Wenn heute um 22 Uhr das WM-Halbfinale zwischen Gastgeber Brasilien und Deutschland angepfiffen wird, dann fiebern einige Kinder aus der Region ganz besonders mit.

Davon zeugt ein Besuch im Klassenzimmer 207 im Schulhaus Altenburg: Hier taucht man in die Welt des brasilianischen Fussballs ein. Die Tische sind mit brasilianischen Comics und einem selbst gebastelten Fussballfeld bedeckt. Kinder mit brasilianischer Herkunft können ab der zweiten Klasse das Freifach «Portugiesisch als Muttersprache» besuchen.

«Die Kinder lernen in meinem Unterricht portugiesisch lesen und können ihren Wortschatz aufbessern», sagt die brasilianische Lehrerin Miriam Vizentini. Alle Kinder dieser Klasse sind in der Schweiz aufgewachsen. Dieses Semester nahmen insgesamt zehn Kinder am Kurs teil. Ein Grossteil der Kinder besucht die 2. oder 3. Klasse. Zwei der Kinder sind aber schon 14 Jahre alt. «Diesen beiden habe ich teilweise andere Aufgaben gegeben, da es ihnen sonst zu langweilig wäre», sagt Vizentini.

WM-Fieber vorprogrammiert

Dieses Semester haben sich die Kinder mit dem Thema Weltmeisterschaft in Brasilien beschäftigt. Dazu durften sie unter anderem ein eigenes Panini-Album gestalten. In dieses Album klebten sie beispielsweise eine Karte von Brasilien, die Spieler der brasilianischen Nationalmannschaft oder die Nationalhymne von Brasilien.

Neben der WM diskutierten die Schüler auch über andere Brasilien-Themen. «Wir behandelten auch die Jahreszeiten oder sprachen über Tiere, die wichtig für Brasilien sind», sagt Vizentini. Die Kinder sollen nicht nur die Sprache lernen, sondern auch etwas über ihre Wurzeln erfahren.

Die Sprache und ihre Kultur lernen die Kinder spielerisch kennen. Sie lesen zusammen Fussballcomics, basteln einen Kalender mit den vier Jahreszeiten oder singen die brasilianische Nationalhymne. Dennoch legt Miriam Vizentini viel Wert auf Disziplin. «Es soll trotzdem ein Unterricht sein und nicht nur eine Spielstunde.» So müssen die Schüler zwischendurch kleine Aufsätze schreiben oder Bildbeschreibungen machen.

Das Thema Weltmeisterschaft beschäftigt die Kinder aber nicht nur im Unterricht. «Ich schaue mir fast alle Matchs von Brasilien und Italien an», sagt Vanessa (10). «Ich bin noch halb Italienerin.» Das Herz ihrer Freundin Hana (9) schlägt ebenfalls mehr für Brasilien als für die Schweiz: «Die Nationalmannschaft von Brasilien ist besser als die der Schweiz. Meine Mutter kommt aus Brasilien.»

Die neunjährigen Drillinge Daniel, Matteo und Tiago sind sich einig: «Brasilien ist unser Lieblingsland. Darum sind wir am meisten für Brasilien.» Durch die Adern der Drillinge fliesst aber auch kolumbianisches und schweizerisches Blut. Diese Spiele haben sie sich ebenfalls angeschaut.

Samuel (9) wird dem Ruf der multikulturellen Schweiz absolut gerecht: «Ich bin Kroate, Brasilianer, Schweizer und Chinese.» Sein Herz schlägt für alle diese Mannschaften gleich. «Leider ist China dieses Jahr nicht an der WM dabei.» Er beherrsche die Schweizer und die kroatische Nationalhymne.

Die Stimmung in der Klasse ist gut. Die Kinder kommen gerne in den Unterricht: «Mir gefällt der Unterricht sehr. Am liebsten lese ich die Comics», sagt Daniel. Die Kinder können bis zur neunten Klasse in den Unterricht kommen. «Es ist manchmal schwierig, mit so vielen verschiedenen Niveaus zu arbeiten», sagt Vizentini. Nächstes Jahr muss sie sich ein anderes Thema ausdenken –bis zur nächsten WM dauert es vier Jahre.