Auf Anfrage bei «Pop e Poppa», einer der grössten Kita-Unternehmen in der Schweiz mit über 30 Einrichtungen, heisst es: «Finanzielle Gründe zwingen uns leider, uns wieder aus Freienwil zurückzuziehen», so Theres Hofmann, die in der Geschäftsleitung zuständig ist für die Deutschschweizer Einrichtungen.

Man sei sich bewusst gewesen, dass es eine gewisse Zeit brauche, bis das Angebot ausreichend genutzt werde. «Doch die Nachfrage – vor allem bei der Betreuung von Vorschulkindern –  ist bis zuletzt zu klein geblieben. Weil wir keine Anzeichen sehen, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird, sind wir leider gezwungen, einen Schlussstrich zu ziehen», sagt Hofmann. Man werde aber den Gemeinderat bei der Suche nach eine Nachfolgelösung unterstützen.

Auch der zuständige Gemeinderat Urs Rey (parteilos) bedauert das Aus. «Leider ist es nicht gelungen, bei der Anzahl betreuter Kinder eine Aufwärtstendenz zu erreichen.» Gleichzeitig ist Rey aber froh, hat die Gemeinde jetzt genug Zeit, um nach Lösungen zu suchen. «Der Gemeinderat setzt alles daran, eine Anschlusslösung zu finden.»

Wie diese aussehen könnte, stehe noch nicht fest. «Anzustreben wäre eine Lösung, die nebst Randstundenbetreuung und Mittagstisch auch die Früh- und Spätbetreuung einschliesst, damit die Eltern von Schulkindern einer Erwerbstätigkeit nachgehen können», so Rey. Sollte später wieder die Nachfrage nach Betreuung von Vorschulkindern aufkommen, sei es auch denkbar, das Angebot wieder auszubauen.

Auch Genossenschaft betroffen

Eine Anschlusslösung wäre nicht nur im Interesse betroffener Eltern, sondern auch in demjenigen der Genossenschaft Weisser Wind, welche die Liegenschaft 2103 erwarb und anschliessend für 2,4 Millionen Franken umbaute.

Und dies mit Erfolg: Im Frühling dieses Jahres konnte die neue Wirtschaft eröffnet werden und das Prunkstück, der sanierte Theatersaal im Obergeschoss im Originalzustand aus dem Jahr 1910, in Betrieb genommen werden. Unter der Woche wird der Saal von der Kita genutzt, an den Wochenenden steht er als Kultursaal zur Verfügung.

«Wir bedauern der Entscheid der Betreiberfirma natürlich», sagt Reto Wäger, Präsident der Genossenschaft Weisser Wind. Denn die Mieteinnahmen der Kita seien ein wichtiges Standbein. «Wir werden jetzt gemeinsam mit der Gemeinde nach Alternativen suchen.» Wäger betont gleichzeitig, dass dafür der Kulturbetrieb und auch die im Frühling eröffnete Wirtschaft sehr gut laufen würden.

Probleme bei Vorgänger-Kita

Könnte die mangelende Nachfrage auch damit zusammenhängen, dass die Vorgänger-Kita «im Dörfli», die sich im ehemaligen Restaurant Eintracht befand, für negative Schlagzeilen sorgte?

Zur Erinnerung: Die AZ deckte Ende letzten Jahres auf, dass es rund um die Kita einige Probleme gab, die schliesslich zur Schliessung der Kita führten. «Was die Gründe für die mangelnde Nachfrage sind, ist schwierig zu eruieren», sagt Hofmann.

Fakt sei, dass Kinderbetreuungseinrichtungen sehr fragile Gebilde seien und sich ein Reputationsschaden sowie der damit verbundene Vertrauensverlust sehr negativ auswirken können. «Auch wenn wir mit der Vorgänger-Kita nichts zu tun hatten, so waren unsere Startvoraussetzungen sicher nicht ideal», sagt Hofmann.

Sie verschweigt aber auch nicht, dass auch es auch interne Probleme gab. «Noch während der Probezeit hat die eigentlich vorgesehene Kita-Leiterin gekündigt. Das war natürlich alles andere als ideal.»