Wettingen
Bienenwachs, Wein, Gemüse und Kräuter: So wurde das Klosterfest für über Tausend Besucherinnen und Besucher zum Fest der Sinne

Über 1300 Interessierte kamen am Pfingstmontag auf die Klosterhalbinsel nach Wettingen. Unter dem Motto «1000 Düfte» bot das Klosterfest die Gelegenheit, Geschichte und Düfte zu entdecken.

Ursula Burgherr
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Erlebniswelt für Jung und Alt: Es konnte geschnuppert und entdeckt werden.

Erlebniswelt für Jung und Alt: Es konnte geschnuppert und entdeckt werden.

Ursula Burgherr

«1000 Düfte» ist das Jahresmotto von Museum Aargau, zu dessen Standorten seit dem 1. April auch die Klosterhalbinsel Wettingen gehört. Für rund 1300 Besucherinnen und Besucher war das Klosterfest am Pfingstmontag die Gelegenheit, um Attraktionen zu erkunden oder an einem der speziell für den Event kreierten Duftrundgänge teilzunehmen.

Beni Egloff, Leiter der sechs Hektaren umfassenden Klostergärtnerei, hatte dazu viel Spannendes zu erzählen. Über die Reben zum Beispiel, dass ein Mönch früher rund 100 Liter Wein pro Jahr trank. Beim Bienenkasten, von dem Wohlgeruch nach Propolis ausströmte, dass Wachs bis vor 200 Jahren nur kirchlichen Zwecken vorbehalten war. Zu wertvoll für das «einfache Fussvolk», welches Kienspäne anzündete, um im Dunkeln Licht zu ­haben.

Beni Egloff ist Leiter der sechs Hektaren umfassenden Klostergärtnerei.

Beni Egloff ist Leiter der sechs Hektaren umfassenden Klostergärtnerei.

Ursula Burgherr

Nicht nur die zahlreich vorhandenen Blumen, Kräuter, Gemüse und Früchte wurden ­beschnuppert. An der jüngst rekonstruierten Holzbrücke war Schwarzpulver zu riechen. Vor 200 Jahren wurde sie von napoleonischen Truppen zerstört.

Werbung machen – für jüngere Mitglieder

Das Klosterfest auf der Klosterhalbinsel Wettingen war für Jung und Alt ein Erlebnis.

Das Klosterfest auf der Klosterhalbinsel Wettingen war für Jung und Alt ein Erlebnis.

Ursula Burgherr

«Nach zwei Jahren Pause können wir endlich wieder feiern», freute sich Monica Gassner-Rusconi, die zusammen mit Doris Stump, Felix Senn und Kurt Frei den Quartierverein Wettingen-Kloster leitet. Mit vielen Freiwilligen führen sie die Klosterbeiz, die seit eh und je als Dreh- und Angelpunkt des Festes gilt. «Wir haben rund 300 Mitglieder und unser Zusammenhalt ist gut», sagt sie und ist sich bewusst:

«Damit wir altersbedingt nicht ausdünnen, müssen wir wieder mehr Werbung machen. Dafür sind Veranstaltungen wie das Klosterfest ideal.»

Im Brudersaal gab es zur Feier des Tages eine Schau-Destillerie, in der ätherische Öle gewonnen wurden. Kinder konnten aus Salbei, Pfefferminz und Zucker selber Bonbons herstellen.

Für musikalische Unterhaltung sorgte die Harmonie Wettingen-Kloster. Über 600 Jahre Zisterzienserkloster, dann Lehrerseminar und schliesslich Kantonsschule.

Ein Ort, wo Mönche sprechen und Gäste empfangen durften

Die Geschichte der Klosterhalbinsel Wettingen wurde von verschiedenen Epochen geprägt. Das Parlatorium war früher einer der Orte, wo Mönche sprechen und Gäste empfangen konnten. Heute bespielen es die Kantonsschülerinnen und -schüler, die hier zum Unterricht gehen, mit der von ihnen gestalteten Dauerausstellung «Im Gespräch über Wissen und Glaube».

Herzstück ist eine Installation aus Holzplatten mit über 300 Fragen, welche die Jugendlichen beschäftigt haben. Zum Beispiel: «Warum ist es uns erlaubt, Tiere zu töten?» Oder: «Kann man an Liebeskummer sterben?» Gäste können an verschiedenen Stationen ihre eigenen Inputs geben, sich andere Meinungen anhören oder mit den Schülern diskutieren.

Zudem wurden die angehenden Erwachsenen bei ihren Interviews mit einem Autor, einer Künstlerin und einem Messie per Film festgehalten. Letzteren fragten sie: «Was hält uns an den Dingen fest?»

Eine intime Sichtweise auf das Kloster

Im Observatorium läuft – ebenfalls dauerhaft – der Film «Dem Wissen auf der Spur». Das Publikum macht eine Zeitreise von den ersten Höhlenmalereien über die Vertreibung der Mönche aus dem Kloster 1841 bis hin zu den neuen Herausforderungen, mit denen die «Wissensgesellschaft» sich heute konfrontiert sieht.

Neu ist auch die Tour durch den Kreuzgang und den Chor. Beides lässt sich per Kopfhörer ­erkunden. Von Kantischülern, einem Zisterziensermönch und anderen Exponenten erfahren Besucherinnen und Besucher ganz persönliche und intime Sichtweisen auf das Kloster. Frisch aufgehübscht zeigen sich auch das ehemalige Abthaus und der Abteigarten, die früher als Sommerresidenz dienten und dem Publikum den Alltag der Geistlichen vorführte.

Reguläre Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. Weitere Infos auf www.klosterhalbinselwettingen.ch

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