Die Forderung: «Familien, die keine von der Gemeinde subventionierte Fremdbetreuung wie Krippen oder Horte in Anspruch nehmen, erhalten monatlich ein einkommensabhängiges Kinderbetreuungsgeld.» Der Gemeinderat soll eine konkrete Vorlage zur Einführung des Kinderbetreuungsgeldes ab August 2013 vorlegen.

Ziel ist Gleichbehandlung

«Mit unserem Vorstoss möchten wir erreichen, dass alle Familien von der öffentlichen Hand gleich behandelt werden», sagt Ortsparteipräsident Thomas Meier. Die Idee basiere auf der Grundhaltung, dass alle Familien gegenüber der Allgemeinheit eine gleichwertige Leistung erbringen - unabhängig davon, ob sie dies mitbezahlter Erwerbstätigkeit oder unbezahlter Familientätigkeit tun. «Es ist gang und gäbe, dass Fremdbetreuung für Einkommensschwache finanziert wird. Zukünftig soll es genauso selbstverständlich sein, dass auch Eigenbetreuung finanziell unterstützt wird.»

Die Familien sollten auch in Zukunft frei entscheiden können, welche Familienform für sie die richtige ist, findet Meier. «Dafür braucht es aber zwingend diese finanzielle Gleichbehandlung.» Für die CVP-Fraktion ist klar: «Der Trend, dass Selbstbetreuung als rückständig und volkswirtschaftlich minderwertig angesehen wird, muss gestoppt werden.» Wettingen könnte mit der Einführung eines Betreuungsgeldes ein vorbildliches Zeichen für eine moderne Familienpolitik setzen, sagt Meier überzeugt.

Die Idee ist nicht neu

Ein Blick in die europäische Nachbarschaft zeigt: In Deutschland ist die Einführung des Betreuungsgeldes für Kinder im Vorschulalter per 2013 geplant, Finnland und Norwegen haben die Idee bereits umgesetzt. In der Schweiz hat sich das Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien bereits 2004 mit der Thematik befasst und in einem Projekt die Wirkung eines so genannten Erziehungsgehalts auseinandergesetzt: «Das Modell Erziehungsgehalt ist mit hohen Kosten verbunden. Es zementiert zudem eine traditionelle Rollenteilung, was der Gleichstellung der Geschlechter zuwiderläuft», heisst es im Schlussbericht.