Eines steht fest: In Baden regiert ab 2018 ein neuer Stadtammann. Drei Kandidaten stehen zur Auswahl: Markus Schneider, amtierender Vizeammann der CVP, Erich Obrist, amtierender Stadtrat (parteilos), und Sandra Kohler (parteilos), die diesen Herbst im ersten Wahlgang den Sprung in den Stadtrat schaffte. Am Freitagabend debattierten sie am Wahlkampfpodium des Badener Tagblatts in der Druckerei des AZ-Hochhauses.

Warum soll man Sie wählen? Die Stadtammannkandidaten erhielten je eine Minute Zeit, die Zuhörer im Saal zu überzeugen. Erich Obrist sagte: «Der Titel eines Porträts in der Zeitung über mich lautete: Der Kreative. So verstehe ich mich auch. Ich bin ideenreich, ich bin Gestalter, nicht Verwalter. Und ich bringe Erfahrung aus meiner Arbeit im Einwohnerrat und als Finanzkommissionspräsident mit. Ich bin in Dättwil aufgewachsen und ein Teil dieser Stadt. Ich will Baden weiterbringen und die guten Dinge erhalten, wie die Lebensfreude. Und ich will, dass wir wieder ein positives Image erhalten.»

Sandra Kohler: «Ich will drei Stichworte geben, warum man mich wählen soll. Diese werden zum Teil als Schwäche ausgelegt, aber für mich sind es Stärken. Erstens bin ich überzeugte parteilose Kandidatin. Damit stehe ich für 90 Prozent der Bevölkerung ein, die ebenfalls parteilos sind. Zweitens bin ich Quereinsteigerin in die Politik, ich komme aus der Privatwirtschaft. Ich schaue Dinge anders an, bin nicht konform und bringe neue Ideen mit. Drittens ist die Kommunikation in der Politik untervertreten. Zudem will ich mit Baden eine Vision entwickeln: Baden war früher ein toller, bekannter Kurort. Ich will, dass Baden wieder lebt, wieder Farbe hat, und dass die Bevölkerung mitzieht.»

Markus Schneider: «Wenn Sie einen Stadtammann haben wollen, der langjährige politische Erfahrung mitbringt, der sicher ist in den Dossiers und die grossen Projekte der Stadt kennt; wenn sie einen Stadtammann haben wollen, der ab 1. Januar nahtlos weiterarbeiten kann, weil er eine Vision hat und weil er führen will, weil er die Verwaltung verschlanken will und den entsprechenden Druck ausüben kann – dann bin ich der richtige Kandidat.»

Geleitet wurde die Podiumsdiskussion von Martin Rupf, Ressortleiter des Badener Tagblatts, und BT-Autor Roman Huber. Die Kandidaten nahmen Stellung zu den kontroversen Themen:

> Steuerfuss: «Befürworten Sie eine Erhöhung des Steuerfusses, wenn Ja wann und in welcher Höhe?», lautete eine Frage. Erich Obrist antwortete: «Ich stehe nach wie vor zu einer Erhöhung um acht Prozentpunkte, also zu einem Steuerfuss von 100 Prozent, wie ihn der Stadtrat für das Budget 2018 vorgeschlagen hatte. Es ist nicht der Steuerfuss, der Baden ausmacht. Wenn wir die Investitionen, die wir aufgegleist haben, realisieren wollen, dann braucht es die Steuererhöhung.»

Markus Schneider sagte: «Es ist inzwischen allen klar, dass wir eine Steuererhöhung brauchen. Wenn wir die geplanten Investitionen umsetzen und den attraktiven Standort behalten möchten, braucht es eine Steuerfusserhöhung um mindestens fünf Prozent. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt. Wenn wir das Budget 2019 sorgfältig mit der Spezialkommission aufgleisen und zeigen, dass wir die entsprechenden Sparmassnahmen umsetzen, werden die Parteien auch bereit sein, einer Steuererhöhung zuzustimmen, davon bin ich überzeugt.»
Sandra Kohler sagte: «Ich glaube, die Badener Bevölkerung wäre auch mit einem Steuerfuss von 100 Prozent einverstanden, weil sie sieht, was für tolle Projekte vor uns stehen. Ich wäre froh gewesen, wenn wir die Steuern wenigstens um drei Prozent erhöht hätten, also jene drei Prozent des Steuerfussabtausches mit dem Kanton.»

