Ist das Pfyfferhuus an der Wettinger Bahnhofstrasse ein erhaltenswertes Gebäude oder kann es abgebrochen werden? Diese vor über einem Jahr in Wettingen sehr kontrovers diskutierte Frage ist inzwischen beantwortet: Das Haus wurde abgebrochen. An seiner Stelle soll ein Geschäftshaus entstehen. Dem im kantonalen Kurzinventar aufgeführten Haus wurde zwar eine gewisse Bedeutung zugestanden, ein rechtlicher Schutz bestand aber nicht.

Besonders sensibilisert auf die Thematik des Ortsbildschutzes ist Einwohnerrätin Marie-Louise Reinert (EVP). Sie hat in mehreren Vorstössen einen rücksichtvolleren Umgang mit den neueren Bauten gefordert (az vom 7. März). Dabei dachte sie insbesondere auch an Häuser, die erst ab den 50er-Jahren erstellt wurden. Einige davon, wie das «Haus zum Hobel» an der Landstrasse. Reinert verlangte zudem, dass das Bauinventar, bisher Kurzinventar genannt, aktualisiert ergänzt werden müsse. Diesen Forderungen kommt die Gemeinde Wettingen nun nach.

Das Bauinventar wurde 1998 durch Mitarbeitende der kantonalen Denkmalpflege erarbeitet. Darin sind kommunal schützenswerte Bauten, Anlagen und Kleinobjekte erfasst, die vor 1920 erstellt wurden. Entstanden ist so ein Hinweisinventar für die kommunalen und kantonalen Behörden. Diese sind durch das Kulturgesetz zur Erhaltung und Pflege von Kulturdenkmälern und Ortsbildern verpflichtet. Die im Inventar aufgeführten Objekte geniessen keinen besonderen Schutz. Deshalb konnte das Pfyfferhuus abgebrochen werden.

Die Gemeinde geht noch einen Schritt weiter. Im Hinblick auf die nächste Revision Nutzungsplanung wird das Bauinventar aktualisiert. Dazu werden Mitarbeiter der kantonalen Denkmalpflege die bereits erfassten Objekte bis zu einer Zeitgrenze von 1920 überprüfen. Gleichzeitig wird im Auftrag der Gemeinde das Büro Vestigia aus Zürich und Basel, Objekte aus den Jahren 1920 bis 1980 erfassen.