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Wegen Verspätungen: Züge halten nicht in Baden – jetzt interveniert Ständerat Thierry Burkart

Wenn man Pech hat, hält der Zug nicht am Bahnhof Baden, auch wenn dies im Fahrplan so vorgesehen wäre.

Wenn man Pech hat, hält der Zug nicht am Bahnhof Baden, auch wenn dies im Fahrplan so vorgesehen wäre.

Immer wieder halten Züge nicht am Bahnhof, obwohl sie das müssten. Ständerat Thierry Burkart (FDP) interveniert jetzt beim Bundesrat.

«Dieses Verkehrsmittel wird umgeleitet und hält nicht an allen Haltestellen», heisst es bei den SBB immer mal wieder. Wer in Baden oder Brugg in einen Zug ein- oder aussteigen will, riskiert, dass er dies nicht kann. Grund: Um Verspätungen aufzuholen, streichen die SBB ab und an einzelne, im Fahrplan vorgesehene, Stopps.

Erstmals wurde diese Praxis im vergangenen Sommer publik. Prompt hagelte es Kritik – und das nicht nur von Betroffenen, sondern auch von Politikern. So meldete sich etwa Thierry Burkart (FDP) zu Wort, damals noch Nationalrat, heute Ständerat. Was die SBB machten, sei nicht nur unschön, sondern schlicht gesetzeswidrig. Denn die SBB seien laut Personenbeförderungsgesetz dazu verpflichtet, alle in den Fahrplänen enthaltenen Fahrten durchzuführen.

In der Folge fragte Burkart beim Direktor des Bundesamtes für Verkehr (BAV) an, ob das Bundesamt von der Praxis des Auslassens von Bahnhöfen wisse und wie oft diese Praxis angewendet werde. «Die Antworten, die ich erhielt, haben mich nicht wirklich befriedigt», so Burkart. Kein Wunder, hält doch das BAV das Auslassen von Bahnhöfen für vernünftig, «weil dies der Erfüllung der Betriebspflicht diene». Auch war das BAV nicht in der Lage, zu sagen, wie oft ein Bahnhof ausgelassen werde. «Wahrscheinlich weil das BAV die genauen Zahlen gar nicht kennt respektive fälschlicherweise davon ausgeht, es handle sich um Einzelfälle», so Burkart.

Burkart: «Ausnahme-Regel wird zu extensiv ausgelegt»

Diese Woche nun hat der Badener Ständerat in der laufenden Session nachgedoppelt und eine Interpellation eingereicht. Für Burkart ist klar: «Nur in absoluten Ausnahmen wie etwa Unwetter oder ein Unglück darf dies Praxis angewendet werden.» Indem die SBB diese im Fall von Baden oder Brugg auch anwenden, um etwa Verspätungen aufzuholen, würden die SBB aus seiner Sicht die Ausnahme-Regel zu extensiv auslegen. «Ich habe bewusst zuerst das Instrument der Interpellation gewählt,um vom Bundesrat Antworten auf meine Fragen zu erhalten.»

So will Burkart vom Bundesrat grob zusammengefasst Folgendes wissen: Ist der Bundesrat der Auffassung, dass es sich beim verspätungsbedingten Auslassen von Haltestellen um Umstände handelt, welche die SBB nicht vermeiden können? Und akzeptiert der Bundesrat, dass die Interessen der Benützer von Bahnhöfen in kleinerenZentren weniger hoch gewichtet werden, als jene der Bahnhöfe in den grossen Zentren?

Die Interpellation werde nun – anders als im Nationalrat – bereits in der nächsten Session beantwortet. «Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, werde ich dann mittels Motion konkrete Forderungen stellen.» Wieso hat Thierry Burkart die Interpellation gerade jetzt eingereicht? «Ich bin in jüngster Zeit immer wieder von Bürgern angegangen worden, dass der Zug in Baden, aber auch in Brugg, nicht angehalten habe. Das ist inakzeptabel.» Natürlich spiele es eine Rolle, dass er selbst in Baden wohne. «Doch in erster Linie will ich mich für die Region und den Kanton Aargau einsetzen.»

SBB: «Wir verstehen das Missfallen der Kunden»

Doch wie häufig werden denn nun konkret die Bahnhöfe Baden und Brugg ausgelassen? Auf Anfrage teilen die SBB mit, dass es sich um durchschnittlich rund 1,5 Fälle pro Monat handelt. «Die SBB setzen täglich alles daran, die Kunden sicher, bequem und pünktlich an ihr Ziel zu bringen», sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi. Meistens gelinge dies, auch wenn die Pünktlichkeit zusammen mit Lokführerbestand und Rollmaterial aktuell tatsächlich die grössten Herausforderungen für das Unternehmen seien. Das Auslassen von Bahnhöfen diene dazu, den übrigen Verkehr zu stabilisieren und somit einen «Dominoeffekt», also dass sich weitere Verbindungen verspäten, zu verhindern. «Wir versuchen, die Auswirkungen eines verspäteten Zugs auf möglichst wenig Fahrgäste zu reduzieren», so Pallecchi. Konkret: Durch die Umleitung über die Heitersberglinie seien weniger Reisende involviert, als wenn die Komposition via Brugg und Baden verspätet geführt würde und dort die Anschlüsse nicht abgewartet werden könnten.

«Wir verstehen aber das Missfallen der Kunden, die von solchen Massnahmen direkt betroffen sind», sagt Pallecchi. Deshalb würden Fahrgäste ab einer Verspätung von 60 Minuten im Sinne einer Kulanzgeste auch den Rail Check «Sorry» (10 Franken in der 2. Klasse, 15 Franken in der 1. Klasse) erhalten.Zudem:«Hindert eine Zugsverspätung oder der Ausfall eines Zuges einen Kunden daran, seine Reise mit dem im Fahrplan vorgesehenen Zug fortzusetzen, so kann unentgeltlich zur Ausgangsstation zurückgereist werden inklusive Erstattung der bezahlten Beträge.»

Marianne Binder sorgt sich um die Direktverbindungen

Doch nicht nur Zug-Ausfälle sind bei den Bahnhöfen Baden und Brugg ein Thema, sondern auch attraktive Direktverbindungen in die grossen Städte und zum Flughafen. Damit diese auch künftig erhalten bleiben, hat die Badener Nationalrätin Marianne Binder (CVP) diese Woche eine Motion eingereicht. Sie fordert den Bundesrat auf, «Grundlagen zu schaffen, die Region Baden mit ihren 140000 Einwohnern ihrer Bedeutung gemäss in die Fahrplangestaltung und Gesamtplanung der SBB einzubeziehen».

Binder: «Letztlich geht es wie beim Auslassen von Bahnhöfen darum, dass die Attraktivität der jeweiligen Stadt darunter leidet.» Zwar würden die Pläne des Bundes für Baden tatsächlich mehr und auch schnellere Verbindungen vorsehen. «Matchentscheidend sind jedoch Direktverbindungen ohne Umsteigerei wie etwa in Olten oder Aarau inklusive ständigem Risiko, die Anschlüsse zu verpassen.» Auch Binder geht es nicht nur um den Bahnhof Baden. «Es ist wichtig, dass die Region und damit auch das Mittelland mit einer Stimme sprechen und ihre Anliegen in Bern einbringen.» Sonst werde man übergangen. «Bis 2035 sollen die Ausbaupläne der SBB realisiert sein. Wir müssen uns jetzt einbringen. Sonst ist der Zug sprichwörtlich abgefahren.»

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