Wettingen
«Wettingen gibt künftig wesentlich mehr für die Betreuung der Kinder aus»

Gemeinderat Heiner Studer (EVP) äussert sich zu den geplanten Blockzeiten und den neuen Tagesstrukturen. Studer ist Vorsteher der Ressorts Bildung und Erziehung.

Nadja ROhner
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Heiner Studer, warum will der Gemeinderat nicht, dass alle Kinder betreut werden können – egal, ob sie am Nachmittag Schule haben oder nicht?

Heiner Studer: Aus Sicht von Gemeinderat und Schulpflege lässt sich nicht alles auf einmal realisieren. Wir sind davon überzeugt, dass ein schrittweises Vorgehen sinnvoll ist.

Kann man also davon ausgehen, dass in absehbarer Zeit Betreuung für alle Kinder angeboten wird?

Im Grossen Rat ist das entsprechende Gesetz in Bearbeitung. Es wird sich zeigen, was dabei herauskommt. Mit der aktuellen Vorlage des Gemeinderats können die Kinder immerhin an zwei Tagen pro Woche von 8 bis 17.30 Uhr betreut werden.

Was, wenn die Tochter am Montag und Dienstag betreut wird, der Sohn am Donnerstag?

Wenn jemand zwei Kinder hat, haben die Eltern dafür zu schauen, dass beide in der gleichen Abteilung sind, damit sie an den gleichen Nachmittagen betreut werden.

Andere Gemeinden haben durchgehende Tagesstrukturen für alle Kinder. Das kann für Neuzuzüger ein wichtiges Kriterium sein. Befürchten Sie keinen Nachteil für Wettingen?

Das grösste Problem in Wettingen ist, dass Familien, die nicht über ein hohes Einkommen verfügen, kaum günstigen Wohnraum finden.

Ist es denn nicht zentral für ein hohes Einkommen, dass beide Eltern arbeiten können und sich keine Sorgen um die Betreuung machen müssen?

Wer ein hohes Einkommen hat, kann andere Betreuungsmöglichkeiten finden. Warum müssen für ein hohes Einkommen beide voll arbeiten? Ich kenne Fälle, in denen beide einen Teil der Betreuung übernehmen.

Der Verein Tagesstrukturen fühlt sich ausgeschlossen. Man habe sie nicht angehört, als die Vorlage ausgearbeitet wurde, sagt die Präsidentin Marianne Rüegg.

Am 22. Juli orientierte ich den Vereinsvorstand und die Geschäftsführerin per Mail über den Stand der Arbeiten – noch vor Abschluss der Vorlage. Ich schrieb, dass Gemeinderat und Schulpflege eine Ausweitung des Mittagstischs auf den Mittwoch vorsehen. Zudem soll für die Kinder, die am Nachmittag Schule haben, neu bis 17.30 Uhr Betreuung angeboten werden. Marianne Rüegg antwortete mir noch am gleichen Tag, drückte ihr Bedauern aus und schrieb, dass der Verein seinen eingeschlagenen Weg fortsetzen wolle.

Aber in der Arbeitsgruppe wurde der Verein Tagesstrukturen nie angehört?

In der vorbereitenden Arbeitsgruppe waren weder die Initiantinnen der umfassenden Blockzeiten noch der Verein Tagesstrukturen vertreten. Später nahmen alle Einwohnerratsfraktionen an der Arbeitsgruppe teil – schliesslich ist es auch der Einwohnerrat, der zu entscheiden hat.

Der Gemeinderat will nur noch 13 Betreuungsstunden, statt 22 wie bisher. Es wurden Stimmen laut, dass so die grossen Blockzeiten finanziert werden sollen.

Um den Blockzeitenunterricht durchzuführen, muss das neue Fach Freies Gestalten geschaffen werden. Dieses wird jährlich 250'000 Franken Mehrkosten verursachen. Als familienfreundliche Gemeinde setzt Wettingen dieses Geld gerne ein. Man kann nicht sagen, dass wir dafür Betreuungsstunden opfern: Die Stunden, die am Morgen gestrichen werden, werden ohnehin durch die Blockzeiten in der Schule abgedeckt. Insgesamt gibt Wettingen zukünftig wesentlich mehr für die Betreuung aus.