Wettingen
Seine Glasmurmeln wirbeln durch Kunstwerke: Alain Schartner verblüfft als Kugelbahnbauer

In Alain Schartners Kunstwerken wirbeln Glasmurmeln, Metallkügelchen oder Basketbälle auf verschlungenen Wegen dem Ausgang zu. Seine Werke faszinieren die Betrachter, sind filigran, verspielt und hochkomplex.

Sibylle Haltiner
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Alain Schartner baut Kugelbahnen in verschiedenen Grössen und Formen. Sein mächtigstes Werk ist neun Meter hoch.

Alain Schartner baut Kugelbahnen in verschiedenen Grössen und Formen. Sein mächtigstes Werk ist neun Meter hoch.

Sibylle Haltiner

Fünf Glasmurmeln schickt der Kugelbahnbauer gleichzeitig auf die Reise. Jede folgt ihrer eigenen Bahn, strebt auf verschlungenen Wegen dem Ziel zu, die eine wirbelt wild in einer Spirale, eine andere dreht sich auf einem Rad. Vor und zurück, hin und her flitzen die kleinen Kugeln, schliesslich fallen alle beim selben Ausgang in ein Körbchen. «Alle Wege führen nach Rom» heisst die Kugelbahn, die Alain Schartner im Oktober an einer Kunstausstellung im Wynental gezeigt hat, zusammen mit vielen weiteren Bahnen in verschiedenen Grössen und Formen. Die Besucherinnen und Besucher waren fasziniert von seinen Kunstwerken, in welchen die Kugeln hurtig ihre Bahnen hinunterrollten, dabei Glöckchen oder Xylofonplättchen zum Klingen brachten und die Augen der Betrachterinnen und Betrachter nicht zur Ruhe kommen liessen.

Alles begann im Werkunterricht der Schule

Seine erste Kugelbahn baute der Wettinger mit 15 Jahren im Werkunterricht. Bereits damals war für ihn klar, dass er in Zukunft noch viele Bahnen bauen wird. Bis vor zwölf Jahren betrieb der heute 59-Jährige das Kugelbahnbauen als Hobby, seit 2009 ist er hauptberuflich freischaffender, selbstständiger Künstler. In seinem hohen und hellen Atelier in Wettingen stellt er nicht nur seine Bahnen und Objekte her, sondern bietet auch Kurse an für Kinder und Erwachsene oder veranstaltet Kindergeburtstage und Projektwochen für Schulklassen.

Auch mit Kinderspitälern und psychiatrischen Abteilungen arbeitet Schartner zusammen. «Die Kinder und Jugendlichen dürfen dann selbstständig löten und sich künstlerisch verwirklichen. Das machen sie sehr gerne», beschreibt der Künstler sein Engagement.

Alain Schartner: Keine zwei Kugelbahnen sind gleich.

Alain Schartner: Keine zwei Kugelbahnen sind gleich.

Sibylle Haltiner

Keine zwei Kugelbahnen von Alain Schartner sind gleich. Besonders fasziniert ihn jeweils das Gesamtbild. «Sie muss stimmig sein, vor allem mir gefallen», erklärt er. «Umso schöner, wenn mein Werk auch andere Leute anspricht.» Schartners Bahnen bestehen aus zusammengelötetem Kupferdraht. Beim Bau einer neuen Bahn geht er nicht nach Plan vor. Er stellt zuerst ein Grundgerüst her, damit er von oben her anfangen kann, danach legt er einfach los.

Loopings, Weichen und Klangelemente

«Wie es schliesslich herauskommt, stellt sich jeweils erst im Laufe der Arbeit heraus. Wichtig ist, dass die Kugel immer schön rollt, der Lauf muss ausgewogen und spannend sein», erklärt der Kugelbahnbauer. Sogar Loopings können die Murmeln drehen, Weichen stellen, damit die nächste einen anderen Weg rollt, oder Stufen hinunterhüpfen. Oft baut Schartner Klangelemente wie Glöckchen, Steine oder Xylofonplättchen ein, mit buntem Drachenpapier bespannte Drahtkreise verleihen den Objekten Farbe.

Kugelbahn von Alain Schartner.

Sibylle Haltiner

Während der Arbeit hört der Künstler gerne seine Jazzplatten oder lauscht Hörbuch-Krimis. Manchmal lötet er zusammen mit seinen drei Grosskindern. Schartners Kugelbahnen, oft Auftragsarbeiten, sind filigran und verspielt, gleichzeitig aber auch aufwendig und komplex. An einem kleinen Objekt arbeitet er acht bis zehn Stunden, grössere können einen Monat oder mehr in Anspruch nehmen. Sein bisher mächtigstes Werk steht im Spital Limmattal. Es ist neun Meter hoch, zehn Meter lang und anstatt Glaskügelchen rollen Basketbälle die Bahnen hinunter.

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