Baden
Wenn der eigene Name der Karriere im Wege steht

Wähler greifen eher zu Vorurteilen, wenn sie nur die Namen der Kandidaten sehen – zum Nachsehen guter Kandidaten mit ausländischen Namen. Zumindest lassen die Richterwahlen der vergangenen Wochen das vermuten.

Daniel Vizentini
Drucken
Teilen
Rada Gajic (l.) und Zsuzsanna Vasvary wurden nicht gewählt

Rada Gajic (l.) und Zsuzsanna Vasvary wurden nicht gewählt

Schweiz am Sonntag

Das Resultat der Wahl der neuen Familienrichter im Bezirk Baden am letzten Sonntag überraschte. Zsuzsanna Vasvary (FDP) unterlag mit deutlichem Abstand ihren drei Kontrahenten. Dies, obwohl sie 17 Jahre lang als Anwältin im Familienrecht gearbeitet hatte und gegenüber den anderen Kandidaten die meiste Erfahrung im betreffenden Gebiet aufweisen konnte. Als möglicher Grund für die Wahlniederlage nannte sie unter anderem ihren ausländischen Namen. Ihre Familie stammt aus Ungarn.

Ein ähnlicher Fall ereignete sich im Bezirksgericht Baden im März bei der Ersatzrichterwahl. Rada Gajic (Grüne), vor 24 Jahren aus Bosnien-Herzegowina in die Schweiz gekommen, konnte damals nur rund einen Drittel der Stimmen ihres Gegenkandidaten Jean-Pierre Leutwyler (GLP) verbuchen. Dies, obwohl sie von allen anderen Parteien ausser der GLP unterstützt wurde. «Als Frau mit Migrationshintergrund hatte ich einen schweren Stand», sagte Gajic damals. Daniel Goldberg, Co-Präsident der Grünen Bezirk Baden, geht noch einen Schritt weiter: «Ich kann mir gut vorstellen, dass Leutwyler, als er den Namen seiner Kontrahentin gesehen hat, seine Chance gewittert und sich deshalb zur Wahl gestellt hat.» Dass Rada Gajic mit solch grossem Anstand unterlag, hänge klar mit ihrem «Migrationshintergrund aus einer mit negativen Vorurteilen vorbelasteten Region» zusammen. «Genau dasselbe ist nun mit Zsuzsanna Vasvary geschehen», sagt Goldberg. «Für uns war sie die kompetenteste Kandidatin.»

Die FDP hingegen sieht keinen Zusammenhang zwischen Namen und Abstimmungsresultat. «Wir haben keine Hinweise darauf», sagt Antoinette Eckert, Präsidentin der FDP Bezirk Baden. Die Partei wolle aber die Promotion ihrer Kandidaten verbessern.

Bei Proporzwahlen wie National- oder Grossratswahlen dürfen die Parteien Wahlmaterial zu den Stimmzetteln mitschicken. Bei Majorzwahlen wie Richterwahlen hingegen nicht. Es werden nur die Namen bekannt gegeben. Der Kanton kann sich zurzeit nicht vorstellen, dass er in Zukunft mehr Informationen zu den Kandidaten liefern muss, weil diejenigen mit ausländischen Namen wegen Vorurteilen bei einer Wahl unterliegen könnten. «Bis jetzt gab es kein Ansinnen, etwas daran zu ändern», sagt der Aargauer Regierungssprecher Peter Buri. «Die Staatskanzlei ist bis jetzt noch nie mit diesem Thema konfrontiert worden.»