Am 26. November 2016 um 17.05 Uhr hatte ein Mann mit unterdrückter Nummer das Casino Baden angerufen und gesagt, im Gebäude befinde sich eine Bombe, die gleich explodieren werde. Die 125 Menschen, die zu dem Zeitpunkt im Spiel- und Gastrobereich anwesend waren, wurden unverzüglich evakuiert. Am 13. Oktober 2017 wurde ein 24-jähriger, im Kanton Zürich wohnhafter gebürtiger Tscheche festgenommen. Jano (Name geändert) gab zu, der Bombendroher gewesen zu sein. Bereits zwei Monate später lag die Anklageschrift wegen Schrecken der Bevölkerung und Nötigung vor. Im Mai dieses Jahres war die Verhandlung vor Bezirksgericht Baden anberaumt. Aus gesundheitlichen Gründen tauchte Jano weder zu jenem Termin noch zum zweiten im Juli auf. Zum dritten Verhandlungstermin am Mittwochabend nun erschien Jano wider Erwarten.

Mit dem Partner vor Gericht

Der schlanke, fast kindlich wirkende Beschuldigte in Shorts, T-Shirt und Turnschuhen war dabei in Begleitung eines einige Jahre älteren Mannes. «Das ist mein Mann», erklärte Jano vor der Gerichtsverhandlung strahlend. Seit fünf Jahren seien sie zusammen, seit Januar dieses Jahres verheiratet. Stolz präsentierte er den Damenring an seiner linken Hand, deutete auf den breiten Ehering seines Partners, fiel diesem immer wieder um den Hals, küsste und herzte ihn. Es war nicht zu übersehen: Das ist die ganz grosse Liebe.

Die beiden sind nicht nur unbändig ineinander verknallt – aus lauter Liebe war Jano gar zum Bombendroher geworden. An jenem Novembertag 2016 weilte der Bursche in seiner Heimat und rief von dort seinen Partner an. Der war im Casino am Gamblen und hatte deshalb keine Lust auf ein längeres Telefongespräch. Das brachte Jano, der sich mit seiner Schwester gestritten und Chrystal Meth konsumiert hatte, zur schieren Verzweiflung. «Ich dachte, bei einer Bombendrohung muss er das Casino verlassen.» Dem war denn auch so. Erst nach dreieinhalb Stunden konnte das Casino Baden wieder geöffnet werden. In der Zwischenzeit war dem Betreiber ein finanzieller Schaden von 93'600 Franken entstanden.

Prozess fast wieder verpasst

Fast wäre Jano, der regelmässig Medikamente einnehmen muss, der Verhandlung am Mittwoch erneut ferngeblieben, hatte er doch am Dienstag übermässig Alkohol konsumiert und war auf der Intensivstation gelandet. Doch er wollte den Gang nach Canossa unbedingt hinter sich bringen, verlor vor der Verhandlung jedoch beinahe die Nerven. Sein Partner wendete jedwelche Liebesbezeugungen und Zärtlichkeiten an, um ihn zu beruhigen. Vor der Einzelrichterin Gabriella Fehr beteuerte Jano – der schon mehrfach wegen Vermögensdelikten vor ausländischen Gerichten gestanden hatte, er habe nie die Absicht gehabt, irgendjemanden zu schädigen.

Das Urteil war rasch gefällt: Richterin Fehr gab dem Antrag des Staatsanwaltes mit einer Geldstrafe von 9000 Franken, bedingt mit einer Probezeit von drei Jahren, statt, reduzierte die Busse jedoch um die Hälfte auf 1000 Franken. Wie diese gehen auch die Gerichtskosten in Höhe von über 3000 Franken zu Lasten von Jano. Die Busse, so Fehr, müsse er unbedingt als Erstes bezahlen, weil er sonst als Ersatz für 34 Tage ins Gefängnis muss.

Weil Jano keinen Beruf gelernt und bislang noch nie Geld verdient hat, riet sie ihm dringend, sich Arbeit zu suchen. Von der Zuschauerbank aus murmelte sein Partner «wir bezahlen das ganz sicher». Die Forderung des Grand Casino von 93'600 Franken wird auf den Zivilweg verwiesen.