Baden
Wenn aus Stressbewältigung Sucht wird

Am Dienstag gastierte der Brainbus auf dem Bahnhofplatz. Die mobile Ausstellung informiert über Suchtverhalten und Burnouts. Der Bus will das Wissen über die Zusammensetzung und die Funktionen des Gehirns unter die Bevölkerung bringen.

Florian Zimmermann
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Mit den Geräten kann das Gedächtnis und das Gleichgewicht trainiert werden
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Gehirne können zusammengesetzt werden
Brainbus von aussen
Die Teile des Gehirns, die bei einer Sucht betroffen sind
Der Brainbus macht in Baden Halt.

Mit den Geräten kann das Gedächtnis und das Gleichgewicht trainiert werden

Florian Zimmermann

«Wir sind hier, um die Menschen zu informieren», sagte Nadine Pecenka, Neuropsychologin und Begleiterin des Brainbus, der am Dienstag auf dem Bahnhofplatz in Baden gastierte.

Der Bus will das Wissen über die Zusammensetzung und die Funktionen, aber auch über mögliche Störungen des Gehirns unter die Bevölkerung bringen. Das Vorhaben schien nicht ganz einfach – besuchte doch am frühen Nachmittag kaum einer den Bus. War das Thema uninteressant?

Vincent Tchang, Biologe und Betreuer des Busses, wehrte ab: «Bei dieser Hitze gehen die Badener lieber in die Badi.» Am Morgen, als es noch kühler war, habe der Bus einige Besucher gehabt. «Wir dürfen jedes Jahr mehr Besucher im Brainbus willkommen heissen,» bestätigte auch Pecenka,

Stress fördert das Suchtverhalten

«20 Prozent der Bevölkerung hat schon einmal ein Burnout gehabt», schreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrer Informationsbroschüre zum Thema Burnout. Sie stuft Stress als eine der grössten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts ein.

Auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) habe in einer Studie herausgefunden, dass sich ein Drittel aller Angestellten häufig gestresst fühlt, sagte der Psychologe Samy Egli «Um mit diesem Stress fertig zu werden, belohnen sich die Menschen», sagte Egli weiter, der ebenfalls den Bus begleitet.

Wiederholte Belohnungen wie zum Beispiel eine Zigarette führen schliesslich zur Sucht. Um ein Burnout zu vermeiden, bietet der Brainbus ein Stresstest an: Durch einen Fragebogen wird ermittelt, wie hoch die Belastung ist und mit welchen Stärken diese kompensiert werden kann.

Informieren statt Diagnose stellen

Neben dem Stresstest bietet der Brainbus weitere Möglichkeiten. So demonstriert ein Abteil des Busses, wie stark das Gleichgewicht mit dem Sehsinn verknüpft ist. Dabei steht der Besucher auf einem wackelnden Brett und beobachtet eine Autofahrt aus der Fahrerperspektive.

Ein weiteres Angebot ist der Schmerztester, der mit sehr schwachen Stromimpulsen die Empfindsamkeit eines Menschen testet. «Wir stellen hier keine Diagnosen, sondern beraten Betroffene oder verweisen sie weiter an eine Fachstelle», sagt Tchang.