Wettingen
Wettiger Kantischüler löchern ABB-Chef Ulrich Spiesshofer mit Fragen

Kritischer Frage zu Frauenquote und Work-Life-Balance: Im Rahmen des Jugend-Webprojekts «Mint» des Wirtschaftsmagazins «Eco» von Schweizer Radio und Fernsehen trifft eine Klasse der Kantonsschule Wettingen ABB-Chef Ulrich Spiesshofer.

Noemi Lea Landolt
Drucken
Teilen
Was wollt ihr wissen? Ulrich Spiesshofer steht Red und Antwort.SRF

Was wollt ihr wissen? Ulrich Spiesshofer steht Red und Antwort.SRF

SRF

Etwas verloren steht die vierte Klasse der Kantonsschule Wettingen mit Ergänzungsfach Wirtschaft und Recht mit ihrem Lehrer am Bahnhof Oerlikon. Sie treffen ABB-Chef Ulrich Spiesshofer im Rahmen des Jugend-Webprojekts «Mint» des Wirtschaftsmagazins «Eco» von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Die Stimmung ist gut, die Aufregung aber spürbar. Wer stellt welche Frage? Und vor allem: Wer macht den Anfang?

Irgendwann, später als geplant, finden sie die Verantwortlichen von SRF. Nach einer kurzen Begrüssung und Einführung durch das Fernseh-Team machen sich die elf Schülerinnen und der Schüler, begleitet von Kameras, auf den Weg zum ABB-Gebäude.

Die Klasse dreht Selfie-Videos mit ihren Smartphones. Die Schülerinnen und der Schüler erzählen, was sie sich vom Besuch erhoffen, und welche Fragen sie dem ABB-Chef unbedingt stellen möchten. Die Liste der vorbereiteten Fragen ist lang. Für alle wird es wohl nicht reichen. Um 15 Uhr muss Spiesshofer nämlich weiter an seinen nächsten Termin. Vor dem ABB-Gebäude ist es schon fast 14 Uhr.

Ein Image-Film zur Begrüssung

Durch die Glastür geht es ins Gebäude. Kurzes Warten. Jacke aus, ein letztes Mal aufs WC und ab in den vorbereiteten Saal, wo Ulrich Spiesshofer jeden persönlich mit einem Händedruck begrüsst. Die Schülerinnen und der Schüler verteilen sich um die runden Stehtischchen mit weissen Tischtüchern. Zur Einstimmung folgt ein Image-Film auf Englisch über die ABB.

Dann, endlich – der Moment für die erste Frage. Kurz ist es ruhig, bis sich die erste Schülerin traut. «Stress, Hektik, Work-Life-Balance. Wie macht das ein Konzernchef?» Spiesshofer erzählt, in dem Job könnte man eigentlich 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche arbeiten. Wichtig sei deshalb, dass man Arbeiten abgebe und nicht versuche, alles selber zu machen. Auch das Abschalten nach Feierabend, am Wochenende und in den sechs Wochen Ferien sei ihm wichtig.

Das Eis ist gebrochen. Die Fragen folgen nun flüssig aufeinander. Die jungen Frauen bleiben hartnäckig, kritisch und haken nach. Warum die Frauenquote bei der ABB nur 17 Prozent betrage, und was Spiesshofer dagegen mache, will die Klasse mit einer Frauenquote von gut 90 Prozent wissen. Hier sieht Spiesshofer Änderungsbedarf. Er erwähnt Projekte der ABB und erzählt von den Schwierigkeiten, dass sich Frauen weniger für die Themen der ABB interessieren würden.

Eine knappe Stunde beantwortet Spiesshofer die Fragen der Klasse. Von seinem hohen Lohn bis zum Engagement der ABB in Russland will die Klasse alles wissen. Dann ist Schluss. Wie hat der ABB-Chef das Treffen erlebt? «Ihr wart aufgeweckt und habt gute und auch schwierige Fragen gestellt», sagt er. Überrascht hätten ihn die Fragen allerdings nicht. Er habe selber zwei Söhne, die ihn auch fragen, was er für die Welt tue. Spiesshofer verabschiedet sich. Es ist 15.10 Uhr.

Auf die Klasse wartet ein Apéro im Foyer. Exotische Früchte und salzige Snacks. Ihre Fragen stellen sie nun nicht mehr Spiesshofer, sondern seinen Mitarbeitern. Sie interessieren sich vor allem für deren schulische Laufbahn. Schliesslich müssen sich die Kantischüler schon bald entscheiden, was sie einmal studieren möchten. Dann ist das Buffet fast leer, die Mägen voll und der Zug zurück nach Wettingen wartet.

Auf dem Nachhauseweg stellen drei Schülerinnen fest, dass es gar nicht so einfach war, einen mediengewandten Konzernchef wie Spiesshofer mit Fragen zu löchern. Er wisse halt genau, wie er antworten müsse und sein Unternehmen richtig verkaufe. Ob sie ihm das alles glauben? Die Kantischülerinnen bleiben kritisch.