Sportstadt, Gartenstadt, Generationenstadt, diese drei als Leuchttürme bezeichneten Themenkreise sollen die nächsten 10 bis 15 Jahre das Bild des Dorfes Wettingen prägen, den «Stern an der Limmat» sein. Wie genau der Gemeinderat sich das vorstellt, hat er in seinen Leitsätzen und Leitzielen definiert. Der Sport geniesst in Wettingen unbestrittenermassen einen hohen Stellenwert. Erfolgreiche Vereine wie der Hockeyclub Rotweiss Wettingen dominieren seit Jahrzehnten die nationale Spitze. Deshalb will der Gemeinderat die rund 60 Vereine weiterhin mit einer guten Infrastruktur unterstützen. Die Bezeichnung Gartenstadt charakterisiert das Erscheinungsbild und damit den Lebensraum der Gemeinde wie kaum ein anderes Prädikat.

Sie zu erhalten ist auch eine wichtige Voraussetzung, um den dritten Leuchtturm erstrahlen zu lassen, die Generationenstadt. Die Leitsätze und Leitziele, aufgeteilt in mehrere Abschnitte, werden in einer übersichtlichen Broschüre publiziert. Der Bürger erhält ein sehr übersichtliches Werk, in dem er sich gut orientieren kann. Aber wahrscheinlich unter dem Spardruck fällt die Broschüre, verglichen mit anderen Informationen drucktechnisch doch etwas vom gewohnten Standard ab.

Lässt sich Gemeinderat von Finanzdiskussion beeinflussen?

Wer die Broschüre liest, wird feststellen, dass das Wort Leitsätze mag noch angehen, das Wort «Leitziele» für den Inhalt etwas hoch gegriffen ist. Denn Ziele impliziert, dass die Vorstellung zumindest etwas über «weiter im bisherigen Stil» hinaus geht. Doch Visionäres enthalten die Leitsätze nicht. Sie sind weitgehend ein Fortschreiben des heutigen Wettingen. Das ist nicht grundsätzlich negativ, aber vielleicht doch etwas zu dürftig für das Ergebnis von Gedanken, die sich Leitziele nennen. Stellt sich die Frage, ob der Gemeinderat keine Visionen hat oder ob er sich von der herrschenden Finanzdiskussion zu stark beeinflussen liess. Sparen ist momentan das Einzige, was die Gemeindepolitik prägt. Nur mit Sparen, also mit einem sparsamen Umgang der vorhandenen Mittel, hat das aktuelle Verhalten einiger Politiker wenig zu tun. Die sich öffnende Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben scheint eine Hektik ausgelöst zu haben, die eher in die Richtung einer Hysterie geht, nach dem Motto «Geiz ist geil».

Die zu den Finanzen formulierten zwei Leitsätze und vier Leitziele weisen deutlich in eine solche Richtung hin. Unbestritten gilt: «Wettingen strebt über eine haushälterische Finanzpolitik einen ausgeglichenen Finanzhaushalt an». Und «Wettingen bewahrt in finanzieller Hinsicht den Handlungsspielraum unter Beibehaltung eines attraktiven Steuerfusses». Beides sind ebenso Selbstverständlichkeiten, wie die vier Leitziele. Doch man scheint vergessen zu haben, dass zu einem ökonomisch sinnvollen Verhalten nicht nur Sparen, sondern auch Investieren gehört. Investieren in eine Zukunft, die Wettingen und die nächste Generation in der Generationenstadt verdient haben. Doch die Voraussetzung dafür, es bracht Ziele.

Mehrmals kommt das Wort Steuerfuss vor. Gerade dies verrät, dass die Wettinger Finanzpolitiker, wie schon seit Jahren auch in Zukunft nur einen Richtwert kennen wollen, den Steuerfuss. Ein günstiger Steuerfuss ist unabdingbar und ein Mittel, um Ziele zu erreichen. Er kann aber nicht das Ziel sein, das Ziel muss eine Gemeinde sein, die ihren Einwohnern einen optimalen Lebensraum bietet, ihre Einwohner aber auch zu Eigeninitiativen anregt.

Die Verantwortung nimmt Gemeinde erfolgreich wahr

Eher dürftig sind die Aussagen zum Verhalten von Wettingen in der Region. Dabei ist Wettingen ein unverzichtbarer Bestandteil der wirtschaftlich und gesellschaftlich prosperierendsten Region im Kanton Aargau. In kleinen Schritten hat die Gemeinde in den letzten Jahren Zentrumsaufgaben übernommen. Eine Funktion, die ihr schon aufgrund ihrer Grösse zukommt. Dies bringt aber auch eine gewisse Verantwortung gegenüber den Nachbarn, insbesondere den kleineren, mit sich. Diese Verantwortung nimmt die Gemeinde erfolgreich wahr. Doch wie so oft scheint bei der Zusammenarbeit mit den Nachbarn das typische Wettinger Verhalten vorzuherrschen: «Wir machen es, aber hoffentlich merkt es niemand.» Wobei unter Niemand vor allem die Miesepeter in den eigenen Reihen zu verstehen sind: Leute, die jegliche Aktivität abmurksen wollen, aus lauter Angst, ein anderer könnte allenfalls ein wenig profitieren. Dabei darf Wettingen stolz auf das Erreichte sein, ob dies nun die Entwicklung der Gemeinde oder die Regionalpolitik ist. Deshalb wäre es ehrlicher, in Leitsätzen die Marschrichtung zu skizzieren. Ob sie erfüllt werden, wird sich zeigen.

Das, was der Gemeinderat mit seinen Leitsätzen und Leitzielen präsentiert, ist eine gute Analyse des heutigen Wettingen und seiner Entwicklungsrichtung, mehr aber nicht: schade.