Sieht so ein Manager Consultant aus? Mit seiner Mähne und seinem Schnauz, bei dem selbst Schriftsteller Günter Grass vor Neid erblassen würde, will Stephan Peier dem Bild eines Ökonomen so gar nicht gerecht werden.

Peier war der erste hochkarätige Referent, welcher der Einladung von Armin Baumann, Initiant des Forums, gefolgt war. Bei der Begrüssung zeigte sich Baumann hoch erfreut, dass rund 500 Gäste den Weg in die Trafohalle zum 9. KMU Swiss Forum unter dem Motto Visionen und Illusionen gefunden hatten. «Das war meine Vision, als ich diesen Anlass vor acht Jahren ins Leben rief.» Er hoffe einzig, dass der Frauenanteil der Gäste – aktuell 19 Prozent – in den nächsten Jahren noch steige.

Visionen sollen Lust vermitteln

Zurück zu Stephan Peier. Sein Auftritt war nicht nur wegen seines Äusseren ungewöhnlich, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie er sich dem Thema annäherte. Dass der Berater von Managern auch einen Abschluss in Philosophie hat, wurde schnell deutlich. «Bei Visionen verhält es sich wie bei der Kunst. Sie sollen Originale sein, neue Massstäbe setzen und vor allem Lust vermitteln.» Zwar sei eine Vision immer nur ein unfertiges Bild der Zukunft. Trotzdem sei es wichtig, klare Ziele zu haben, so Peier. «Wenn jemand den Weg als Ziel preist, dann hat er das Ziel aus den Augen verloren.»

In seiner Funktion als Berater habe er immer Manager erlebt, die sich davor gefürchtet hätten, Entscheide zu fällen. Für gute Entscheide seien drei Faktoren von Bedeutung. Der Zeitpunkt, die Qualität der Entscheidung und das Gremium, das den Entscheid fälle. «Es darf auch einmal ein Fehlentscheid dabei sein; entscheidend ist, wie schnell er korrigiert wird.» Und wie gross sollte ein Gremium sein? Peier: «Die Zauberformel eines Freundes lautet: Das Gremium sollte möglichst klein, aus einer ungeraden Zahl und einer Primzahl kleiner als drei bestehen.»

KMU Swiss Forum-Initiant Armin Baumann im Interview

KMU Swiss Forum-Initiant Armin Baumann im Interview

Peier plädierte dafür, bei wichtigen Entscheidungen insbesondere auf das Bauchgefühl zu horchen. Vor allem aber sollten sich gute Manager nicht vor Chaos fürchten. Denn erst auch Chaos könne Gutes und Neues entstehen. «Absolute Sicherheit gibt es nie. Wenn Sie die wollen, können Sie sich gleich ins Grab legen.» Peier bemängelte zudem, dass er gerade bei Managern von Grosskonzernen immer wieder eine grosse Schwerfälligkeit festgestellt habe.

Schwerhörige Chefs sind ein Risiko

Solches muss sich Andy Rihs, Verwaltungsrat des Hörgeräteherstellers Sonova (ehemals Phonak), nicht vorwerfen lassen. Rhis, der zuletzt wegen umstrittenen Aktienverkäufen das Präsidentenamt abgeben musste, schilderte in seinem Referat eindrücklich, wie er seine Zweimann-Firma in 40 Jahren zum Weltmarktführer von Hörgeräten machte. «Wir hatten am Anfang zwar kein Geld, dafür aber eine klare Vision», so Rhis. «Eines Tages sollen schwerhörige Menschen dank unseren Geräten besser hören als Menschen ohne Hörschwächen.»

Der Start sei natürlich vor allem deshalb schwierig gewesen, «weil wir ein Produkt herstellten, das eigentlich viele brauchten, aber doch niemand wollte». Dank der richtigen Unternehmenskultur habe sich der Erfolg dann aber eingestellt. Im Zentrum, so Rihs, sei dabei immer eine offene und vor allem angstfreie Kommunikation innerhalb der Firma gestanden. «Um beim Thema zu bleiben: Wenn Manager schwerhörig sind, dann geht eine Firma kaputt.»

Eine Vision in den Urner Bergen

Ein Vision vertritt auch Raymond Cron. Nicht seine eigene, sondern die des ägyptischen Investors Samih Sawiris. Raymond Cron, der ehemalige Chef des Bundesamtes für Zivilluftfahrt, ist heute in Europa zuständig für sämtliche Aktivitäten der Orascom Development Holding, die von Sawiris geführt wird.

«Mit Andermatt verbinden wohl viele eher Divisionäre statt Visionäre», spielte Cron darauf an, dass viele Schweizer Männer den Urner Ort vor allem vom Militär kennen. Cron versicherte, dass man in Andermatt nicht einfach Kasse machen und dann wieder verschwinden werde. «Sawiris Vision ist es, zwischen Zürich und Mailand ein Projekt zu verwirklichen, das ein Schweizer nie an die Hand genommen hätte.»