> Kredit für die Burghalde: Eine Frage aus dem Publikum lautete: «Stimmen Sie dem 98,5 Millionen-Kredit für das Sekundarstufenzentrum zu, Ja oder Nein?» Markus Schneider, der das Projekt als zuständiger Stadtrat erarbeitete, gab ein klares Ja als Antwort. «Ein Nein würde bedeuten, dass wir die Schulraumplanung stoppen müssten. Die Sekundarstufe würde auf der Burghalde und Pfaffechappe verteilt bleiben. Und wir müssten einen neuen Standort für ein Primarschulhaus in der Innenstadt finden.»

Sandra Kohler hat Nein gestimmt: «Das Projekt wurde erarbeitet, als es Baden noch besser ging. Wir sind es uns noch nicht gewohnt, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen. Bei der Burghalde wäre mehr möglich gewesen. Das Projekt lähmt Baden zu einem gewissen Grad, gerade auch, weil der Steuerfuss nicht erhöht wurde.»

Erich Obrist gab keine eindeutige Antwort. Er sagte wörtlich: «Wenn man das Oberstufenzentrum befürwortet, muss man auch für einen höheren Steuerfuss einstehen. Ich befürworte einen höheren Steuerfuss.»

> Kultur: Eine weitere Frage lautete, ob man die Badener Kulturinstitutionen nicht einmal grundsätzlich unter die Lupe nehmen und den Kommerz in den Kulturhäusern steigern müsste – etwa im Nordportal, im Historischen Museum oder im Kunstraum. Die drei Einrichtungen waren in der Budgetdebatte im Einwohnerrat alle vom Sparhammer bedroht. Die Beiträge an das Nordportal werden ab Juli 2018 eingestellt, allerdings war das ein Sparvorschlag des Stadtrates im Zuge des allgemeinen Sparpakets der Stadt.

Ressortvorsteher Erich Obrist sagte, die Abteilung Kultur habe für das Nordportal eine Lösung in Reichweite. Er wünsche sich in den Kulturinstitutionen nicht mehr Kommerz, wohl aber mehr Eigenwirtschaftlichkeit. «Partys ins Historische Museum verlegen, das geht nicht», sagte Obrist. «Partyveranstalter haben wir schon so genug in Baden.» Auch beim Kunstraum sei man jetzt dabei, die Eigenwirtschaftlichkeit mit Sponsoring zu erhöhen. Anders gehe es auch hier nicht. Aber das sei ein Prozess, der Zeit brauche.

Sandra Kohler sagte, es müsse unbedingt auch Platz für Nischenkultur geben. Sie finde es richtig, dass man auch in der Kultur Unterstützung in der Bevölkerung suche, wie es etwa das «Royal» getan habe. Man müsse Formen finden, wie die Bevölkerung Kulturangebote aktiv mittragen könne.

Martin Rupf fragte Markus Schneider, ob mit ihm als Stadtammann die Sportvereine in Baden eine bessere Stellung bekommen würden und die Kultur dafür bluten müsse. Schneider konterte, die Sportvereine würden sich schon selbst genügend Gehör verschaffen. Das «Royal» sei ein gutes Beispiel für das Mitwirken der Bevölkerung. Ihm sei wichtig, dass man in der Kultur nicht an den Betriebsbeiträgen spare, sondern eher bei der Infrastruktur. Ob man alle Kulturhäuser wie bis anhin erhalten solle, sei er sich nicht sicher.

> Fusionen: Weitgehende Einigkeit herrschte beim Thema Gemeindefusionen. Roman Huber fragte die Kandidaten, welchen Schlachtplan sie dafür in die kommende Legislatur mitbringen würden. Sandra Kohler sagte, man müsse nach dem bisherigen Vorgehen den Nachbarn jetzt auf Augenhöhe begegnen, insbesondere Ennetbaden und Neuenhof. Markus Schneider sagte mit einem Augenzwinkern, der Begriff Schlachtplan sei fürchterlich. Fusionen bräuchten Zeit und müssten einen Mehrwert für alle Beteiligten bieten. Und Erich Obrist, der sich seit Jahren für das Thema Fusionen stark macht, sagte, Aarau habe es mit dem «Zukunftsraum» sehr gut vorgemacht, wie man ergebnisoffen und auf Augenhöhe unter benachbarten Gemeinden zusammenarbeite. Ziel der Badener dürfe nicht sein, mit gesatteltem Ross und Rüstung gegen Wettingen zu reiten.