Wettingen
Gemeinderat lehnt eine Sportschule ab – aus finanziellen Gründen ab

Einwohnerrat Daniel Notter (SVP) wünscht sich, dass hiesige Talente mehr gefördert werden, zum Beispiel mit einer eigenen Sportschule. Seinem Vorstoss erteilt der Gemeinderat aber eine Abfuhr.

Claudia Laube
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Erfolgreicher Wettinger Sport: Der Schweizer Serienmeister im Landhockey, Rotweiss Wettingen, beim Trainingsstart im letzten Jahr.

Erfolgreicher Wettinger Sport: Der Schweizer Serienmeister im Landhockey, Rotweiss Wettingen, beim Trainingsstart im letzten Jahr.

Alexander Wagner

Kurz bevor die Bevölkerung wegen der Coronapandemie in einen ersten Lockdown geschickt wurde, reichte der Wettinger Einwohnerrat Daniel Notter (SVP) ein Postulat ein, das die Prüfung einer Sportschule forderte. Die bisher einzige im Kanton ist in Aarau zu finden. Genau ein Jahr später kommt der Vorstoss nun diesen Donnerstag vor den Einwohnerrat, mit der Empfehlung des Gemeinderats, ihn abzulehnen.

Aus nicht wirklich überraschenden Gründen: «Eine Sportschule ist eine freiwillige Aufgabe, welche in Anbetracht der prekären finanziellen Situation nicht weiterverfolgt werden soll», so der Gemeinderat. Ein Gespräch mit Kanton und Vertretern der Sportschule Aarau-Buchs habe ergeben, dass der Aufbau und der Betrieb einer Sportschule für die Gemeinde nicht kostenneutral sei. Es gäbe kein Fördergeld für den Aufbau, die Leistungen müssten von der Gemeinde getragen werden.

Mit einer solchen Antwort hat Postulant Notter zwar gerechnet: «Der Zeitpunkt für den Vorstoss war rückblickend wohl nicht ideal.» Trotzdem ist er enttäuscht:

«Man kann ja nicht immer alles auf Corona und die Finanzen schieben.»

Er hätte vom Gemeinderat etwas mehr sportlichen Pioniergeist erwartet. Es gehe auch nicht ­darum, gleich im nächsten Jahr eine Sportschule zu gründen, sondern erst einmal zu überprüfen, welche Möglichkeiten es überhaupt in Wettingen gebe, um junge Talente zu fördern.

Daniel Notter setzt sich für den Wettinger Sport ein.

Daniel Notter setzt sich für den Wettinger Sport ein.

zvg

So schlug er auch eine Sportklasse für Schülerinnen und Schüler aus Wettingen und der Region vor. «Wir haben uns den Leuchtturm Sportstadt verpasst. Einfach nur Dispensationen schreiben, damit die Talente zu Wettkämpfen oder Trainings können, das macht noch lange keine Sportstadt aus», argumentiert Notter. Auch wenn das gängige Praxis in vielen Gemeinden sei.

Förderprogramme statt Sportschule

So hätten zum Beispiel Handballer das Bedürfnis, für ihren Sport in der Region Baden bleiben zu können, sie wollten nicht unbedingt in Aarau die Sportschule besuchen. «Aktuell landen einige Talente der Einfachheit halber beim dort ansässigen Handballclub», sagt Notter.

Er hätte es auf jeden Fall nur schon begrüsst, wenn der Gemeinderat bereit dazu gewesen wäre, sein Anliegen detaillierter zu betrachten und verschiedene Optionen auszuloten. Er habe den Vorstoss auch extra als Postulat – ein weniger verbindliches politisches Instrument als eine Motion – eingereicht und ihn eher offen formuliert. Leider sei ihm das Förderprogramm der Kantonsschule Baden namens Taff – «Talente mit ausserschulischem Fokus fördern» – erst nach seinem Vorstoss begegnet. Denn: «Auch so etwas könnte ich mir für Wettingen vorstellen.»

Es sei ihm sehr wohl bewusst, dass eine Wettinger Sportschule eine sehr visionäre Sache sei, «zumal es in Aarau ja bereits eine Schule gibt». Aber es gäbe ja offensichtlich noch andere Optionen. Dass der Gemeinderat den Vorstoss nun einfach ablehne, ohne sich des Themas vertiefter anzunehmen, das fuchst Notter: «Wir haben viele gute Leute mit geeigneten Kompetenzen hier in der Gemeinde, Verbandsfunktionäre, Sportlerinnen, Lehrer, man hätte eine erste Arbeitsgruppe bilden können. Das wäre nicht teuer gekommen.»

Einer der wenigen Bürgerlichen, die für Sportfachstelle gestimmt hatten

Für Notter ist noch unklar, wie er nun weiter vorgeht: «Entweder ich akzeptiere die Ablehnung, halte am Postulat fest oder bringe zu einem späteren Zeitpunkt einen neuen Vorschlag.» Er tendiert zu letzterem und ist deshalb auch bereits im Gespräch mit Einwohnerrat Adrian Knaup von SP/WettiGrüen.

SP/WettiGrüen gehört zu den zwei Fraktionen, die sich in ihren Berichten, die vorgängig zu den Einwohnerratssitzungen veröffentlicht werden, zu Notters Vorschlag geäussert haben. Die Linken finden die Sportschule eine «tolle Idee», aber:

«Hier zeigt sich einmal mehr, dass sich Visionäres für Wettingen schlecht vereinbaren lässt mit extremer Sparpolitik.»

Es sei folgerichtig, wenn der Gemeinderat sich nicht darauf einlasse. «Leider geht auch das nicht ohne zusätzliche grosse Investitionen und/oder auf Kosten anderer freiwilligen Leistungen.» SP/WettiGrüen will den «positiven Vorstoss aber nicht sang- und klanglos versenken, sondern sich dafür einsetzen, dass in einer Light-Version Talente aus Sport, aber auch Musik und Kultur an den Wettinger Schulen gefördert werden können.»

Auch für die Fraktion EVP/Forum5430 tönt eine Wettinger Sportschule attraktiv, «aber die Gemeinde kann sich einen Leistungsausbau im Moment nicht leisten». Umso mehr erstaune es, dass der Vorstoss ausgerechnet aus den Reihen der «Sparpartei» SVP komme. «Sportkoordinationsstelle nein – Sportschule ja. Das passt einfach nicht», schreibt die Fraktion in ihrem Bericht.

Das irritiert Notter, war er doch einer der wenigen Bürgerlichen, die im Juni 2020 Ja zur Sportfachstelle gesagt hatten, die am Ende mit 25 Nein- zu 22 Ja-Stimmen abgelehnt worden war – ebenfalls aus Spargründen. Vor allem der veranschlagte Lohn für den künftigen Leiter oder die künftige Leiterin hatte damals für Diskussionsstoff gesorgt. Notter setzte sich trotzdem für die Fachstelle ein: «Wir haben rund 60 Sportvereine und rund 50 Schweizer Meister, die wir jährlich ehren.» Sport sei wichtig und gehöre zu Wettingen. Die anderen Bürgerlichen überzeugte er damit aber nicht.

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