Wettingen
Aussergewöhnliche Konzertbühne: Vater und Tochter treten im alten Wasserreservoir auf

Der Wettinger Matthias Scheidegger und seine Tochter Hannah Beutler verwandelten das stillgelegte, kühle Wasserreservoir Scharten 2 in einen Raum voller Mystik und Klang.

Cristina Wenzinger
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Matthias Scheidegger und seine Tochter Hannah Beutler traten im Wettinger Wasserreservoir auf.

Matthias Scheidegger und seine Tochter Hannah Beutler traten im Wettinger Wasserreservoir auf.

Bild: Cristina Wenzinger

Was sich exotisch anhört, war eine Gelegenheit, klassische Musik in speziellem Umfeld zu geniessen: Angesichts des Wettinger 975-Jahr-Jubiläums performte das Vater-Tochter-Gespann aus Matthias Scheidegger und Hannah Beutler nach mehreren Konzerten am Sonntag noch ein letztes Mal in dem stillgelegten Wasserreservoir in Wettingen. Mit der Konzertreihe wollte der eigens gegründete Verein «Klangwelt Lägern» in Wettingen einen zusätzlichen kulturellen Akzent setzen.

Unter dem Motto «Wo Wasser war – wird Klang!» verwandelten der 56-Jährige und seine 22-jährige Tochter das stillgelegte Wasserreservoir in eine nicht mehr ganz so stille Konzerthalle. Das Besondere an dem Auftritt: Früher füllte Wasser den kathedralenartigen, mit Säulen durchsetzten Raum. Am Sonntag waren es hypnotisierende Gitarrenklänge und Gesang.

Der Dozent für klassische Gitarre und Interpretation zeitgenössischer Musik an der Hochschule Luzern spielte unter anderem die Gitarre mit einem Bogen, der im herkömmlichen Sinne eher bei Streichinstrumenten zu finden ist. Dazu gab es Gesang von Hannah Beutler, die ihren Master of Arts in Musikpädagogik mit Auszeichnung abschloss und zurzeit im Master of Arts Performance studiert. Mit ihrer ausgebildeten Stimme gelang es ihr überraschenderweise auch, den Raum mit blossem Summen zu erfüllen.

Matthias Scheidegger spielte seine Gitarre unter anderem mit einem Bogen.

Matthias Scheidegger spielte seine Gitarre unter anderem mit einem Bogen.

Bild: Cristina Wenzinger

Begrenzter Raum mit beinahe unbegrenztem Hall

Das Reservoir aus dem Jahr 1947 diente 70 Jahre lang dazu, das heraufgepumpte Grundwasser für die Versorgung der höher gelegenen Häuser mit dem nötigen Druck zur Verfügung zu stellen. Heute macht das Reservoir, das grösstenteils versteckt im Waldboden in der Nähe des Restaurants Schartenfels steht, mit seiner eindrücklichen Architektur eine aussergewöhnliche Akustik möglich. Auch wenn der Raum eher klein und begrenzt ist, klingt der Ton eindrücklich lang und hallt von allen Seiten des Raumes wider, was eine besondere Mystik schafft.

Das eigens für den Klangraum in der Lägern gestaltete Konzept der beiden Musiker nahm als Ausgangspunkt Musik von John Dowland, der zur Zeit von Königin Elisabeth I. in England Lieder für Laute dichtete und komponierte. Diese Lieder bilden heute noch einen Anziehungspunkt für junge und ambitionierte Gitarristen. Die Werke kamen in dem kleinen Raum optimal zur Geltung – was nicht nur an der besonderen Akustik lag, sondern auch an dem guten Zusammenspiel und der Spielfreude der beiden Protagonisten.

Optisch untermalt wurde das Konzert mit farblich den jeweiligen Stimmungen angepassten Lichtstrahlern. So gab es orangenes Licht, das für Wärme sorgte, oder blaues Licht, durch das sich das Reservoir wieder zurück in eine kleine Unterwasserwelt verwandelte. Der knapp einstündige Auftritt des musikalischen Gespanns Scheidegger-Beutler bot den Zuhörenden einen sinnlichen Genuss der besonderen Art.

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