«In 20 Jahren, da werdet ihr sagen können: ‹Ich war dabei, beim allerersten Konzert!›» Mit diesen Worten animiert der Sänger der Band «Insane Betty» die Zuschauer im Saal und erinnert sie daran, dass sie gerade Teil sind von etwas Historischem. Nach jahrelangem – erneutem – Ringen um eine neue Lösung für ein Badener Jugendkulturlokal und nach monatelangem Fehlen eines Treffpunktes nach Schliessung des Merkkers Ende 2014 wurde das Werkk am Samstag offiziell eröffnet. Die Jugendlichen in Baden haben damit ihr zweites Zuhause zurück – und zum ersten Mal ist es ein Definitives.

Gefeiert wurde die Geburt des Werkks mit Konzerten von gleich fünf Bands. Vor «Insane Betty» hatten «Finger, Finger» und «Kontext Clay» ihre Konzerte gespielt, für ein paar Songs taten sich die Bands zusammen und improvisierten gemeinsam. Abgeschlossen wurde der Abend mit den Auftritten von den Badener Bands One Sentence. Supervisor und Who’s Panda sowie dem Badener Electro-DJ Zart Strøm.

Der Ansturm auf das neue Kulturlokal war immens: Draussen auf dem Vorplatz standen Dutzende Jugendlicher und warteten teils bis zu zwei Stunden, bis sie ins volle Werkk hinein durften. Dass im Nordportal ein paar Meter weiter eine grosse Hip-Hop-Party stattfand, brachte zusätzliche Partygänger an die neue Badener Kulturmeile an der Schmiedestrasse. Der allererste Anlass im Werkk gab schon ein erstes Bild davon ab, wie es in hier am Wochenende künftig aussehen wird.

An die neuen, grösseren Dimensionen im Werkk und der Alten Schmiede im Vergleich zum kleinen Merkker müssen sich die Besucher wie die Betreiber noch gewöhnen. Insgesamt braucht es zum Beispiel mehr Personal, darunter auch mehr Securitys. Zudem hat der moderne, eher betonlastige Bau nicht dieselbe Atmosphäre wie das frühere Merkker mit seinem markanten Holzboden und dem leicht improvisierten Charakter.

«Es ist halt einfach noch sehr neu»

«Das Merkker gibt es wirklich nicht mehr, damit muss ich mich wohl abfinden», sagte eine Besucherin. Ein weiterer Jugendlicher sagte: «Das Merkker hatte noch dieses liebliche Alte, das fehlt sehr bei dem neuen, eher kahlen Betonbau. Aber das Werkk sieht schon gut aus; es ist halt einfach noch sehr neu.» Hauptsache für ihn sei, dass es wieder ein Raum für die Jugendlichen in Baden gäbe. «Ein neuer Ort lässt auch Platz für Neues zu», fügte er an. Wichtiger als die Hülle des Jugendlokals ist aber nach wie vor der Inhalt: Im Werkk agieren teils noch die gleichen Personen wie früher im Merkker. Analog zu den bekannten und den neuen Gesichtern hinter der Bar kam auch das neue Getränkeangebot daher: Die Preise sind in etwa gleich wie früher, die Karte überrascht aber mit ein paar neuen Getränken, darunter das von der Müllerbräu eigens fürs neue Lokal konzipierte Werkk-Bier.

Wenige Meter vor der Bar war am Samstag ein Plakat aufgehängt mit der Aufschrift «Mach mit beim Werkk». Neue Jugendliche sollen sich engagieren – damit die Badener Jugendlokal-Geschichte im Werkk ihre würdige Fortsetzung erhält.