Es begann mit Messerattacken auf Plakate der Umfahrungsbefürworter. Das Komitee «Ja zur Umfahrung Mellingen» verurteilte die Attacken auf ihre Plakate aufs Schärfste. Ein fairer Abstimmungskampf sähe anders aus.

Nur wenige Tage später erfolgte die Retourkutsche; Plakate der Gegner wurden zerstört. Und auch hier liess die Reaktion nicht lange auf sich warten. «Es ist einfach verabscheuenswürdig, wer immer die Plakate zerstört hat», sagt Paul Vogler, Vizepräsident des Vereins Bye Bye Abschnitt 2. Vogler regt sich vor allem deshalb fürchterlich auf, weil die zerstörten Plakate von Kindern angefertigt wurden. In Mitleidenschaft geraten seien aber nicht nur die Kinderplakate, sondern auch viele kleinere Nein-Plakate. Vogler ist überzeugt: «Das waren keine spontanen Vandalenakte; die Täter sind systematisch vorgegangen.» Vereinspräsident Charles Sigrist habe nun Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht.

Nein-Komitee ist sehr präsent

Auch Rolf Hirsiger von der IG Pro Umfahrung Mellingen verurteilt die Vandalenakte; ganz egal auf welche Plakate. Und er fügt an: «Wir müssen neidlos anerkennen, das die Umfahrungsgegner sehr präsent sind», so Hirsiger.

So präsent, dass sicher nicht – wie von den Gegnern immer wieder vorgebracht – von David gegen Goliath gesprochen werden könne. «Ich gehe davon aus, dass den Gegnern wie auch der Gemeinde als Befürworterin etwa 100000 Franken für den Abstimmungskampf zur Verfügung stehen», so Hirsiger. Das Nein-Komitee spricht derweil von 50000 Franken.

Hirsiger betont weiter: «Es gibt sachliche Argumente für und gegen die Umfahrung – aus unserer Sicht überwiegen natürlich erstere.» Er wirft den Gegnern aber vor, auf ihrer Website mit falschen Verkehrszahlen zu operieren. «Dem ist nicht so», entgegnet Paul Vogler. Es sei halt auch bei Zahlen so, dass diese verschieden interpretiert werden könnten.

Wie weiter nach der Abstimmung?

Der Mellinger Gemeindeammann Bruno Gretener möchte die gegenseitigen Plakatattacken nicht überbewerten. «Das ist kein neues Phänomen. Es ist leider eine Zeiterscheinung, dass solche Dinge immer häufiger passieren.» Die gegenseitigen Anschuldigungen seien zwar verständlich, «aber es sei gut vorstellbar, dass auch andere Vandalen – also weder Befürworter noch Gegner – für die Sachbeschädigungen verantwortlich sind», so Gretener.

Er habe schon festgestellt, dass die Emotionen jetzt – wenige Wochen vor der Abstimmung – hochgingen. «Zwar weniger innerhalb von Mellingen selber, wo sich bisher wenige Gegner öffentlich gegen die Umfahrung eingesetzt haben», sagt Gretener. Vielmehr sei eine emotionale Auseinandersetzung zwischen Befürwortern aus Mellingen und Gegnern aus Wohlenschwil oder Büblikon im Gange.

Wie sich der heftige Abstimmungskampf um die Mellinger Umfahrung auf die künftige Zusammenarbeit der Gemeinden auswirke, bleibe abzuwarten, sagt Gretener. «Wir werden aber nach der Abstimmung kaum einfach wieder zur Tagesordnung schreiten und so tun können, als hätte es diesen Abstimmungskampf nie gegeben.»