Neuenhof
Wegweisende Abstimmung: Das Zukunftsbild bleibt umstritten

Neuenhof wird am 27. März über die revidierte Bau- und Nutzungsordnung befinden. Doch die IG wohnliches Neuenhof macht es dem Gemeinderat nicht einfach.

Roman Huber
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Für die Planung im Härdli (rot) soll zuerst ein Wettbewerb durchgeführt werden. Im Zentrum (gelb) ist eine Verdichtung mit Grünräumen geplant. Luftbild Schweiz/MTA

Für die Planung im Härdli (rot) soll zuerst ein Wettbewerb durchgeführt werden. Im Zentrum (gelb) ist eine Verdichtung mit Grünräumen geplant. Luftbild Schweiz/MTA

Nach einem intensiven Prozess, bei dem die Bevölkerung in mehreren Foren und an Informationsanlässen sich einbringen konnte, ist abgeschlossen. Nach der Mitwirkung im Frühjahr 2015 und dann nach der öffentlichen Auflage im vergangenen Herbst ist die revidierte Bau- und Nutzungsordnung (BNO) der Gemeinde Neuenhof noch angepasst worden. Der echte Prüfstein steht ihr aber erst bevor: Am 27. März wird an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung darüber entschieden. Die IG wohnliches Wohnen (Artikel unten rechts) steht den Plänen des Gemeinderates nach wie vor kritisch gegenüber. Sie will die BNO zurückweisen.

«Wir haben uns auch auf die Revision des Raumplanungsgesetzes gestützt und wollen einen Beitrag zur Reduktion der Zersiedlung sowie zu einer qualitätsvollen Innenentwicklung leisten», fasst Gemeindeammann Susanne Voser zusammen. Diese Grundlage sei in die Revision eingeflossen, wobei Neuenhof die dazu notwendigen Instrumente geschaffen hat. Statt einer Ausnützungs- gilt neu eine Grünflächenziffer. Damit wolle man vermeiden, dass Gebäudeflächen brachliegen und gleichzeitig qualitätsvolle Freiräume schaffen, so Voser. Für mehrere Gebiete wurde die Pflicht der Gestaltungsplanung geschaffen, wobei aufgrund der Einwendungsverhandlungen im Quartier Bifang nun darauf verzichtet wird.

Aufgrund der Widerstände sind die Hochhausstandorte bereits vorgängig von sieben auf deren drei reduziert worden, wobei der Hochhaus-Perimeter Bifang hingegen erweitert wurde. In der BNO hat man deren maximale Höhen auf 45 (Zentrum) und 35 Meter an den andern Standorten festgelegt respektive reduziert.

Das «Filetstück» Härdli

Die zur Einzonung vorgesehene und reduzierte Fläche des Langachers am Siedlungsrand gegen Killwangen soll nun gar nicht eingezont werden. Grund ist der Widerstand seitens Grundeigentümer. Hier wollte man Ersatz für die Schrebergärten und den Sport schaffen, für den Fall, dass das Gebiet Härdli eingezont und überbaut würde und die Schrebergärten und Tennisplätze dort weichen müssten.

Beim Gebiet Härdli handelt es sich laut Susanne Voser um das «Filetstück» Neuenhofs. Sobald die BNO in Kraft getreten sei, werde die Planung angepackt. Vorgesehen sind ein Wettbewerb und ein Gestaltungsplanverfahren. Erst wenn dort Klarheit herrsche, wolle der Gemeinderat eine Einzonung im Langacher nochmals aufgleisen. «Das Limmattal steht derzeit unter enormem Druck», erklärt Gemeindeammann Voser. Weil es von Investoren überrollt werde, müsse man gerade mit solchen Gebieten besonders sorgfältig umgehen. Eigentümer im Härdli sind Einwohner- und Ortsbürgergemeinde. Letztere hat an ihrer Versammlung einer Umzonung mit 33 Ja- gegen 13 Nein-Stimmen zugestimmt.

Mit der Inkraftsetzung der revidierten BNO soll laut Susanne Voser eine mass- und qualitätsvolle Entwicklung beginnen können. Mit Wirkungsberichten, die alle fünf Jahre der Bevölkerung vorgelegt werden müssen, soll Rechenschaft über die gemachten Schritte abgelegt werden. Ein Fachgremium wird Projekte in der Zentrumszone beurteilen. Nebst der Nutzung im Siedlungsgebiet und den Freiräumen gilt ein Augenmerk auch dem Verkehr. Laut Voser plant der Gemeinderat einen neuen Anlauf für grossflächig Tempo 30.

«Keine zusätzlichen Hochhäuser»

Eine IG wohnliches Neuenhof, die sich vor einiger Zeit formiert hat, stellt sich nicht gegen ein Wachstum, doch dieses soll massvoll sein. «Die Strategie mit maximaler Verdichtung ist verfehlt», kritisiert die IG auf einem Flyer, der in diesen Tagen verteilt wird. Eine Ausweitung des Perimeters für Hochhäuser lehnt sie ab. Die IG will Schrebergärten und Tennisplätze und die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen im Härdli nicht ohne Ersatz im Langacher für privates Wohneigentum opfern. Die neuen Bauvorschriften bezeichnet die IG als zu liberal im Vergleich zu andern Gemeinden. So sei bei Arealüberbauungen bereits ab 2000 Quadratmetern zusätzliche Geschosshöhe möglich. Auch der Verzicht auf die Ausnützungsziffer wird kritisiert.

13. März, 19 Uhr, Turnhalle Zürcherstrasse, BNO-Orientierung des Gemeinderates.