Wettingen
Abbruch eines ganzen Areals: Gärtnerei mit bekanntem Namen verschwindet endgültig – Blumenladen bleibt vorerst stehen

Auf dem über 14'000 Quadratmeter grossen Areal an der Schartenstrasse 149 in Wettingen soll eine Wohnüberbauung entstehen. Nun werden zuerst einmal die Gewächshäuser abgerissen – aus Sicherheitsgründen.

Claudia Laube
Merken
Drucken
Teilen
Die Gewächshäuser neben dem Blumenladen sollen im Mai oder Juni abgerissen werden.

Die Gewächshäuser neben dem Blumenladen sollen im Mai oder Juni abgerissen werden.

Sandra Ardizzone (5. März 2021)

Nun ist klar: Auf dem über 14'000 Quadratmeter grossen Grundstück der früheren Gärtnerei Lägere Blueme und Pflanze an der Schartenstrasse 149 wird eine Wohnüberbauung entstehen – auf einer Fläche von rund zwei Fussballfeldern. Die früheren Eigentümer der Gärtnerei, Walter Germann und Paul Anderes, hatten auf Ende Juni 2020 nach 35 Jahren den Betrieb aufgegeben, waren damals aber noch auf der Suche nach Investoren. Inzwischen konnten sie das Areal verkaufen: An die Suva Immobilien, mit Sitz in Luzern.

Ab dem 6. März liegt von der neuen Eigentümerin ein Gesuch für den Abbruch der Gewerbe- und Wohnliegenschaft auf der Gemeindekanzlei Wettingen auf. Abgebrochen werden aber nur die Gewächshäuser, schreibt Mediensprecherin Simone Isermann auf Anfrage. «Zum einen aus Sicherheitsgründen: Die Gebäude werden nicht mehr unterhalten, die Heizung wurde stillgelegt, sämtliche wasserführenden Leitungen entleert, die Gewächshäuser von der Elektroversorgung getrennt, und so weiter.» Da die Gebäude nicht mehr beheizt werden, könnten bei grossen Schneelasten die Dächer einstürzen.

«Zum anderen soll Vandalismus verhindert werden, da die Gewächshäuser über mehrere Jahre hinweg leer stehen würden.»

Die Suva rechnet damit, dass die Gewächshäuser im Mai oder Juni abgebrochen werden können. Der Blumenladen bleibt aber noch stehen. Vorerst: «Den Betreibern des Ladens wurde zugesichert, dass sie bis zum Baustart verbleiben können», sagt Isermann. Bis die Wohnüberbauung, «eventuell mit einem kleinen Anteil Gewerbefläche», gebaut wird, dauert es noch einige Jahre. «Vorgesehen ist ein Gestaltungsplanverfahren mit anschliessender Baueingabe», sagt Isermann. Damit werde aber frühestens Anfang 2023 gerechnet. Das Projekt sei erst in der Entwicklungsphase, «was mehrere Jahre beanspruchen kann».

Den Blumenladen tangiert das aktuelle Abbruchgesuch nicht.

Den Blumenladen tangiert das aktuelle Abbruchgesuch nicht.

(Sandra Ardizzone /5. März 2021)

Seit 1. Juli 2020 führen Caroline Müller, Janine Dössegger und Walter Huber unter dem geänderten Namen «Lägere Blueme GmbH» gemeinsam den Blumenladen. Die Gärtnerei mit der Verkaufsanlage und der Abteilung Lägern-Service hingegen wurden mit dem Weggang der früheren Eigentümer geschlossen. Von diesen hatten Müller, Dössegger und Huber die Zusage erhalten, den Blumenladen vorläufig für ein Jahr weiterführen zu können. Wie es danach weitergehen würde, war den drei langjährigen Floristen damals nicht klar. Nun können sie am Standort am Rande des Grundstücks, dort wo sich Scharten- und Rebbergstrasse kreuzen, weitermachen. «Das ist ideal für uns», sagt Huber.

Seit 82 Jahren werden an der Schartenstrasse Blumen verkauft

Die Gärtnerei an der Schartenstrasse neben der Sebastianskirche in Wettingen besteht seit 1939 – gegründet während des Zweiten Weltkriegs. 45 Jahre lang hatten diese Paula und Walter Meier-Angst betrieben, bevor sie das Geschäft 1985 an Walter Germann und Paul Anderes verkauften. Meier-Angst begründeten den Ruf der Gärtnerei über die Dorfgrenzen hinaus und Germann und Anderes führten erfolgreich weiter, was das Ehepaar aufgebaut hatte.

Im Alter von 70 Jahren war im vergangenen Jahr auch für Germann und Anderes die Zeit gekommen, den Betrieb aufzugeben. Sie hätten sich in den vergangenen fünf Jahren Gedanken über eine Nachfolge gemacht, zum einen wegen ihres Alters, zum anderen wegen der hohen Investitionen, die bei den Liegenschaften hätten getätigt werden müssen, sagte Germann damals zur AZ. Eine Verpachtung sei zur Diskussion gestanden: «Doch in dieser Branche bei so hohem Investitionsbedarf Geld zu verdienen, ist fast aussichtslos», erklärte Germann weiter.

Für welchen Betrag er und Anderes das Grundstück an die Suva verkauft haben, ist nicht bekannt. «Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart», so Mediensprecherin Simone Isermann.