Obersiggenthal

Wegen Pestizid Chlorothalonil: Drei Quellen vom Netz genommen

Das Pumpwerk Aesch wird künftig mehr Wasser ins Netz der Gemeinde speisen.

Das Pumpwerk Aesch wird künftig mehr Wasser ins Netz der Gemeinde speisen.

Im Wasser der Gemeinde Obersiggenthal sind weitere Grenzwerte von Chlorothalonil-Abbaustoffen überschritten.

Obersiggenthal hat die drei Quellen Unterer Böndler, Hertenstein und Lindenweg rechts vom Netz genommen. Dies teilte die Gemeindekanzlei am Dienstag mit. Die Massnahme wurde notwendig, weil die Grenzwerte weiterer Abbaustoffe des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil überschritten wurden.

Dessen Einsatz ist in der Schweiz seit Anfang Jahr verboten. Begründung des Bundesamtes für Landwirtschaft: Eine Gesundheitsgefährdung kann nicht ausgeschlossen werden. Die Wasserversorgung Obersiggenthal liefere ihren Kunden aber stets einwandfreies Trinkwasser in der gesetzlich vorgeschriebenen Qualität, hält die Gemeinde in ihrer Mitteilung fest.

Trotz gesetzlich stets einwandfreiem Trinkwasser war die Qualität bereits letzten Herbst ein Thema im Dorf. Denn im Juni 2019 hatte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) vorerst für einen Abbaustoff des Pflanzenschutzmittels einen neuen Grenzwert eingeführt: für die Chlorothalonilsäure. Bei den beiden Quellen Hertenstein und Lindenweg Ebni wurde dieser Grenzwert überschritten. Die Gemeinde beschloss, die Konzentration des Wertes durch Beimischung sauberen Wassers zu senken (AZ vom 4. September).

Dass nun drei Quellen vom Netz genommen wurden, liegt daran, dass das zuständige Bundesamt Anfang Jahr zusätzlich alle anderen bis heute bekannten Abbaustoffe von Chlorothalonil als relevant eingestuft und den Grenzwert von 0,1 Mikrogramm eingeführt hat. «Auch die Wasserversorgung Obersiggenthal ist davon betroffen, die bisherigen Massnahmen genügen nun nicht mehr», teilt die Gemeinde mit.

12 Prozent der Wassergewinnung entgehen der Gemeinde

Weil die drei Quellen nun kein Wasser mehr ins Netz speisen, entgehen der Gemeinde zwölf Prozent der gesamten Wassergewinnung beziehungsweise 35 Prozent der Quellerträge. «Die Menge kann allerdings problemlos mit dem Grundwasserpumpwerk Aesch abgedeckt werden, jedoch zu höheren Kosten.» Die höheren Kosten kommen unter anderem wegen der Grundwasserkonzessionsgebühr zustande. 

Für die Versorgung des Ebnihofs wird weiterhin sechs bis sieben Mal pro Woche sauberes Wasser in Tanks transportiert, «bis provisorische Massnahmen zur Automatisierung dieser Versorgung umgesetzt sind». Überschritten wurde auch ein Grenzwert beim Grundwasserpumpwerk Aue in Rieden. Der «Metabolit R471811» werde zwar nicht als krebserregend eingestuft, die Anlage aber nur noch «im unausweichlichen Notfall» betrieben, so die Gemeinde.

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