Baden

Weite Gasse: Die Gewerbler wollen kein Velo-Fahrverbot

In der Weiten Gasse gibt es Reibungsflächen zwischen Velos und Fussgängern. Darüber, wie man das ändern kann, scheiden sich die Geister.

SVP-Einwohnerrat Daniel Glanzmann betont, er fordere eine Temporeduktion, aber keine Sperrung der Badener Altstadt-Strasse.

Braucht es strengere Regeln für Velos in der Weiten Gasse in Baden? Daniel Glanzmann, Fraktionspräsident der SVP im Einwohnerrat, scheint mit einem dringlichen Postulat ins sprichwörtliche Wespennest gestochen zu haben.

Glanzmann fordert vom Stadtrat, dass dieser Massnahmen prüfe, um den Veloverkehr in der Weiten Gasse zu verlangsamen. Immer wieder komme es hier zu sehr gefährlichen Situationen mit Passanten, es bestehe akute Unfallgefahr.

Daniel Glanzmann betont aber auch, er fordere keineswegs eine Sperrung der Gasse für Velos. Ein Fahrverbot sei höchstens eine von vielen zu prüfenden Möglichkeiten. «Ich bin nicht nur Einwohnerrat, sondern auch im Vorstand der City Com und habe vom Gewerbe gehört, dass zu schnell fahrende Velos ein Problem sind in der Weiten Gasse.»

Es gehe ihm um die Sicherheit der Fussgängerinnen und Fussgänger. Das wird wohl noch mehr zum Thema, wenn die Weite Gasse mit dem Verschwinden der letzten Linienbusse Mitte Dezember zu einer «Flanier- und Verweilzone» werden soll, wie es die Stadt Baden formuliert.

Glanzmann, der selbst auch Velo fährt, sagt, es gehe ihm um eine Verlangsamung, um die Prüfung aller Möglichkeiten – und um eine sachliche Diskussion: «Am sinnvollsten wäre wohl die Einführung von Tempo 10 und eine konsequente Durchsetzung durch die Stadtpolizei.»  

Eine vertane Chance am Schulhausplatz?

Beim Verband Pro Velo Region Baden kommen Glanzmanns Vorschläge gar nicht gut an. In einer Stellungnahme schreibt Präsident Hubert Kirrmann: «Ausgerechnet die Partei, die sonst gegen den Polizeistaat wettert, ‹Freie Fahrt für freie Bürger› fordert und einen fixen Blitzer gegen die ungleich gefährlicheren Rotlichtsünder an der Bruggerstrasse bekämpft, reicht gegen Velofahrende eine dringliche Motion ein.» Offenbar brauche die SVP zur Profilierung und zur Ablenkung ein zusätzliches Feindbild.

Der Kanton habe den Schulhausplatz für den motorisierten Verkehr konzipiert und in Kauf genommen, dass Leute zu Fuss und Velofahrende miteinander auskommen müssen, heisst es in der Stellungnahme. «Am Morgen fahren einige mit dem Velo etwas schnell zum Bahnhof, aber gefährliche Situationen sind selten. Während des Tages gibt es mehr Leute zu Fuss und die Velos fahren nicht mehr so zügig.»

Man müsse beachten, dass eine Begegnungszone nicht verkehrsfrei ist. Das Nebeneinander funktioniere erstaunlich gut in der CordulaUnterführung und auch um den Bahnhof herum. «Es ist eine Frage der Kultur, nicht von Polizeivorschriften», heisst es von Pro Velo.

Der Vorschlag des Stadtammanns, die Begegnungszone klar zu beschildern, sei richtig. «Schliesslich führen drei nationale und kantonale Radrouten durch die Weite Gasse, ein Fahrverbot wäre unverständlich.»

Die Gewerbler in der Weiten Gasse sehen das Thema mit gemischten Gefühlen. Apotheker Thomas Strasky, Inhaber der Schwanen-Apotheke, ärgert sich zwar auch über rücksichtslose Velofahrerinnen und Velofahrer: «Ich habe schon erlebt, dass ein älterer Mann umgefahren wurde in der Weiten Gasse, und die Velofahrerin fuhr einfach weiter.»

Trotzdem findet er, ein Veloverbot wäre illusorisch. «Ein Fahrverbot ist nicht die Lösung. Es wäre einerseits kaum durchsetzbar, andererseits auch nicht kundenfreundlich.» Die beste Lösung wäre aus seiner Sicht, wenn man den Velo-Durchgangsverkehr in der Tunnelgarage kanalisieren würde, sagt Strasky, der auch selbst mit dem Velo unterwegs ist. Und er plädiert für mehr gegenseitige Rücksichtnahme.

«Mehr Toleranz statt neue Verbote»

Den letzten Punkt sieht auch Gabor Kovats so, der zusammen mit seinem Cousin Manuel Kovats letztes Jahr den neuen Standort von Kovats Optik an der Weiten Gasse eröffnet hat. «Wir haben viele Kunden, die mit dem Velo direkt vor den Laden fahren. Grundsätzlich empfinde ich die Velofahrer überhaupt nicht als störend. Etwas mehr gegenseitige Rücksicht würde aber – wie überall im Verkehr – sicher nicht schaden.» Eine Verkehrsberuhigung mit Schwellen oder etwas Ähnlichem könnten sich Manuel und Gabor Kovats trotzdem vorstellen.

Auch Metzger Thomas Müller von der gleichnamigen Metzgerei möchte kein totales Velofahrverbot. «Wir haben viele Kunden, die abends auf dem Heimweg mit dem Velo bei uns anhalten, oder die mit den Kindern im Velo-Anhänger zu uns kommen.»

Einzelne Velofahrer würden deutlich zu schnell fahren, insbesondere E-Bikes. Die Einführung von Tempo 10 in der Weiten Gasse fände er deshalb sinnvoll. «Statt neuer Verbote braucht es aber wohl vor allem gegenseitige Toleranz», findet Müller. 

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