Baden
Wer Glück hat, parkiert hier gratis

Die Barriere im Langhausparkhaus ist oft kaputt – Betreiber Coop stört das weniger. Zwar kosten die offenen Barrieren viel Geld, aber für Coop geht die Sicherheit vor.

Barbara Scherer
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Eingang Parkhaus im Langhaus. BSC

Eingang Parkhaus im Langhaus. BSC

Barbara Scherer

Sonderlich schön ist das Parkhaus im Langhaus nicht: Einige der Neonlampen brennen nicht, die Wände sind dreckig und der Zebrastreifen löst sich langsam auf. Trotzdem erfreut sich das Parkhaus grosser Beliebtheit – das wohl auch, weil des Öfteren gratis parkiert werden kann. Denn die Barriere steht meistens offen.

Zwar ist die Credit Suisse Eigentümerin des Langhauses, jedoch wird die öffentliche Parkhausfläche von Coop gemietet und betrieben. Wobei die Privatparkplätze im oberen Geschoss von den «Incasa»-Immobilien verwaltet werden. Somit ist Coop verantwortlich für die Barriere ins öffentliche Parkhaus. Dass diese regelmässig defekt sei, bestätigt Markus Eugster, Leiter Kommunikation Verkaufsregion Nordwestschweiz-Zentralschweiz-Zürich. «Die Barriere ist, wie es in den meisten Parkhäusern üblich ist, mit einer Sollbruchstelle versehen», erklärt Eugster. So sei es normal, dass die Barriere bei einem Defekt offenbleibe. Touchiert die Barriere beim Runterfahren einen Gegenstand, fährt sie sofort wieder hoch und bleibt oben. «Das ist ein sicherheitstechnisches Muss», sagt Eugster. Nur so können Personenunfälle und Sachschäden verhindert werden. Also fahren immer wieder Autos in die Barriere. Absichtlich? «Über eine mutwillige Beschädigung kann man nur Vermutungen anstellen», sagt Eugster.

Nachweisen könnte man dies auch nicht, denn Kameras gibt es keine in der Parkhauseinfahrt. Zudem hat Coop, anders als die Konkurrentin Migros, das Parkhaus nicht mit der Stadtpolizei Baden verbunden. «Bisher gab es keine Vorkommnisse, die Kameras nötig gemacht hätten. In der Regel melden sich Autofahrer auch von sich aus, wenn sie die Barriere beschädigt haben», so Eugster. Zudem sei es verständlich, dass es öfters zu Beschädigungen komme. «Die Einfahrt setzt eine gewisse Konzentration voraus, man muss aus einer Kurve heraus an den Ticketautomaten fahren.» Für Coop gehören die Reparaturen zu den grundsätzlichen Unterhaltskosten des Parkhauses. Oft seien die Kosten dafür auch nicht sonderlich hoch. «Diese Barrieren sind so konzipiert, dass sie sich leicht instand stellen lassen.»

Parkhaus ist nur ein Service

Es bleibt die Frage: Kostet es Coop nicht viel Geld, wenn die Barriere tagelang offen steht? «Es ist nicht optimal, doch die Sicherheit geht vor», erklärt Eugster. Ausserdem: Als Detailhändler sei die Zurverfügungstellung von Parkplätzen in erster Linie ein Service. Im Mittelpunkt stehe jedoch der Verkauf. So hat Coop eine sogenannte Gerneralmiete im Langhaus. Eugster: «Das heisst, wir haben Flächen gemietet, unter anderem für Coop, Coop to go und das Parkhaus.»

Dass das Langhausparkhaus seine Kunden immer wieder gratis parkieren lässt, habe aber keine Auswirkung auf andere Parkhäuser, sagt Manfred Schätti, Leiter Liegenschaften der Stadt Baden. «Es liegt in der Verantwortung des Eigentümers, wie schnell Reparaturen vorgenommen werden. Es wäre schön, wenn es alle Parkhausbetreiber gleich handhaben würden.» Daraus geht hervor: Im Sinne der Parkraumbewirtschaftung dürfte das Ganze kaum sein.

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