Baden/Spreitenbach
Wegen eines Casanovas gehen zwei Frauen vor dem Shoppi aufeinander los

Zwei Frauen, die beide dem gleichen Mann verfallen waren, standen vor dem Bezirksgericht. Nach einer zufälligen Begegnung vor dem Shoppi in Spreitenbach kam es zu einem blutigen Showdown. Dabei wurde ein junger Mann verletzt, der schlichten wollte.

Rosmarie Mehlin
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Vor dem Shoppi Tivoli in Spreitenbach gehen zwei eifersüchtige Weibsbilder heftig aufeinander los.

Vor dem Shoppi Tivoli in Spreitenbach gehen zwei eifersüchtige Weibsbilder heftig aufeinander los.

Beim Verlassen des Shoppi Spreitenbach, an einem Samstagabend Ende Juli 2011, stiess ein junger Mann im Freien auf drei Frauen. Zwei ältere und eine junge, die sich sackgrob in den Haaren lagen. Als er die Streithennen trennen wollte, spürte er unverhofft einen Stich im Rücken. Wenig später trafen Ambulanz und Polizei ein: Zwei Frauen mussten ins Spital überführt, der junge Mann ambulant behandelt werden.

Vor Bezirksgericht Baden wurde in das düstere Geschehen nur diffuses Licht gebracht. Klafften die Aussagen der drei beteiligten Damen doch in gewissen Punkten auseinander. Sonnenklar und einig war man sich allerdings, dass die Ursache allen Übels bei einem Mann zu suchen war. Nennen wir ihn Giacomo* (wie Casanova), denn in dessen Fussstapfen wandelt der Besagte zweifellos.

Sex in der Minigolf-Anlage

Rany*, geboren im fernen Osten, durch Heirat Schweizerin geworden und inzwischen verwitwet, hatte Giacomo 2001 durch ein Inserat kennengelernt. «Wir haben uns geliebt», sagt die zierliche, schwarzhaarige 54-jährige unter Tränen.

Nach vier Jahren, als sie herausbekommen hatte, dass Giacomo verheiratet ist und sich nichtsdestotrotz nicht nur mit ihr, sondern gleich reihenweise mit Geliebten verlustierte, wollte Rany Schluss machen.

«Da zeigte er mir Filme und Fotos, die er heimlich von uns beim Sex aufgenommen hatte und drohte sie zu veröffentlichen, wenn ich ihn verlasse.» Auch habe er ihr zwei Pistolen gezeigt. Aus Angst blieb Rany dem Untreuen treu. Erst 2011 beschloss sie, endgültig einen Schlussstrich zu ziehen.

Den Ausschlag hierfür gab Ivica. Die 49-jährige Südosteuropäerin, zweimal geschieden, aschblond und sehr dünn, hatte Giacomo 2009 im Restaurant kennengelernt, in dem sie damals servierte. «Wir hatten drei, vier Mal pro Woche Sex. Entweder in seinem Ferienhaus im Fricktal oder in seinem «Büro» (das vorwiegend als Absteige diente) im Shoppi Spreitenbach.

Er hat erzählt, dass er manchmal mit Frauen auch auf der Minigolf-Anlage verkehre.» Beruflich habe Giacomo «irgend etwas mit Immobilien und Baustellen und so» zu tun gehabt; seine Frau habe ihr gegenüber mal gesagt, er sein «ein schlimmer Mann».

Blutiger Showdown

Aus ungeklärten Gründen hatte Rany von Giacomos sämtlichen Amouren explizit sein Verhältnis mit der blonden 49-jährigen mitbekommen. Eines Tages, so Ivica, als sie mit ihm in einer Beiz gesessen habe, sei Rany mit einer gerahmten Collage von lauter Frauenporträts – auch das von Ivanca war darunter – aus dem Besitz von Giacomo aufgetaucht.

Diesen Auftritt, so die schwarzhaarige 54-jährige, habe nie stattgefunden. Ivanca aber blieb dabei und sagte, sie habe dieses Foto unbedingt zurückhaben wollen.

So kam es zum blutigen Showdown beim Shoppi. Dort war Ivica, auf Einkaufstour mit Tochter Petra*, zufällig auf Rany gestossen. Sie war unterwegs zu Giacomos «Büro», angeblich um Schluss zu machen.

Ivanca sprach die Rückgabe des Fotos an, doch eh man sich versah wurden – um es mit Schillers Worten auf den Punkt zu bringen – die drei «Weiber zu Hyänen». Ivanca schrie «lass Giacomo in Ruhe sonst passiert dir etwas», bedrängte die Rivalin, tatkräftig unterstützt von ihrer damals 15-jährigen Tochter massiv, stiess sie zu Boden und trat sie.

In ihrer Bedrängnis und Angst zog Rany aus ihrer Tasche einen Trokar, ein spitzes medizinisches Instrument, und stiess wild auf Ivanca ein – traf zu guter Letzt auch den jungen Schlichter.

Leidender Casanova

Die Bilanz: Schürfwunden sowie eine Fraktur der Kniescheibe bei Rany, Stichverletzungen am Oberschenkel, in der Bauchdecke sowie eine tiefe solche im Bereich des Brustkorbs bei Ivanca, die in der Folge zwei Wochen im Spital lag.

Petra war unversehrt aus der Sache herausgekommen und inzwischen von der Jugendanwaltschaft verurteilt worden. Rany wurde angeklagt der schweren Körperverletzung, Ivanca der einfachen solchen.

So sass das zänkische Duo denn am Donnerstag vor Einzelrichter Bruno Meyer.

Auch der junge Schlichter und Petra waren als Auskunftspersonen zugegegen. Giacomo hingegen hatte sich wegen Rückenschmerzen (na ja, mit 55 kann Sex schon aufs Kreuz schlagen) ärztlich dispensieren lassen.

Das nun passte Richter Meyer absolut nicht in den Kram, erachtet er doch durchaus als möglich, dass der «Casanova» Ivanca zum Übergriff auf Rany angestiftet haben könnte.

Wie auch immer: Giacomo soll unbedingt einvernommen werden. Schliesslich ist die Begegnung mit einem Frauenbetörer dieses Kalibers auch für einen Richter nicht alltäglich und so kommt es – wenn Casanovas Rücken dermal einst nicht mehr schmerzt – zu einer weiteren Verhandlung.

*Alle Namen geändert

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