Baden
Weihnachtsausstellung des Kindermuseums führt dieses Jahr nach Italien

Mitten unter presepe, Befana und Panettone: Weihnachten ist in Italien ein Familienfest mit vielfältigen Traditionen. Dazu gehören das reichhaltige Festessen, die Tombola, die Klänge der Zampognari und der Brauch der Hexe Befana.

Rosmarie Mehlin
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Lebendige Krippe als Chor
9 Bilder
Maria aus Baden singt „astro del ciel“
Maria und Josef mit den Engeln als Teil der lebendigen Krippe
Weihnachtsausstellung des Kindermuseums führt dieses Jahr nach Italien
Thomas Pauli, Leiter Abteilung Kultur, Kanton Aargau
Blick in den Spielraum, wo die lebendige Krippe stattfand.
Blick in die Ausstellung.
Bilder von Giovanni aus Süditalien.
Süssigkeiten aus Italien.

Lebendige Krippe als Chor

Zur Verfügung gestellt

In den Strassen, den Schaufenstern, den Gärten, unseren Köpfen - überall weihnachtet es sehr. Auch im Kindermuseum am Ländliweg steht ein bunt und reich geschmückter Tannenbaum. Er steht in einer Vitrine, auf einem Teppich von Moos, umgeben von kleinen Figuren und frischen Früchten: Maria, Joseph, Hirten, Esel, Ochs, Handwerker, Musiker, Kaktusfeigen, Mandarinen, Orangen. Sie alle gehören zu einer presepe – einer Krippe, wie sie für viele Italiener das wichtigste Attribut, ja der Inbegriff des Weihnachtsfestes ist.

Nach Weihnachten in Polen, Dänemark, der Schweiz, Österreich, dem Erzgebirge und Mexiko, ist die siebte Sonderausstellung den weihnachtlichen Traditionen, Sitten und Gebräuchen unserer südlichen Nachbarn gewidmet. Da liest man zum Beispiel von der Hexe Befana und sieht sie auch leibhaftig in Puppengrösse. Noch bis vor wenigen Jahren waren italienische Kinder zu Weihnachten ausschliesslich von Befana beschenkt worden: Da sie den Stern von Bethlehem verpasst hatte, fliegt Befana auf der Suche nach Jesus in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar auf ihrem Besen durch die Gegend und verteilt Geschenke in Socken, die in den Kaminen hängen. Lieben Kindern bringt sie Geschenke, bösen bringt sie Kohle.

Autogramm vom Weihnachtsmann

An einer stilisierten Tanne hängen Zettel mit Beispielen von Wünschen, wie italienische Kinder sie an Befana oder ans Christkind schreiben. Zu lesen steht da etwa «Lieber Weihnachtsmann, gib mir bitte ein kleines Zeichen, wenn es dich gibt. Schick mir ein Autogramm, damit ich ein bisschen an dich glauben kann.» Zettel und Kugelschreiber liegen bereit, damit kleine Museumsbesucher ihre Wünsche aufschreiben und ebenfalls an den Baum hängen können, statt sie mit der Post nach 3027 Bethlehem zu schicken.

In der Ausstellung ist auch zu erfahren, dass in der Vorweihnachtszeit noch immer vielerorts die zampognari, ursprünglich Hirten aus den Abruzzen, singend und auf ihren urtümlichen Instrumenten spielend von Haus zu Haus ziehen. Und dass während der Weihnachtstage von Klein und Gross mit Feuereifer la tombola gespielt wird, das wir als Lotto kennen.

Sofia in der Krippe

Italienische Weihnachtsmenüs unterscheiden sich wenig von üblichen Festessen ausser in Mittelitalien, wo als Hauptgang traditionell gefüllter Truthahn oder gegrillter Aal gegessen wird. Landauf, landab dürfen zur Weihnachtszeit jedoch auf keinen Fall Panettone und Pandoro fehlen - ein vorzüglicher Brauch, der sich längst auch bei uns einen festen Platz gesichert hat.

Am Samstag, dem Eröffnungstag der Ausstellung, war eine lebendige Krippe zu bestaunen, wie sie mancherorts in Italien immer noch Tradition hat. In der Krippe lag friedlich pfuusend eine vier Wochen alte Sofia als Jesuskind. Auch ein Schuhmacher, ein Schreiner, Wäscherinnen und ein Hirte waren da sowie Köchinnen, die frische Orecchiette herstellten.

Die Weihnachtsausstellung kann noch bis zum 6. Januar besucht werden. Weitere Informationen auf www.kindermuseum.ch.