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Wegen Vibratorentest: Aargauer Sexshop-Inhaber wirft SRF Heuchelei vor

SRF strahlt einen Werbespot für einen Erotik-Adventskalender nicht aus. Der Macher spricht von Doppelmoral — wegen Vibratorentest.

Anja Zingg
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Auch dieses Jahr kein Spot im SRF: Alan Frei im Warenlager in Glattbrugg.archiv/spichale

Auch dieses Jahr kein Spot im SRF: Alan Frei im Warenlager in Glattbrugg.archiv/spichale

Alex Spichale

Der Unternehmer und gebürtige Ehrendinger Alan Frei möchte einen Werbespot beim Schweizer Radio und Fernsehen ausstrahlen lassen. Doch dieses lässt ihn nicht. Die Begründung: Die Inhalte seien zwar nicht widerrechtlich, sie könnten jedoch moralisch oder ethisch problematisch sein, wie es in einer Stellungnahme von Admeira heisst. Admeira ist die Vermarktungsfirma, über die die Werbung vom SRF gebucht werden muss. Was moralisch problematisch sein könnte: In der Werbung geht es um den Erotik-Adventskalender von «Amorana». Frei ist Mitinhaber des Onlinehändlers für Sexspielzeug.

Gezeigt wird im Werbespot ein Mann, der eine Duftkerze als Weihnachtsgeschenk kaufen will. Herbeigerauscht kommt eine Frau im Superheldenkostüm, dessen Gürtel das «Amorana»-Logo ziert. Sie schlägt ihm die Kerze aus der Hand, gibt ihm eine Ohrfeige und drückt ihm einen Adventskalender mit einem Rentier drauf in die Hand. Aus dem Off ertönt eine Stimme: «Der «Amorana»-Adventskalender. Das einzig wahre Geschenk für dein Liebesleben.» Dieser Inhalt, findet SRF, könnte moralisch problematisch sein.

Man muss ja nicht schauen

Alan Frei kritisiert nicht, dass das SRF den Werbespot nicht ausstrahlen will: «Man kann sich dagegen entscheiden, das akzeptiere ich.» Was ihn störe, sei etwas anderes: In der Sendung «Kassensturz» würden Vibratoren getestet, und Formate wie «Seitensprung» würden ausgestrahlt. «Damit hat das SRF kein Problem. Aber ob eines Werbespots für Sexspielzeug könnten sich gewisse Zuschauer stören?» Mit dieser Doppelmoral habe er ein Problem.

Eine SRF-Sprecherin begründet diese Unterscheidung folgendermassen: «Es gibt zum einen einzelne, selektiv aufbereitete publizistische Inhalte. Dort hat das Publikum auch die Freiheit, diese nicht zu konsumieren. Einer breitflächigen Werbekampagne mit zahlreichen Spots dagegen kann sich das Publikum nicht verwehren.» Will heissen: Niemand muss «Seitensprung» schauen, wenn er nicht will, eine sich wiederholende Werbung drängt sich dem Zuschauer aber auf.

Frei ist enttäuscht, wurde doch dieses Jahr sehr darauf geachtet, einen Werbespot ohne viel Haut zu produzieren. Letztes Jahr war der Weihnachtswerbespot freizügiger. Auch damals entschied SRF, den Spot nicht auszustrahlen. Dass es auch dieses Jahr nicht klappen soll, versteht Frei nicht: «Andere Fernsehsender wie Prosieben, RTL oder 3+ zeigen den Werbespot, wenn auch zum Teil erst ab 22 Uhr. Aber auch das wollte SRF nicht.» Hierzu teilt Admeira lediglich mit, dass Werbebeiträge, die moralisch oder ethisch problematisch sein könnten, nicht gezeigt werden — und zwar unabhängig von der Uhrzeit.