Untersiggenthal
Wenn eine Bank sogar als zusätzlicher Lärmschutz wirkt

Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein ermöglichte die Besichtigung verschiedener Bauwerke – unter anderem der Neubau der Raiffeisenbank in Untersiggenthal sowie einer der ersten Demenzgärten des Kantons.

Samuel Schumacher
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Grosse Fenster, schwarzes Aluminium und ein kunterbunter Findling: Der Raiffeisen-Bau in Untersiggenthal stammt vom Architekturbüro LiechtiGrafZumsteg.

Grosse Fenster, schwarzes Aluminium und ein kunterbunter Findling: Der Raiffeisen-Bau in Untersiggenthal stammt vom Architekturbüro LiechtiGrafZumsteg.

Samuel Schumacher

Baukunst zum Anfassen, das bieten die SIA-Tage des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins einmal jährlich. Wer will, erhält an diesen Tagen die Möglichkeit, Bauobjekte zu besichtigen, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht oder nur teilweise zugänglich sind. Am Wochenende standen Architekten und Ingenieure schweizweit in mehr als 300 Bauten Red und Antwort. Alleine im Aargau öffneten 28 Banken, Pflegeheime, Hochschulen, Firmengebäude und Privathäuser ihre Türen für die Öffentlichkeit.

Im Treppenhaus glänzt Marmor

Das Brugger Architekturbüro LiechtiGrafZumsteg führte durch die Räumlichkeiten der im vergangenen November neu eröffneten Raiffeisenbank Untersiggenthal. Der schwarze Aluminium-Bau mit den auffällig grossen Fenstern soll Transparenz nach aussen hin ausstrahlen, erklärte Architekt Andreas Graf. Die mit Ulmenholz eingekleidete Kunden-Halle dagegen sorgt für ein geborgenes, abgeschirmtes Raumgefühl. Die hellen Arbeits- und Aufenthaltsräume in den Obergeschossen des Minergie-Standard-Baus sind teilweise mit Nussbaum ausgestattet, im Treppenhaus glänzt weisser Carrara-Marmor. Umstellt ist der Neubau mit Robinien. Vor dem Haupteingang liegt ein bunt bemalter Findling, den das Künstler-Duo Markus und Reto Huber gestaltet hat.

Auf Widerstände sei man mit dem modernen Bau in der Nachbarschaft nicht gestossen, erklärte Graf. «Im Gegenteil. Die abgestufte Bauweise passt gut in das Quartier. Für die Häuser unmittelbar dahinter wirkt der Raiffeisen-Bau gar als zusätzlicher Lärmschutz.»

Zaun für die Freiheit

Die beiden Geschwister Maja und Jann Stoos haben als Architekten den im November 2012 eingeweihten Erweiterungsbau des Alterswohnzentrums Gässliacker in Nussbaumen entworfen. Der moderne Bau mit viel Sichtbeton an den Gangwänden und den Zimmerdecken sowie den dominierenden Gelbtönen im Innenbereich wirke ausgleichend und beruhigend auf ältere und demente Menschen, erklärte Jann Stoos.

Speziell am Erweiterungsbau ist der Demenzgarten vor den Demenz-Zimmern im Parterre. Der Garten – eine Wiese mit Metall-Kunstwerken des Zürcher Künstlers Beat Zoderer – ist mit einem Gitter umzäunt. Das Gitter selbst ist in einer Hecke versteckt. Die Installation erlaubt es den dementen Bewohnern, selbstständig und gefahrlos nach draussen zu gehen und den Garten zu geniessen.

Bevor der Demenzgarten als einer der ersten im Kanton eröffnet wurde, waren solche Spaziergänge für Demente nur in Begleitung einer Pflegefachperson möglich. «So paradox es tönt: Indem wir die Menschen hinter einen versteckten Zaun sperren, schenken wir ihnen mehr Freiheit», erklärte Jann Stoos.