Baden
Wer hier einzieht, bekommt von der Immo-Firma 1000 Franken

Um Wohnungen an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen, greifen Immobilienfirmen zu immer ungewöhnlicheren Mitteln.

Martin Rupf
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So wirbt die Livit AG für zwei Wohnungen in Baden.

So wirbt die Livit AG für zwei Wohnungen in Baden.

ZVG

«Bei Vertragsabschluss mit einer Mindestdauer von einem Jahr schenken wir Ihnen einen Migros-Gutschein im Wert von 1000 Franken.» Mit diesem Satz versucht die Immobilienfirma Livit AG, für zwei Wohnungen am Cordulaplatz 6 in Baden Mieter zu finden. 1000 Franken für eine Unterschrift? Wo ist der Haken? «Zusatzanreize bei der Vermietung von Wohnungen anzubieten gehört in unserer Branche zum üblichen Vorgehen, wird aber in der Regel eher noch zurückhaltend angewendet», sagt Marietta Hersche, Leiterin Marketing bei der Immobilienfirma Livit AG. Bei der Vermarktung von Neubauprojekten habe sich dieses Vorgehen jedoch seit längerem etabliert. «Die Bedingungen, bei denen diese Angebote in Anspruch genommen werden, müssen zudem klar und unmissverständlich definiert sein», betont Hersche. «Ein professionelles Vorgehen ist für uns zentral und die Bedingungen werden im Mietvertrag entsprechend festgehalten.»

Wegen der grossen Schulhausplatz-Baustelle gleich nebenan sind die Wohnungen am Cordulaplatz 6 wohl derzeit nicht die begehrtesten in der Stadt. Dafür spricht auch folgender Satz im Inserat: «Dieser Mietzins enthält in der Nettomiete einen Baustellenrabatt von 100 Franken für ein Jahr.»

Auf die Frage, ob es überhaupt rechtens sei, einen Mieter für ein Jahr an einen Vertrag zu binden, lässt die Livit AG ausrichten: «Wir verhalten uns seriös und halten uns an klare Regeln und Bedingungen.»

Wie wärs mit einem Ipad?

Dass Mieter mit ungewöhnlichen Aktionen auf Wohnungen aufmerksam gemacht werden sollen, ist tatsächlich nicht ganz neu. So wurden potenziellen Mietern vor rund zwei Jahren auf den Wohnungsplattformen im neuen Dietiker Stadtteil Limmatfeld diverse Zückerchen angeboten. Diese reichten von Mieterlass für bis zu zwei Monate bis hin zu einem Ipad.
Andreas Loepfe, am Institut für Banking und Finance der Uni Zürich für Fragen des Immobilienmanagements zuständig, hält diese Art von Massnahmen für eine kluge Strategie, wie er der «Limmattaler Zeitung» gegenüber sagte: «Ein iPad oder eine geschenkte Monatsmiete ist für die Vermieter unter Umständen billiger als eine Reduktion des Mietzinses.»

Lassen sich potenzielle Mieter auf eine solche Aktion ein? «Als Faustregel gilt, dass bereits eine Preisdifferenz von 100 Franken pro Monat einen Umzug auslösen kann», so Loepfe. Für den Entscheid zwischen zwei Wohnungen könnten weit geringere Unterschiede ausschlaggebend sein. Bei Gewerbeflächen sei mietfreie Zeit ein Standardinstrument des Marketings. «Immer häufiger wird auch das Interesse von Wohnungsmietern auf diese Weise geweckt», so Loepfe und verweist darauf, dass Immobilienfirmen ihren Neumietern auch schon volle Kühlschränke oder Hilfe beim Zügeln als Willkommensgeschenk offeriert haben.

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