Wie klingt es, wenn statt der Musiker beim «Afterwork» im Badener Club Joy plötzlich die Gäste auf der Bühne stehen und die Show bestreiten? Manchmal äusserst schräg. Aber was solls, wenn Partystimmung herrscht und alle mitsingen. Nic Niedermann wollte zum vierten Geburtstag der Konzertserie «Afterwork» für einmal die Perspektive ändern. «Beim Jubiläumsevent ‹Lokalhelden› sollen nicht die eingeladenen Künstler im Zentrum stehen, sondern das Publikum selber. Jeder, der Lust hatte, konnte seine Lieblingssongs vortragen», sagte Niedermann.

Seine eigene Komfortzone zu verlassen, brauchte jedoch auch Mut. Teilnehmerin Christine Zenz gestand, kurz bevor es losging: «Ich sterbe vor Lampenfieber.» Für einen soliden Soundteppich sorgten neben «Afterwork»-Initiant Niedermann an der Gitarre die Profimusiker Lukas Meier am Schlagzeug und Thom Wettstein am Bass. «You’ve got a Friend» von Carole King kam zu Gehör — gesungen mit einer vielleicht etwas dünnen Stimme. «Perfektion muss an so einem Abend nicht sein. Es geht darum, Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Nationalitäten und Talenten zusammenzubringen», sagte Niedermann, der für seine brillante Saitenkunst bekannt ist.

Einige Überraschungstalente gab es zu entdecken: Zum Beispiel Hans Graber, der sich als leidenschaftlicher Gitarrero entpuppte und «Wilde Hilde» im Hamburger Dialekt vortrug. Grafiker Matthias Bernhard brachte sogar sein Alphorn für eine Ethno-Jamsession mit. Kettly Knörle aus Haiti, die schon mit eigener Band im Joy gastierte, sang mit samtig rauer Stimme und einer gehörigen Portion Sexappeal «Mustang Sally». Vieles geschah spontan, denn plötzlich gesellte sich ein Mundorgel-Spieler zu der Formation. Bei «Mamy blue» im zweiten Set waren sämtliche Anwesenden endgültig aus dem Häuschen und sangen den Refrain in einem Chor von knapp 100 Stimmen mit.

Nic Niedermann ist sehr zufrieden über die Entwicklung seiner Konzertreihe, die jeden Donnerstag um 18.15 Uhr über die Bühne geht: «Wir haben ein grosses Stammpublikum. Mittlerweile sind bei jedem Konzert um die 100 Leute im Haus.» Ein Highlight der nächsten Wochen ist der Auftritt von Niedermanns Band «Rotosphere» zusammen mit den Sängerinnen Justina Lee Brown und Sandra Rippstein am 9. November. Das Konzert findet innerhalb des vom Grand Casino Baden veranstalteten Festivals «It’s time to play» statt.

Am 10. November ist aus diesem besonderen Anlass der Basler Musiker Phil Dankner mit Band zu Gast und am 11. November die Formation Grand Mother’s Funck. Einen weiteren Höhepunkt bei «Afterwork» stellt der Auftritt von «Asep Stone & The Experience» am 23. November dar. Niedermann bezeichnet die Formation als beste Jimi-Hendrix-Coverband der Schweiz.