Baden

Wegen SVP-Werbung: Student will Titelseite von «20 Minuten» kaufen

Mir langets: Das Video des Badeners Donat Kaufmann

Mir langets: Das Video des Badeners Donat Kaufmann

Ein 26-jähriger Student aus Baden will die Titelseite von „20 Minuten“ aufkaufen, um gegen den inhaltslosen Wahlkampf zu protestieren. In den ersten 17 Stunden hat er bereits 12‘500 Franken gesammelt.

Donat Kaufmann hat genug: genug vom derzeitigen Wahlkampf, der seiner Ansicht nach nicht mit den nötigen Inhalten geführt wird, sondern immer mehr mit leeren Showinszenierungen.

«Als Wähler will ich mit Sachpolitik und ernstzunehmenden Personen und Programmen konfrontiert werden. Im aktuellen Wahlkampf dagegen werden Inhalte weggetanzt, weggesungen und weggelacht», kritisiert der 26-jährige Student aus Baden.

Dass die SVP letzte Woche die Titelseite der Gratiszeitung «20 Minuten» aufkaufte, um darauf ihren Kampagnen-Song «Welcome to SVP» zu propagieren, gab ihm den Rest.

«Die SVP verwandelt den Wahlkampf in einen grossen Zirkus und verhindert, dass mindestens ansatzweise sachlich über wichtige Themen diskutiert werden kann», sagt er.

130‘000 Franken soll die Partei für die Titelseite von «20 Minuten» ausgegeben haben. Für ihn ist klar: Wer so viel Geld in eine politische Werbung ohne politischen Inhalt investiere, dessen Wahlkampfbudget müsse beachtlich sein. «Zudem haben sie keinen Mut, hinzustehen und offenzulegen, wer das alles finanziert.»

Statt untätig zuzusehen, reagiert Donat Kaufmann: Er will ebenfalls die Titelseite von «20 Minuten» aufkaufen – um ein Zeichen zu setzen «für sachliche Inhalte und gegen die Amerikanisierung des Wahlkampfs».

Um die 138‘815 Franken dafür zusammen zu bekommen, hat er im Internet eine Geldsammelaktion gestartet – und ist sofort auf grossen Anklang gestossen: Gegen Mittwochmittag, 17 Stunden nach Aufschaltung, hatte er bereits 12‘500 Franken beisammen. Sollten die Spenden im selben Rhythmus weiter eintrudeln, wird er sein Ziel in etwa acht Tagen erreicht haben.

So soll die Titelseite (links) und die darauffolgende Innenseite (rechts) aussehen.

So soll die Titelseite (links) und die darauffolgende Innenseite (rechts) aussehen.

Über 27‘000 Unterstützer nötig

Mitmachen kann man für 5 Franken. «Es ist ein Betrag, den sich jeder leisten kann», sagt Donat Kaufmann. Anders als im aktuellen Wahlkampf sollen also nicht nur diejenigen, die viel Geld haben, in den Medien präsent sein.

Über 27‘000 Unterstützer sind nötig, damit er wie geplant am 14. Oktober – vier Tage vor den Wahlen – seine Nachricht auf der Titelseite von «20 Minuten» platzieren kann.

Angedacht ist eine schlichte, weisse Seite mit der Aussage: «Aufmerksamkeit kann man kaufen. Unsere Stimmen nicht.»

Unten wird auf die Webseite www.mir-langets.ch hingewiesen, «damit jeder nachschauen kann, worum es geht». Auf der Rückseite sollen dann die Namen derjenigen, die sich an der Kampagne beteiligen, aufgeführt werden.

Falls Donat Kaufmann das Geld nicht zusammenbekommt, sei er immerhin froh, die Diskussion ausgelöst zu haben. «Ich will die Politiker darauf aufmerksam machen, dass es nicht zu ihrem Job gehört, uns Wähler zu unterhalten mit Videos oder Songs», sagt er.

«Sie sind dazu da, uns zu vertreten und uns über Sachverhalte aufzuklären.» Zudem wolle er zeigen, dass die Wähler wissen wollen, woher das Geld für die Wahlkampagnen komme. «Erst wenn ich das weiss, kann ich meinen Job als Wähler richtig machen.»

Politisch aktiv ist Donat Kaufmann sonst nicht. «Ich bin auch keiner Partei zugehörig», sagt er, der Germanistik, Philosophie und Anglistik an der Universität Zürich studiert, in einem Bio-Bauernhof arbeitet und Musiker ist in einer Band. Trotz diesen vielen Aktivitäten: Die Geldsammelaktion vorzubereiten, habe ihm die bisher stressigste Woche seines Lebens beschert, sagt er.

Und was sagt die SVP?

Die Kritik, wonach die SVP einen inhaltsleeren, zirkuswürdigen Wahlkampf betreibe, weist die Partei derweil zurück: «Die SVP führt einen vielfältigen Wahlkampf, der sich an ihren Kernthemen orientiert», sagt die stellvertretende Generalsekretärin Silvia Bär und weist auf das Parteiprogramm hin.

Den Wunsch von Donat Kaufmann nach mehr Sachlichkeit im Wahlkampf könne die SVP deshalb nicht nachvollziehen. «Ein bisschen Ironie, neue Ideen und Musik sind Teil des Wahlkampfs, der möglichst viele Wähler ansprechen will», sagt Silvia Bär und spricht weiter von «vielen sachlichen Inseraten» oder Podiumsdiskussionen. «Wir laden ihn auch gerne ein, einmal an solchen Veranstaltungen als Zuhörer teilzunehmen.»

Punkto Wahlkampfbudget sagt sie, die SVP sammle Spenden für jede einzelne Massnahme im Wahlkampf. «Wenn jemand bekannt geben will, dass er die SVP unterstützt, so kann er dies tun. Wir machen das nicht.» Warum, sagt sie nicht.

Die SVP kauft sich die Frontseite der 20 Minuten? Kaufen wir sie uns zurück!MIR LANGETS.

Posted by One Sentence. Supervisor on Dienstag, 22. September 2015

Donat Kaufmanns Ziel: Jeder bezahlt 5 Franken

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