Die Gemeinde Wettingen schreibt in einer Medienmitteilung, dass die meisten Angebote in Sachen Kinderbetreuung nicht ausgelastet sind.

Gemeinde- und Nationalrätin Yvonne Feri erklärt: «Der Service wird noch nicht lange angeboten. Es dauert eine Weile, bis die Angebote sich etablieren.»

Leute, die privat Kinderbetreuung in Anspruch nehmen, seien nicht willig, von einem Tag auf den anderen auf ein öffentliches Angebot umzustellen.

«Es ist eine Vertrauenssache, Kinder von ‹Fremden› hüten zu lassen», sagt Stefan Liembd, Leiter der Sozialabteilung der Gemeinde.

Mittagstische viel genutzt

Am meisten genutzt werden Mittagstische. Dabei sind die Standorte Altenburg und Dorf besonders stark ausgelastet. Die durchschnittliche Auslastung aller Mittagsstrukturen in Juli und August lag dennoch unter 70 Prozent.

Am anderen Ende des Spektrums befinden sich die Betreuungsdienstleistungen in den frühen Randstunden am Morgen. Die Mittelwerte der Auslastungen pendelten zwischen 9 und 12 Prozent. «Das überrascht uns eher wenig», sagt Feri.

Am Nachmittag ist die Nutzungsquote vom Standort abhängig. In der Villa Fluck waren in den letzten Wochen um 40 Prozent der Plätze besetzt, im neu erstellten Standort Langäcker hingegen keine 20 Prozent. «Wir werden mehr Werbung machen. Im Frühling 2014 erwarten wir langfristigen Normalbetrieb», sagt Stefan Liembd.

Diskussion um Ferienbetreuung

Der Hintergrund für schulergänzende Kinderbetreuung war eine Initiative, die im Juni 2012 vom Volk angenommen wurde (siehe Box). «Damit ist der Volkswille klar», sagt Mitinitiant und SP Einwohnerrat Patrick Neuenschwander: Nebst Betreuung während des Schuljahrs existieren auch Ferienangebote. Diese beinhalten Kinderbetreuung während acht der total zwölf Ferienwochen.

Die Gemeinde hat jedoch eine zusätzliche Hürde eingebaut. Sie fordert eine Mindestbeteiligung. Wenn nicht genügend Kinder angemeldet sind, fällt die Betreuung an einzelnen Tagen aus.

Initianten unzufrieden

Für Neuenschwander ist unverständlich, dass die Gemeinde diese zusätzliche und der Initiative widersprechende Bedingung eingeführt hat. Er sieht jedoch die Gefahr der zu hohen Kosten bei geringen Anmeldungen. «Wettingen könnte deshalb mit Nachbargemeinden kooperieren, die einen vergleichbaren Service anbieten.»

Ähnliche Kritik ist von Anita Oswald, Einwohnerratskandidatin der SP, zu vernehmen. In einem Leserbrief an die Aargauer Zeitung vom 29. August kritisierte sie die Mindestbeteiligung, ungenügende Kommunikation vonseiten des Anbieters sowie die Passivität der Eltern, «die lautstark Forderungen gestellt haben und jetzt ihre Kinder nicht anmelden».