Benötigt jemand ein Medikament, wird diese Person bald die Qual der Wahl haben. Denn: Im Sommer 2016 eröffnet Coop eine Vitality Apotheke in der Bahnhofunterführung in Baden. Das Geschäft übernimmt die Räume des Coop-Bistros «Take it», das Mitte März den Betrieb schliessen wird.

Mit dem Einzug wird es die fünfte Apotheke innerhalb von einigen Hundert Metern sein, in der sich Konsumenten mit Arznei- und Medizinalprodukten eindecken können.

Die alteingesessenen Betriebe in der Innenstadt sind über die neue Konkurrenz wenig erfreut, wie aus verschiedenen Gesprächen herauszuhören ist. «Ich bin nicht überzeugt, dass es in Baden eine weitere Apotheke braucht», sagt Thomas Strasky, Inhaber der Schwanen Apotheke an der Weiten Gasse.

Er könne sich jedoch gut vorstellen, dass das Vitality-Geschäft aufgrund der gut frequentierten Lage vom Publikum geschätzt werde. Pierre-André Jud, Inhaber der Apotheke Bossy an der Badstrasse, bestätigt: «Die Coop Vitality Apotheke hat einen Standortvorteil, der nicht unterschätzt werden darf.»

Apotheken zeigen sich sportlich

Wettbewerbsvorteil hin oder her, die Apotheken geben sich kämpferisch. «Obwohl wir den Einfluss sicher spüren werden, stellen wir uns der neuen Konkurrenz», sagt Roland Wyss von der Apotheke Wyss und zählt einen ihrer Stärken auf: Man sei nicht konzernverpflichtet, sondern ein selbstständiges, familiengeführtes Unternehmen, bei dem die Kundenpflege, die Qualität und die Betreuung im Vordergrund stehe.

Auch Thomas Strasky glaubt, dass die neue Filiale eine andere Philosophie haben wird. «Ich gehe davon aus, dass Coop eher diejenigen Kunden ansprechen will, die schnell und ohne lange Beratung ein Produkt kaufen möchte», sagt er.

Es ist das zweite Mal, dass Coop eine Apotheke in der Stadt eröffnet: Im August 2001 zog ein Geschäft in das Langhaus ein – nach acht Monaten wurde der Betrieb eingestellt, zu schwach frequentiert, zu wenig Umsatz, hiess es damals.

«Heute präsentieren sich andere Markt- und Rahmenbedingungen», sagt Mediensprecher Urs Meier. Die Bekanntheit von Coop Vitality sei ungleich grösser und die am schnellsten wachsende Kette. «Wir sind daher vom Erfolg der neuen Apotheke überzeugt.»

Dass es Coop wieder schwierig haben wird, glaubt hingegen Daniel Zimmerli von der Impuls Drogerie Lampert. Einerseits, weil die Kosten hoch seien und es bereits viele Apotheken gebe.

Andererseits, weil ein Kundenstamm erst aufgebaut werden müsse. Trotzdem glaubt Geschäftsinhaber Christian Lampert, dass man bei rezeptfreien Produkten, etwa Zahnpflege und Kindernahrung, Marktanteile verlieren werde.

Stärken und Schwächen bekannt

Die Apotheker haben nachgedacht, wie sie der neuen Konkurrenz die Stirn bieten könnten. «Wir werden uns einige Überlegungen bezüglich Öffnungszeiten, Sortiments- und Dienstleistungspalette machen», sagt Pierre-André Jud.

Da er Vitality-Filialen im Raum Baden und Zürich aus früheren Berufstätigkeiten kenne, wisse er Stärken und Schwächen des Geschäftsmodells. Enttäuscht ist Jud, dass er bislang keine Eröffnungsbestätigung durch das Coop-Vitality-Management erhalten habe: «Eine solche Information gehört normalerweise zur guten Kollegialität.» Urs Meier sagt, eine Kommunikation erfolge, sobald das Eröffnungsdatum bekannt sei.