Baden

Wenn Kunst über Whatsapp entsteht

Das Publikum kommuniziert via Handy mit Simona Hofmann (in der Glasbox, l.).

Das Publikum kommuniziert via Handy mit Simona Hofmann (in der Glasbox, l.).

Mit ihrer Performance «Hundd Werk 001» in der Galerie Anixis regen Simona Hofmann und Urs Dätwiler zum Nachdenken über die Handy-Generation an.

Der helle Raum in der Galerie Anixis in Baden ist von Stimmen erfüllt, gleichzeitig ertönen im Hintergrund regelmässig ein summendes Geräusch und die Töne von ankommenden sowie gesendeten Nachrichten eines Handys.

Diese gehören zur ersten Performance der Artistin Simona Hofmann und des Designers Urs Dätwiler. Zusammen wollen sie als «Hundd» Projekte machen, welche «die Kunst als Aussage zur momentanen Gesellschaftsordnung fasst».

Ihr «Werk 001» wirft einen Blick auf die heutige, schnelllebige Kommunikation und die sozialen Medien. Drei Objekte stellen Dätwiler und Hofmann dazu aus: Einen Buddha, der ein Selfie von sich macht, während er meditiert, und die heilige Maria, die ihren Sohn Jesus im Arm hält, aber ihren Blick auf ein Smartphone gerichtet hat.

«Wir wollen damit ein Fragezeichen aufwerfen und zeigen, wie absurd die heutige Kommunikation teilweise sein kann», erklärt Simona Hofmann. Als drittes Objekt steht eine grosse Glasbox im Raum, auf deren Vorderseite ein Handy projiziert ist. Hofmann nimmt Platz in der Glasbox, Dätwiler fordert die Besucher auf, mit ihr zu kommunizieren – per Handy.

Zuerst herrscht etwas Verwirrung, doch dann versteht das Publikum, dass die Performance nicht einfach eine Ausstellung oder ein Theater ist, sondern ein interaktives Erlebnis, mit der Möglichkeit, als Besucher die Kunst mitzugestalten. So werden die Smartphones gezückt, Nachrichten verschickt, Bilder gemacht und Smileys versendet, für alle sichtbar auf dem projizierten Handy.

Hofmann reagiert auf die Katzenbilder und philosophischen Fragen aus dem Publikum, aber ist irgendwie doch nicht richtig anwesend hinter diesem Glas. Das Publikum amüsiert sich über das, was auf dem grossen Handy erscheint, zieht seine Gesprächsthemen daraus, diskutiert die Möglichkeiten und Nachteile dieser Art von Kommunikation.

«Das ist genau das, was wir erreichen wollen. Wir hoffen, dass die Leute etwas mitnehmen, aber wir wollen auch auf keinen Fall den Moralfinger zeigen», ziehen Dätwiler und Hofmann Bilanz.

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