Wettingen
Mindestgebot zu hoch: Niemand will diesen Porsche eines hoch verschuldeten Unternehmers ersteigern

Auf dem Wettinger Rathausplatz hätte es zu einer Versteigerung eines geleasten Porsche Panamera kommen sollen. Doch die Hürde von mindestens 29'555 Franken war zu hoch.

Claudia Laube
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Der weisse Porsche mit 156'000 Kilometern war das Geschäftsauto eines hoch verschuldeten Wettinger Unternehmens.

Der weisse Porsche mit 156'000 Kilometern war das Geschäftsauto eines hoch verschuldeten Wettinger Unternehmens.

Bild: cla

Ungewöhnliches spielte sich am Donnerstagnachmittag auf dem Wettinger Rathausplatz ab. Ein weisser Porsche Panamera, vor rund zehn Jahren erstmals in Verkehr gesetzt und mit inzwischen 156'000 Kilometern auf dem Tacho, ist zu ersteigern. Dabei finden sich gefühlt mehr Gemeindeangestellte als potenzielle Bieter vor dem Rathaus ein.

Nur wenige Personen, vorwiegend Männer in dunklen Winterjacken, stehen eine halbe Stunde vor der eigentlichen Versteigerung rund ums Gefährt und betrachten dieses vertiefter – während die Sonne bei kühlen Temperaturen das herausgeputzte Gefährt noch strahlender erscheinen lässt.

Manche lassen es sich nicht nehmen, sich kurz ans Steuer zu setzen, oder sie beschreiben telefonierend, was sie im Innern des Wagens sehen. Sind es während der Besichtigung noch einige wenige Personen mehr, so stehen um 16 Uhr, dem offiziellen Termin, nur noch fünf Männer da. Die fragt der Verantwortliche Patrik Schibli, Wettingens Leiter des Betreibungsamtes, ob er mit der Versteigerung beginnen könne. Sie winken aber alle unisono ab und so ist die Versteigerung zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hat. Gescheitert ist sie wegen des für die potenziellen Käufer zu hohen Mindestpreises von 29'555 Franken und 75 Rappen. Nach der Versteigerung hätte der Käufer das Geld bar übergeben müssen.

20'000 Franken hat einer dabei, mehr sei ihm der Porsche nicht wert, sagt er im Nachgang zur AZ. Für 30'000 Franken fände man bessere Angebote, inklusive Garantie. Dieser Porsche sei zwar ein schönes Auto, aber für diesen Preis dennoch nicht attraktiv genug. Der Garagist aus dem Raum Aarau hätte das Gefährt gerne aufbereitet und dann weiterverkauft. Er habe gehofft, dass die Option auf ein günstigeres Kaufangebot bestehe, erklärt der Mann.

Kein weiteres Geld, um Schulden abzubauen

Eine Verhandlungsbasis gibt es mit 20'000 Franken aber nicht, weil es sich beim Porsche um ein Leasingfahrzeug handelt, wie Betreibungsleiter Schibli ausführt. Das komme bei Versteigerungen eher selten vor. Vor diesem Hintergrund ist das Betreibungsamt gezwungen, auf den Wunsch der Leasingfirma einzugehen, das den ganzen, noch offenen Betrag zurückfordert.

Schibli glaubt ebenso, dass es auf dem Markt bessere Angebote für diesen Preis gibt als dieses Importfahrzeug mit 3-Liter-Dieselmotor. Und was passiert nun mit dem Auto? Es gebe zwei Optionen, sagt Schibli:

«Entweder geht es wieder an den Schuldner oder die Leasingfirma
nimmt es zurück.»

Schibli geht aber stark von Letzterem aus, also nicht davon, dass der Schuldner eines Tages doch wieder mit dem Porsche durch die Gegend kurvt.

Geld, um Schulden abzubauen, gibt es nun aber nicht. Das wäre jedoch sowieso nur «ein Tropfen auf den heissen Stein» gewesen, sagt Schibli. Beim Schuldner handle es sich um eine Wettinger Firma, die zwar nicht in Konkurs ist, aber einen hohen Schuldenberg angehäuft hat; und der sei wesentlich höher, als es der Mindestbetrag für den Porsche gewesen wäre.

Am Ende der Veranstaltung gesellt sich auch noch ein älterer Herr zum Betreibungsleiter, der die ganze Szenerie von weitem beobachtet hat. Er habe gesehen, dass alle davongelaufen seien und wundere sich, ob denn nun nicht doch noch jemand kommen und 20'000 Franken bezahlen könne? Nein, erklärt Schibli auch dem Passanten, das dürfe man nicht. Die Leasinggesellschaft verlange diesen Mindestbetrag vom Betreibungsamt, «das ist keine Laune von uns».