Stanzerei zu verlegen.»

Grund für den Umzug: Die «Frühlings-Wiesn», die teilweise zeitgleich in der nahe gelegenen «Alten Schmiede» stattfindet. «Mit Blick auf das Wohl unserer Besucher sind wir zum Schluss gekommen, dass es Sinn macht, eine gewisse Distanz zur Wiesn zu schaffen, die unsere Aktivitäten auf dem Vorplatz des Nordportals nachhaltig stören würde.»

Die Befürchtungen: Die Musik und der Lärm des Bierfests könnten die Blues-Konzerte stören. Ausserdem könnte es zu Parkplatzknappheit und Anlieferungsproblemen kommen. Slavicek: «Wir haben rund 100 Stunden investiert, um eine Lösung zu finden. Wir werden das Schlusswochenende nun in der Stanzerei durchführen. Wir mussten das Budget überarbeiten und haben nun leider weniger Planungssicherheit als früher.»

Dass die Stadt, der die alte Schmiede gehöre, das Wiesn-Fest bewilligt habe, sei unglücklich, sagt die Festivalgründerin. «Wir finden, die Stadt müsste einen Überblick über die Kulturevents und die Koordination im Griff haben.» Die Vorfreude auf den neuen Standort in der Stanzerei sei aber gross: «Wir freuen uns auf die neue Herausforderung.»

Nordportal-Betreiber: «So macht es keine Freude»

Weniger versöhnlich äussern sich die drei Unternehmer des Nordportals. Sie machen ihrer Unzufriedenheit mit einem Brief an den Badener Stadtrat und die Einwohnerräte Luft. «So macht es keine Freude mehr. Die Existenz des Nordportals sowie auch die unsrige wird ohne jeglichen Grund und Rücksichtnahme aufs Spiel gesetzt. Ein Skandal!», schreiben Clive Hupf, Maik Strassl und Clemens Hauser von der «Kailua GmbH».

Die Stadt habe die «Frühlings-Wiesn» bewilligt, ohne das Nordportal und andere Anrainer zu informieren. «Wir haben per Zufall auf Facebook davon erfahren.» Da die beiden Anlässe nicht kompatibel seien  – zu unterschiedlich das Zielpublikum und die Vorstellungen  – finde das Bluesfestival nun an einem anderen Ort statt.

«Dem Nordportal fehlen dadurch Einnahmen in Höhe von 10000 Franken.» Das Nordportal könne während der «Frühlings-Wiesn» unmöglich normal betrieben werden. «Wir befürchten massive Störungen durch betrunkene Personen auf unserem Areal.»

Das Werkk sei ursprünglich als Jugendtreff für die jungen Leute umgebaut worden. Anscheinend habe man bei der Stadt Baden entschieden, «dass dort stattdessen auch Halligalli-Anlässe stattfinden dürfen», mäkeln die Nordportal-Betreiber. Sie entschlossen sich 2018 dazu, das Nordportal weiterzuführen – trotz Wegfall der Subventionen.

«Mit grossem persönlichen und finanziellen Einsatz ist es uns gelungen, das vergangene Jahr ohne einen Steuerfranken und unter Bezahlung einer marktkonformen Miete erfolgreich abzuschliessen. Leider werden unsere Bemühungen nun von der Stadt untergraben, mit einer für uns unverständlichen und unfairen Behandlung.» Die Stadt Baden will erst das Nordportal informieren und danach öffentlich Stellung nehmen.

«Wir boten Hand für eine Lösung»

Simon van Voornveld von der Wiesn Events GmbH, welche die «Frühlings-Wiesn» durchführt, sagt derweil: «Als unser Vorverkauf bereits in vollem Gang war, kam Susanne Slavicek vom Blues Festival auf uns zu und erklärte uns die Problematik. Wir waren bereit, organisatorische Anpassungen vorzunehmen, beispielsweise die Musikpausen dann zu machen, wenn Aussenkonzerte des Festivals stattfinden. Wir versuchten so gut wie möglich Hand zu bieten, damit beide Events gleichzeitig und nebeneinander hätten stattfinden können.»

Ziel für das nächste Jahr müsse es sein, dass Blues Festival und die «Frühlings-Wiesn» nicht zeitgleich stattfinden, sodass beide Events in den gewohnten Bahnen durchgeführt werden können, sagt van Voornveld.

Impressionen vom Bluesfestival 2019

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