Baden

Wenn der Parkhaus-Besuch zum Kino-Erlebnis wird

Unort wird zum Leben erweckt: Das Freiluftkino an der Gartenstrasse in Baden.

Unort wird zum Leben erweckt: Das Freiluftkino an der Gartenstrasse in Baden.

Von weitem ist das Stimmenwirrwarr von der obersten Etage des Parkhauses an der Gartenstrasse zu hören. Kaum ist die letzte Stufe im Treppenhaus erklommen, erinnert alles an ein Sommerfest. Dort, wo sonst Autos parkiert sind, werden Weingläser geschwenkt, es wird gelacht und geplaudert, in der Luft liegt der süsslich-salzige Duft von Flammkuchen. Unter bunten Lichterketten nehmen einige Besucher gerade eine Partie Boule in Angriff. Als der Blick über die Badener Dächer schweift, sticht einem die eigentliche Hauptdarstellerin an diesem Abend ins Auge: die weisse Kinoleinwand unter freiem Himmel.

Zum zwölften Mal verwandelt der Verein Freiluftkino das Parkhausdach während elf Tagen in ein Open-Air-Kino. Dabei sind es nicht nur die Filme, welche die Kinofans in luftige Höhen locken. «Nein, es ist die fantastische Aussicht, die es ausmacht», erklärt Edgar Guggenheim, einer der Besucher, und zeigt stellvertretend auf die Ruine Stein. Der Badener sieht sich seit fünf Jahren regelmässig Filme im Freiluftkino an. Im Vergleich zu sonstigen Kinobesuchen schätzt er die sozialen Besonderheiten an der frischen Luft: «Man trifft hier immer wieder Leute, die man kennt, und gerät in Gespräche. Das hat man in einem dunklen Kinosaal weniger.»

Kurz nach 21.30 Uhr, nachdem sich die letzten Sonnenstrahlen hinter der Baldegg verabschieden, heisst es Film ab. Gezeigt wird das Independent-Drama «The Florida Project». Sie sei extra wegen dieser Vorstellung hierhergekommen, erzählt eine Besucherin in freudiger Erwartung. Der Film beleuchtet das Schicksal der sechsjährigen Moonee, die gemeinsam mit ihrer Mutter in einem Billigmotel am Rande von Orlando im US-Bundesstaat Florida lebt. Nur einen Steinwurf von der magischen Scheinwelt der Touristenattraktion Disney World entfernt, bewegt sich die Familie am Existenzminimum. Mit Fantasie und kindlicher Lebensfreude gelingt es Moonee dennoch, ihren tristen Alltag mit Magie zu erfüllen.

Kurz nach Mitternacht rollt der Abspann über die Leinwand. «The Florida Project» ist ein überaus bunter Film, der mit den Gegensätzen zwischen Schönheit und Hässlichkeit spielt. Und so passt er wie die Faust aufs Auge zur Kulisse des Freiluftkinos. «Wenn man ehrlich ist, ist das Parkhausdeck eigentlich ein Ort, der im Rest des Jahres nicht schön anzusehen ist», findet Daniel Leuthold vom Verein Freiluftkino. Gemeinsam mit seinem Team hat er es nun schon zum zwölften Mal geschafft, dem kargen «Unort» einen Farbanstrich zu verpassen – und ihm ein Stück Magie zu verleihen.

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