Jahr für Jahr erwarten ihn die Fasnacht-Fanatiker sehnlichst: den schmutzigen Donnerstag. Dann beginnt es nämlich offiziell, dieses närrischen Treiben – oder eben die Fasnacht. Auf dem Rohrdorferberg aber herrscht eine eigene Zeitrechnung – zumindest beim Fasnachtskalender. In Oberrohrdorf beginnt die Zeit der Kostüme und Guggenmusik bereits am Mittwoch, dem Gruusigen Mettwuch notabene.

Petrus gab sich reichlich Mühe, dass dieser Mittwoch zumindest in meteorologischer Sicht seinem Namen alle Ehre machte: «grusig» eben. Immerhin setzte der Eisregen während der grossen Zeremonie für einmal an diesem Tag aus. Zwischen der Pfarrkirche St. Martin und dem Gasthof zum Roten Löwen fanden sich die Protagonisten ein.

Wüeschti im Wilde Weschte

Doch wer kurz nach acht Uhr die Nebenstrasse betrat, sah sich erstmals mit Wildwest-Flair konfrontiert. Dazu dröhnte passende Musik aus den Boxen. Mundharmonika und englischsprachige Stimmen mit texanischem Akzent. Ein Schild klärte auf: «Irgend en Wüeschti im wilde Weste» so das Motto der diesjährigen Fasnacht am Rohrdorferberg.

Freilich, die bunten, schrillen Fasnachtskostüme fehlten nicht. Perfektioniert wurden diese mit mottogerechten Details: Cowboy-Hüte, Wolfsmützen oder Indianer-Kopfschmuck. Mit der Bänkli-Clique, den Holzberewöörm und den Chessler waren die lokalen Guggen vor Ort. Sie begleiteten das eigentliche Highlight des Abends: die Verurteilung des «Polteris». Zwei Plädoyers gab es an dieser abendlichen Gerichtsverhandlung.

An den Mammutbaum gepinkelt

Ein Ankläger beschuldigte den «Polteri» unter anderem für die Fällung des gebeutelten Mammutbaumes im Dorf. Der «Polteri» habe gegen den Stamm gepinkelt und damit die folgenschwere Erkrankung dieses Baumes verschuldet.

Zahlreiche weitere Anklagepunkte folgten. Dann ergriff jedoch der Verteidiger das Wort: Auch dieses Plädoyer wurde in aneinandergereihten Versen vorgetragen. Bald war aber klar, dass auch das beste Plädoyer dem bedauernswerten Kerl nichts mehr nützen würde. Dem «Polteri» drohte der Tod durch Erhängen. Nach kurzer Beratung des Gerichtes folgte die entscheidende Verkündigung: «Hängt ihn!» Während der «Polteri» schon bald darauf draussen am Strick baumelte, frohlockten die Fasnächtler standesgemäss im Roten Löwen. Ein Start nach Mass.