Schiefen Brücke
Wer nur rasch kehrt, erhält Bussen-Rabatt

Seit Jahren sinkt die Anzahl Bussen auf der Schiefen Brücke zwischen Baden und Ennetbaden – Polizei zeigt sich sogar kulant.

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Tatort Schiefe Brücke zwischen Baden und Ennetbaden – zweimal auf frischer Tat ertappt. Doch der Autor dieses Artikels hat keine Busse zu befürchten. Weniger Glück hatten letztes Jahr aber die 1961 gebüssten Personen.

Tatort Schiefe Brücke zwischen Baden und Ennetbaden – zweimal auf frischer Tat ertappt. Doch der Autor dieses Artikels hat keine Busse zu befürchten. Weniger Glück hatten letztes Jahr aber die 1961 gebüssten Personen.

Badener Tagblatt

Für den Autor gehört es fast schon zum täglichen Ritual: Jeweils am Morgen und nach Feierabend wird er auf seinem Fahrrad geblitzt – auf der Schiefen Brücke zwischen Baden und Ennetbaden. Genauso wenig wie Taxi- oder Bus-Chauffeure hat er aber eine Busse zu befürchten. Anders erging es alleine letztes Jahr knapp 2000 privaten Fahrzeughaltern, die das Fahrverbot missachteten und vom Blitzkasten erfasst wurden.

Seit gut acht Jahren ist die Brücke für den motorisierten Individualverkehr gesperrt. Dabei hat die Anzahl Bussen stark abgenommen. Waren es 2010 noch 4662 Bussen, 2013 noch 2374, wurden letztes Jahr gerade noch 1961 Fahrzeughalter gebüsst. Roman Schmid, Leiter Verkehrstechnik bei der Stadtpolizei Baden, vermutet, dass vor allem die Ortsansässigen mittlerweile vom Fahrverbot wissen. «Es sind denn auch vor allem Auswärtige, die geblitzt werden», so Schmid, der zwei bis drei Mal vor Ort die Fotos von der Kamera herunterlädt. Richtig vor Ort: «Eine moderne Anlage, wie wir sie zum Beispiel beim Stadtturm haben, wäre sehr kostspielig.» Gleich vor Ort löscht er alle unproblematischen Aufnahmen etwa von Velos, Taxis oder Linienbussen. «Nur bei einem Bruchteil der täglich rund 600 Aufnahmen wird eine Busse fällig», so Schmid.

Werde jemand gebüsst, würden nicht selten Ausreden vorgetragen, wie zum Beispiel das Navigationsgerät, das den Weg über die Brücke angegeben habe. «Ich habe es selber einmal versucht und bin von Ennetbaden her bis zur Hälfte der Brücke gefahren und habe dann als Zielort das Casino angegeben; das Navi hat mich aufgefordert, zu wenden», so Schmid lachend.
Apropos wenden: Hier zeigt sich die Polizei kulant. Wenn ein Ortsunkundiger über die Brücke fährt, danach wendet und die Limmat gleich nochmals quert, bekommt er trotz zweimaligen Blitzen nur eine Busse von 100 Franken aufgebrummt.

Blitzkasten austricksen

Bekannt ist: Es wird immer mal wieder versucht, den Blitzkasten auszutricksen, sei es indem zum Beispiel ein Roller für wenige Meter gestossen wird oder indem man mit dem Auto in sehr langsamem Schritttempo die Brücke überquert – die Kamera löst nämlich erst ab einem gewissen Tempo aus. «Ersteres ist legal, Letzteres natürlich nicht», hält Schmid fest. Und sowieso riskiere man auch dann eine Busse, wenn zum Beispiel in diesem Moment der Blitz wegen eines gleichzeitig querenden Velos ausgelöst wird.

Man liest immer wieder von Radarfallen, die von wütenden Automobilisten zerstört wurden. «Das ist hier noch nie passiert», so Schmid. Nur einmal sei die Kameralinse zugeklebt und einmal das Versorgungskabel durchtrennt worden. «Letzteres ist nicht ungefährlich wegen der hohen Spannung», warnt Schmid potenzielle Nachahmungstäter.

Eule löst Kamera aus

Weniger Glück hatte da der Blitzkasten an der Schartenstrasse, der einmal ganz entfernt wurde und nie mehr aufgetaucht ist. Diese Blitzfalle schnappte letztes Jahr übrigens fast viermal so oft zu – nämlich 9212-mal.

Eule geblitzt auf der Schiefen Brücke.

Eule geblitzt auf der Schiefen Brücke.

Schweiz am Sonntag

Seit gut fünf Jahren begibt sich Roman Schmid rund dreimal die Woche zur Schiefen Brücke, um die Fotos zu sichten. Ein Job übrigens, der nicht ungefährlich ist. «Im Frühling 2011 stürzte ich von der Leiter rund fünf Meter in die Tiefe und zog mir einen Schädelbruch zu.»

Heute brauchts die Leiter dank überlangem USB-Kabel nicht mehr. Ob er denn allerlei Skurriles zu Gesicht bekomme? Einmal habe die Kamera wegen einer Eule ausgelöst (siehe Foto oben). «Und einmal stellten sich ein paar Soldaten in Reih und Glied auf und salutierten, während ein Kollege – wahrscheinliche rennend – die Kamera ausgelöst hat», so Schmid. Und selbstverständlich dürfe auch der obligate Stinkfinger nicht fehlen. «Doch darüber rege ich mich schon gar nicht mehr auf.»