So hatte sich Annemarie Bellinger (Name von der Redaktion geändert) sich den Kinobesuch nicht vorgestellt. Über die Festtage besuchte sie mit ihrem 6-jährigen Neffen im Trafo den Schweizer Film «Heidi». Dabei ist es nicht etwa die Neuverfilmung von Johanna Spyri Roman «Heidi», der Bellinger nicht gefallen hätte. Nein, die Rentnerin hat sich vielmehr über die nicht endende Werbung vor dem Film und die Filmtrailer geärgert. «Fast 15 Minuten mussten die Kinobesucher – darunter viele Kinder – Werbung über sich ergehen lassen. Das ist doch eine Zumutung.» Fast schon grotesk sei dann gewesen, als über die grosse Leinwand noch die Migros-Werbung für die «Heidi»-Produkte flimmerte. «Mein Neffe dachte schon, der Film habe jetzt begonnen und war dann entsprechend irritiert, als es sich dann doch nur als Werbung herausstellte». Bellinger störte sich auch daran, dass etwa Werbung für die Polizeischule gezeigt wurde. «Das ist doch bei einer Nachmittagsvorstellung völlig fehl am Platz.»

Auch Werbung mit Altersgrenze

Werbetrommel statt Kinder-Kino? «Wir schreiben grundsätzlich nur vor, dass die Werbung nicht politisch oder konfessionell sein darf, und wie lang der Werbeblock insgesamt dauern darf», sagt Alexandra Sterk, Geschäftsführerin der Sterk Cine AG. Hingegen sei es die Kinobetreiberin, welche die Auswahl an Filmvorschauen treffe, die jeweils nach der Werbung gezeigt werden. «In der Regel zeigen wir zwei Vorschauen. Dabei berücksichtigen wir selbstverständlich die Zusammensetzung des Publikums und das Genre des Hauptfilms», betont Sterk. Will heissen: Bei einem Film wie «Heidi» würden auch Vorschauen auf andere Familienfilme gezeigt. Sterk: «Ganz sicher zeigen wir bei «Heidi» nicht einen Trailer eines Horror- oder Actionfilms».

Für die Werbebewirtschaftung der Sterk-Kinos ist die Firma WerbeWeischer Schweiz GmbH zuständig. Auf Anfrage sagt die Marketing Directorin Carola Wilkening: «Wie bei Filmen ist auch bei Werbung klar definiert, ab welchem Alter diese gezeigt werden darf.» Sei ein Film ab 12 Jahren freigegeben, dürfe auch nur Werbung gezeigt werden, die für 12-Jährige erlaubt sei. Bei welchem Film welche Werbung platziert werde, sei dann von den Wünschen des Kunden abhängig, so Wilkening. «Ich habe selber auch Kinder und habe durchaus Verständnis, dass man Werbung als störend empfinden kann; gut gemachte Werbung kann jedoch sehr unterhaltsam sein». Man müsse sich einfach bewusst sein, dass sich ein Kino ohne Werbung nicht finanzieren lasse. «Oder anders gesagt: Ohne Werbung wären die Ticketpreise einiges teurer.»

Für Annemarie Bellinger ist derweil klar: «Ich gehe mit meinen Enkelkindern künftig einfach eine Viertelstunde nach offiziellem Filmbeginn in den Kinosaal.»