Ehrendingen
Wenn die Liebe den Bach runter geht

Auf der Bühne Heimat wird Ephraim Kishons «Es war die Lerche» neu inszeniert. Die fünfte Eigenproduktion ist die bisher aufwendigste.

Ursula Burgherr
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Aus dem heldenhaften Romeo ist eine weichliche Memme geworden.
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Theater Bühne Heimat in Ehrendingen
Teenager Lucretia, die Tochter von Romeo und Julia, ist fasziniert von Shakespeare und will mit ihm durchbrennen.
Shakespeare ist alles andere als glücklich darüber, wie sich seine Liebestragödie entwickelt hat.
Romeo und Julia geben Shakespeare die Schuld an ihrer Ehemisere - weil er sie erfunden hat.
Julia gesteht Pater Lorenzo, dass sie sich von Romeo scheiden lassen will.
Die Beziehung von Romeo und Julia ist nach 30 Jahren gelebter Ehe nur noch eine Farce.
Der Ofen ist aus - die Beziehung von Romeo und Julia nach 30 Jahren Ehe ein Trauerspiel.
Ausgerechnet wenn sie einmal will, hat er es im Rücken.

Aus dem heldenhaften Romeo ist eine weichliche Memme geworden.

ursula burgherr

Wie wäre es, wenn Romeo und Julia die Shakespear’sche Liebestragödie überlebt hätten und sich nach 30 Jahren Ehe miteinander im Alltag zurechtfinden müssten? – Eine absolute Katastrophe, wie die Inszenierung von Isabelle Küng nach Ephraim Kishons «Es war die Lerche» auf der Bühne Heimat in Ehrendingen zeigt.

Sie schlurft im schäbigen Morgenmantel mit Lockenwickler herum. Er liegt mit seiner Wärmflasche im Bett, zu der er schon lange eine viel innigere Beziehung pflegt als zu seiner Frau. Die Waschmaschine läuft nonstop, trotzdem liegt überall schmutzige Wäsche. Der Lack ist ab, bei Romeo und Julia Montague. Das berühmteste Liebespaar der Weltliteratur geht sich nach 30 Ehejahren nur noch auf die Nerven und liefert sich tagein tagaus gepfefferte Wortgefechte.

Shakespeares Geist soll’s richten

Als wäre des Übels nicht genug, sind die Zwei noch mit der pubertierenden Tochter Lucretia geplagt, die nicht viel anderes im Kopf hat, als rumzuhängen und Party zu machen. Weil die Fürstenfamilien Montague und Capulet stets gegen die Verbindung waren, sind Romeo und Julia mittlerweile verarmt. Nicht einmal ein Dienstmädchen können sie sich leisten. Julia beklagt sich bei Pater Lorenzo über ihr unbefriedigendes Eheleben mit dem impotenten Romeo.

Doch auch am Geistlichen hat der Zahn der Zeit genagt: Leicht senil, verwechselt er ständig Julia mit Ophelia und läutet in der Folge ein munteres Zitate-Raten quer durch Shakespeares Werke ein. Romeo erhofft sich eine Erbschaft von seiner reichen Schwiegermutter und will die Amme überreden, dem Tod etwas nachzuhelfen.

Der Dichter dreht sich ob der eigenmächtigen Entwicklung seines Liebesdramas im Grabe um und sieht sich als Geist genötigt, persönlich ins Geschehen einzugreifen. Aber Romeo und Julia denken gar nicht daran, sich nach ihm zu richten. Sie bezweifeln sowieso, dass Shakespeare ihr Schöpfer ist, und wollen nur eins: sich scheiden lassen. Aber dann kommt alles anders...

Aufwendigste Eigenproduktion

Das Publikum zeigte sich begeistert von der Premiere auf der Bühne Heimat. «Die fünfte Eigenproduktion des Hauses ist die bisher aufwendigste und professionellste», sagt Theaterdirektor Menf Rhyner nach dem frenetischen Schlussapplaus. Seine Doppelrolle als Romeo und Pater Lorenzo verlangt ihm punkto Timing, Präzision und komödiantischem Können alles ab.

Das Highlight im heiteren Trauerspiel von Ephraim Kishon sind aber Simona Hofmann als Julia sowie Girlie Lucretia («Säg Lucky zuemer») und Isabelle Küng als Shakespeare und Amme. Hofmanns Zickigkeit und Wutausbrüche sind zum Niederknien. Binnen Sekunden verwandelt sie sich von der genervten Hausfrau in ein verführerisches Weib und umgekehrt. Küng ist mit ihrer burschikosen Art ideal für einen komischen Shakespeare und liefert, meisterhaft und im Stakkatotempo, Wortsalven in der pathetischen Sprache des englischen Dramatikers.

«Es war die Lerche» wird am 7. März, 8./9. April sowie vom 28. bis 30. Mai 2015, jeweils um 20.30 Uhr auf der Bühne Heimat in Ehrendingen aufgeführt.

Mehr Infos finden Sie hier.