Es gibt wohl wenige Gläubiger, die derart effizient auf ihre Forderungen pochen können wie Elektrizitätswerke. Werden Stromrechnungen auch nach der x-ten Mahnung nicht beglichen, wird den Kunden einfach der Stromhahn zugedreht. Sitzen die Mieter oder Hauseigentümer dann im Dunkeln, dauert es in der Regel nicht lange, bis sie die Schulden doch noch begleichen. Laut eines Artikels der «Sonntagszeitung» machen die Stromkonzerne in der Schweiz kurzen Prozess, wenn Rechnungen nicht beglichen werden – in Tausenden von Haushalten wird jährlich der Strom abgestellt.

Auch die Elektrizitätswerke und Energieversorger in der Region kennen diese Praxis. Die Regionalwerke AG Baden zählen bei rund 11 500 Kunden total 15 500 Stromzähler; letztes Jahr mussten 58 Abschaltungen vorgenommen worden. «Zuerst mahnen wir, mit einem zweiten Schreiben wird die Abschaltung angedroht und in einem dritten Schreiben, kündigen wir den genauen Zeitpunkt der Abschaltung an», sagt Adrian Fuchs, Abteilungsleiter Elektrizitätsversorgung bei der Regionalwerke AG. In der Regel werde vor jeder Abschaltung das Gespräch mit den Kunden gesucht. «Doch wenn diese nicht reagieren und auch nicht zahlen, stellen wir als letzte Massnahme den Strom ab», so Fuchs. Doch die Regionalwerke kommen Kunden mit Geldsorgen auch entgegen. Bei diesen wird ein Stromzähler mit Prepaid-System installiert. «Die Kunden können Geld auf die Prepaid-Karte laden und so den Strom im Voraus bezahlen; so haben sie eine bessere Kontrolle über ihre Rechnungen», so Fuchs. 102 solcher Zähler seien derzeit in Betrieb.

Mit 20-Räppler Strom beziehen

Bis vor einigen Jahren waren in einzelnen Gemeinden gar noch Münzautomaten im Betrieb. Gänzlich auf solche Zähler verzichten die Gemeindewerke in Spreitenbach; zu gross sei der Aufwand. Bei rund 6500 Zählern habe man letztes Jahr 45 Abschaltungen vornehmen müssen, sagt der Leiter der Gemeindewerke, Daniel Müller. Dabei gehen die Gemeindewerke durchaus human vor. «Bevor wir den Strom abstellen, nehmen wir Rücksprache mit der Einwohnerkontrolle», erklärt Daniel Müller.

Zeige sich dabei, dass im Haushalt Babys oder Kleinkinder leben, würde man von einer Abschaltung absehen. «Zudem stellen wir den Strom am Morgen und wegen der langen Öffnungszeiten wenn möglich am Montag ab, damit die Kunden genug Zeit haben, noch am gleichen Tag zu reagieren.»

Beim Elektrizitäts- und Wasserwerk Wettingen (EWW) mussten letzten Jahr bei etwas über 100 von total 12 000 Kunden der Strom abgestellt werden. Auch in Wettingen kenne man die Prepaid-Zähler. Rund ein Dutzend solcher Zähler steht im Einsatz, wobei es immer weniger werden. «Es ist halt so eine Sache», sagt Rolf Stierli, Leiter Finanzen und Administration. Weil die Kasten klar erkennbar seien, würden die Kunden als säumige Zahler gebrandmarkt; das wolle man wenn möglich verhindern. Thomas Hitz, Geschäftsleiter der Elektrizitätsgenossenschaft Siggenthal, betont: «Den Strom stellen wir nur in absoluten Ausnahmefällen ab.» Bei rund 8200 Kunden sei dies letztes Jahr in 14 Fällen nötig gewesen. «Klar, wir haben mit dem Abschalten ein ziemliches Druckmittel», so Hitz. Und doch sei Strom nicht etwas so Grundlegendes wie etwa Wasser.

Bei der Genossenschaft Elektra Ehrendingen fiel die Zahl der Abschaltungen letztes Jahr mit rund einem halben Dutzend bei insgesamt 3000 Kunden relativ gering aus. «Die Abschaltung ist für uns das letzte Mittel und erfolgt erst, nachdem auch auf eine eingeschriebene Mahnung nicht reagiert wird», sagt Geschäftsleiter Beat Lötscher. Sowieso werde der Strom nicht einfach gekappt. «Wir ersetzen den Zähler durch einen Zähler mit Prepaidkarten-System und laden ein minimales Guthaben drauf.» Dadurch hätten die Kunden noch eine Zeit lang Strom. «In der Regel reagieren sie sehr schnell, wenn der Strom gekappt wurde.»