Derzeit absolvieren fünf Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren die Regionale Spezialklasse in Baden RSB. Die Heilpädagogin Cornelia Pfammatter und der Sozialpädagoge Andreas Stutz geben den Schülern dabei die Möglichkeit, neues Verhalten einzuüben. Die RSB dient ebenso als mögliche Verhinderin einer Heimeinweisung. «Es handelt sich hierbei um den Versuch einer Resozialisierung dieser Schüler. Sie weisen zu Hause, in der Freizeit und in der Schule Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensstörungen auf. Diese in der RSB auszugleichen, reicht aber nicht», sagt Stephan Mies, Schulleiter der RSB. Das Team muss auch auf eine intensive Mitarbeit der Eltern sowie falls nötig auf Therapeuten zählen können.

«Wir merken jetzt nach einem Jahr Laufzeit, dass vor allem die maximale Aufenthaltsdauer von 20 Wochen für einige Schüler nicht ausreicht. Doch Veränderungen am Konzept erfolgen erst zu einem späteren Zeitpunkt», so Mies. In die RSB werden nicht alle «schwierigen Fälle» aufgenommen. Die RSB unterrichtet keine Schüler, für die bereits feststeht, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt in ein Heim eingewiesen werden. Auch Schüler, die psychische Schäden aufweisen, oder jugendliche Straftäter kriegen keine letzte Chance an der RSB. «Bei solchen Jugendlichen steht bereits fest, dass wir ihnen nicht mehr helfen können. Zudem sind unsere Mitarbeiter nicht für solche Extremfälle ausgebildet. Sie sind schliesslich keine Therapeuten oder Gefängnisaufseher», erklärt Mies.

Konfrontative Pädagogik

Acht Schüler kann die RSB maximal aufnehmen. «Mit acht Jugendlichen gleichzeitig ist die Auslastung aber extrem gross. Jeder bringt seinen Rucksack mit Problemen mit», sagt der Sozialpädagoge Stutz. Sieben haben er und die Heilpädagogin schon gleichzeitig betreut und stiessen dabei an ihre Grenzen. Denn je mehr Schüler da sind, desto höher muss die Präsenz der Mitarbeitenden sein. «Das zehrt mit der Zeit an den Kräften. Nichtinvolvierte könnten meinen, zwei Personen für acht Schüler sei doch Luxus. Das ist es eben nicht, da es sich bei den Schülern um schwierige Fälle handelt», gibt Stutz zu bedenken.

Nähe und Präsenz ist für Stutz und Heilpädagogin Pfammatter wichtig. Man dürfe nicht wegschauen und müsse Dinge auf der Stelle ansprechen und eingreifen. «Wir betreiben hier sehr konfrontative Pädagogik. Wir müssen sofort handeln und sanktionieren» so Stutz. Er wird von Pfammatter unterstützt: «Eine enge Begleitung und Führung ist zentral. Darum braucht es zwei Personen und strikte Regelungen.» Es gebe kein Wenn und Aber. Man müsse umgehend Einfluss nehmen, führt Pfammatter weiter aus.

Sie betreut die Jugendlichen schulisch, während Stutz jeweils mit einem Jugendlichen im Nebenraum kocht. Denn bei der RSB handelt es sich um eine Tagesschule. Die Jugendlichen sind von 7.50 Uhr morgens bis 16.15 Uhr anwesend, das Mittagessen ist integriert. Im schulischen Bereich sind laut Pfammatter die Verhaltensauffälligkeiten auch im Unterricht sicht- und spürbar: «Es sind stoffliche Lücken da und die meisten sind sich nicht gewöhnt, regelmässig vollständig ihre Hausaufgaben zu machen.»

Zusammen kochen und reden

Stutz kann beim gemeinsamen Einkaufen und Kochen – diese Aufgabe übernimmt jeder Schüler jeweils für eine gesamte Woche – intensiv auf die Jugendlichen eingehen: «Ein ähnliches Fehlverhalten wie in der Schule zeigen die Jugendlichen zu 90 Prozent auch, wenn sie mit mir kochen.» Stutz redet ganz privat mit nur einem Schüler und kann Einfluss nehmen. Ein Beispiel ist das Thema Berufsfindung. Stutz bietet Hilfe für Gespräche zu einer Schnupperlehre an. «Ich bin für die sozialen Segmente, die lebenspraktischen und zwischenmenschlichen Themenbereiche verantwortlich. Aber das geht Hand in Hand mit dem Schulischen», sagt Stutz.

Mies ist mit seinen Mitarbeitern Stutz und Pfammatter sehr zufrieden: «Es ist eine super Zusammenarbeit. Die Arbeit macht allen Mitarbeitenden Freude.» Und auch die Räumlichkeiten werden von allen geschätzt, da sie zum einen zentral, zum anderen aber doch weg von der öffentlichen Schule sind. Neben Mies sind auch Pfammatter und Stutz vom Projekt Regionale Spezialklassen in Baden begeistert und vom Erfolg überzeugt.