Wettingen
Lägerebräu-Chef: «Die Coronakrise ist wie Jogging am Strand»

Jede Firma, die eng mit der Gastro- und Eventbranche verbunden ist, hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Wie die Wettinger Brauerei Lägerebräu durch die Pandemie kommt und was jetzt - zur Freude der Bierliebhaber - mit dem überschüssigen Winterbier passiert.

Andreas Fretz
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Krisenresistent: Der Lägerebräu-Biergarten lief im letzten Sommer trotz Coronapandemie so gut wie noch nie.

Krisenresistent: Der Lägerebräu-Biergarten lief im letzten Sommer trotz Coronapandemie so gut wie noch nie.

Zvg/Archiv

Auf den ersten Blick ist es ein irritierender, auf den zweiten ein sehr treffender Vergleich. Die Coronakrise komme ihm vor wie Jogging am Sandstrand, sagt Lägerebräu-Geschäftsführer Simon Dankwa.

«Man kommt nur halb so weit und es ist dennoch viel anstrengender.»

Die Wettinger Bierbrauerei, die seit 2008 auf der Klosterhalbinsel zuhause ist, hat wie jede Firma, die eng mit der Gastro- und Eventbranche verbunden ist, ein schwieriges Jahr hinter sich. Rund 18 Prozent weniger Bier hat die Firma im letzten Jahr gebraut. «Mit diesem Rückgang liegen wir etwa im landesweiten Branchenschnitt», sagt Dankwa.

Das Erfreuliche: Im Sommer 2020 konnten die Verluste des Frühjahrs aufgeholt werden. Einen grossen Teil dazu beigetragen hat der betriebseigene Biergarten. «Er lief so gut wie noch nie», sagt Dankwa. Dank dem Goodwill der Behörden konnte das Areal vergrössert werden, sodass trotz Abstandsregeln gleich viele Leute wie zu normalen Zeiten Platz fanden.

Der Biergarten ist startklar

Im Unterschied zu früher haben die Leute mehr konsumiert. «An den Wochentagen lief es so gut, wie sonst nur am Wochenende», sagt der Geschäftsführer. Sollten Gastrobetriebe ihre Terrassen demnächst wieder öffnen dürfen, würde auch der Biergarten seinen Betrieb sofort aufnehmen.

«Wenn das Konzept gut ist, getrauen sich die Leute, zu kommen», so die Erfahrung Dankwas. Trotz aller Unbill schliesst er sich nicht der Kritik jener an, die eine Öffnung der Gastronomie um jeden Preis anstreben.

«Die Gesundheit ist nach wie vor das wichtigste Gut»,

sagt Dankwa, «ich vertraue dem Bundesrat und dem Kanton, dass sie die richtigen Entscheide treffen.»

Trotz des erfolgreichen Sommers waren die letzten Monate vom erneuten Lockdown geprägt. Lägerebräu beliefert sowohl die Gastronomie als auch den Handel. In der Gastronomie ist der Umsatz um mindestens 50 Prozent eingebrochen, dafür sind die Zahlen in den Verkaufsläden leicht nach oben gegangen. Den eigenen Rampenverkauf konnte Lägerebräu gar um 20 Prozent steigern. «Aber das ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt Dankwa.

Kurzarbeit als nützliches Instrument

Abgesehen vom Sommer hat der Betrieb Kurzarbeit eingeführt. Zehn Angestellte zählt Lägerebräu. Kündigungen konnten vermieden werden. «Die Kurzarbeit ist ein sehr nützliches Instrument», sagt der studierte Betriebswirt. Geplante Investitionen oder Projekte hat man gestoppt oder verschoben. Klumpenrisiken hat man schon immer zu meiden versucht.

Mit Ideenreichtum und kleinen Aktionen wie der Krisenkiste, der Quarantänebox oder einem Strassenverkauf stemmte sich Lägerebräu gegen die Auswirkungen der Pandemie. Falls der Bundesrat die 15-Personen-Regelung im Freien gutheissen wird, kommen das «Biergarten at home Package» und «Beerpong at home Package» hinzu. «Damit wollen wir positive Signale aussenden und auch in der Erinnerung der Leute bleiben», sagt Dankwa.

Ab Donnerstag wird das überschüssige Winterbier angezapft

Die nächste Aktion von Lägerebräu beginnt am Donnerstag. Während drei Tagen werden die Fässer mit dem überschüssigen Winterbier geleert. «Wir zapfen den Leuten das Bier vor Ort frisch ab», sagt Dankwa. «Die Leute sind eingeladen, mit ihren Flaschen vorbeizukommen.» Das Bier gibts kostenlos. Ein Support-Kässeli steht bereit.

Das überschüssige Winterbier wird unter die Leute gebracht.

Das überschüssige Winterbier wird unter die Leute gebracht.

Alex Spichale

Wie andere Bierbrauer hat auch Dankwa den Eindruck, dass während der Pandemie zu Hause mehr getrunken wird. «Allerdings glaube ich, dass eher billiges Importbier von diesem Trend profitiert.» Das legten jedenfalls die Zahlen des Branchenverbands nahe.

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