Baden
Wenn die Flohmarkthändler ihre Ware präsentieren, kommt Leben auf den Theaterplatz

Auf dem Theaterplatz-Flohmarkt waren Bücher ein Flop – Geschirr und eine ausgestopfte Schildkröte hingegen top. Wenn die Flohmarkthändler ihre kunterbunte Ware präsentieren, kommt Leben auf den sonst kalt und nüchtern wirkenden Theaterplatz in Baden.

Ursula Burgherr
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Flohmarkt Baden
13 Bilder
Sogar ein paar Reitstiefel standen im Angebot (ub)
Puppen aus den Fünfzigerjahren (ub)
Kinderspielsachen sind am Flohmarkt sehr beliebt (zVg)
Noch keinen Abnehmer gefunden - der Plüschbär schläft weiter
Für Leute, die gern gut behütet sind (ub)
Der Nachwuchs schaut zu, wenn Mami Geschäfte macht (ub)
Der Flohmarktbesucher weiss noch nicht, für welches Bild er sich entscheiden soll (ub)
Ausgestopfte Schildkröte aus dem Fundus einer Schule (zVg)
Da will offenbar jemand seine Reisesouvenirs loswerden (ub)
Antiquität - ein altes Telefon (ub)
Alte Porzellansachen und Geschirr gab es zuhauf (ub)
Auch kitschige Nippes haben ihre Liebhaber (ub)

Flohmarkt Baden

AZ

Wenn die Flohmarkthändler ihre kunterbunte Ware präsentieren, kommt Leben auf den sonst kalt und nüchtern wirkenden Theaterplatz in Baden. Trotz sengender Hitze waren alle 80 Plätze besetzt.

Simone Graschi aus Baden betrieb zum ersten Mal einen Stand am Flohmarkt und erzählte: «Es war gar nicht einfach dazuzukommen, die Warteliste ist lang.» Bis zum Mittag hatte sie noch nichts von ihren Reitstiefeln, Inlineskates und Sportkleider verkaufen können und war etwas enttäuscht. Auch Caroline Piekenbrock aus Baden feierte ihren Einstand, allerdings mit etwas mehr Verkaufsglück. «Mir läuft es gut», meinte sie strahlend. Wegen Platzmangels trennte sie sich von ihren Souvenirs aus fernen Ländern, wie der Figur eines guatemaltekischen Gottes und einer indischen Maske.

Die aus Würenlos stammende Hanny Gross macht seit 30 Jahren am Badener Flohmarkt mit und bot VintageTaschen, Schuhe und Hüte feil. Was hat sich über all diese Zeit geändert? «Früher waren alte rustikale Sachen gefragt. Heute herrscht besonders bei Taschen ein wahrer Labelkrieg, und alles soll so neuwertig wie möglich sein.» Es sei früher mehr gesammelt worden, fügte Beat Seiler aus Gebenstorf an. «Heute ist es viel unberechenbarer, ob man ein Geschäft macht oder nicht.»

Gleich geblieben sei vor allem eines: «Eingefleischte Flohmarktbesucher stehen schon um 7 Uhr morgens auf der Matte, um ein Schnäppchen zu machen.» Daniela Eichenberger aus Schneisingen ist gar seit 35 Jahren mit ihren Antiquitäten dabei, die aus Hausräumungen und von anderen Märkten stammen. Ins Auge stachen bei ihrer Auslage Puppen aus den Fünfzigerjahren und ein handgeschnitztes Schuhputzset. Geld machen liesse sich mit diesem Geschäft nicht, sagte sie: «Es ist pures Hobby».

Auch Sandra Silvestri, Baden, betonte: «Der Verdienst ist minimal und bleibt manchmal ganz aus. Aber ich bin eben eine Herzblut-Flohmärktlerin.»

Engelsflügel und Pelzmuff

Die vielen Schachteln mit Büchern blieben grösstenteils unberührt. Gut gingen schöne Kleider, Gläser und Geschirr. Auch ein Hochzeitskleid und eine ausgestopfte Schildkröte wurden veräussert. Auf einem Seil hingen ein riesiges Paar Engelsflügel, venezianische Masken und ein Pelzmuff. Und zwischen dem Feilschen um sein Lieblingsstück kam man ganz plötzlich in tiefe Gespräche mit fremden Leuten. Standinhaber Horst Hammelmann aus Oberlunkhofen erzählte, wie er als Hitlerjunge an der Front gegen Russland kämpfte und sich als DDR-Flüchtling durch Minen schlängeln musste.

Die in Widen wohnhafte Agnes Marsden mit ihrem breit gefächerten Angebot vom Nagelset bis zur afrikanischen Maske meinte: «Die Konkurrenz von der immer grösseren Anzahl anderer Märkte merkt man deutlich. Trotzdem bin ich gerne hier. Es macht einfach Spass.»

Der Badener Flohmarkt auf dem Theaterplatz findet neunmal im Jahr, immer am letzten Samstag des Monats, statt.

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